Die Rattenfänger

Die Rattenfänger hatten ihm nach und nach all seine Träume ausgetrieben. Erwachsensein heißt nichts anderes, als seine Träume an der Garderobe abzugeben und brav in der Vorführung zu sitzen – zu lachen, wenn man lachen soll, und zu klatschen, wenn man klatschen soll. Wer nicht mitmacht, riskiert ärgerliche Blicke. Und wer gar an der unrechten Stelle lacht oder klatscht, wird nicht selten des Platzes verwiesen. Er verstand schnell, dass Erwachsensein nicht mehr viel mit Spaß zu tun hatte. Es ging fortan um hehre Begriffe wie Pflichtbewusstsein und Verantwortung. Die Rattenfänger hatten ganze Arbeit geleistet. Generation für Generation wurden nach dem gleichen Muster erzogen. Der Vater sagte: „Solange du deine Füße unter meinem Tisch stellst, hast du gefälligst zu gehorchen!“. Ein paar Jahre später setzte Vater Staat die Erziehung nach ähnlichem Duktus fort. Es hieß dann: „Nur wer etwas leistet, kann sich etwas leisten.“ Und: „Wer Rechte hat, hat auch Pflichten!“ Er war angekommen, wo er nie hinwollte. Gegen die Rattenfänger hatte er keine Chance. Niemand hatte eine Chance – nicht einmal die Rattenfänger selbst. Sie glaubten an das, was sie predigten. Oder sie mussten es sich wenigstens vormachen. Sie hatten nur diese eine Melodie gelernt. Sie konnten nicht anders.

   

Die Stepptänzer

Die Stepptänzer erobern die Welt in höllischem Tempo. Sie steppen sich die Wahrheit zurecht – und die Massen tanzen mit. Egal ob Religion oder Politik. Egal ob Wissenschaft oder Philosophie. Egal ob Gerechtigkeit oder Moral. Sie tanzen wunderbar auf der Klaviatur der Propaganda. Sie tanzen absolut alles in Grund und Boden. Die Stepptänzer haben es drauf. An ihnen kommt niemand vorbei. Sie stoßen jeden von der Tanzfläche, der ihren Rhythmus stört.
Sie verfeinern ständig ihre Kunst. Keine Macht wird sie aufhalten…

Von Narrativen und Massenverarsche

Der Experimentator markierte einen langen Weg durchs Labyrinth mit Duftstoffen, auf welche Ratten gewöhnlich anspringen. Alternativ gab es einen unmarkierten viel kürzeren Ausweg. Wie zu erwarten war, schlugen die allermeisten Laborratten den langen Weg ein.
Wir richten uns nach den von unseren Regierungen (und den Leitmedien) evozierten Narrativen, egal ob sie bei näherem Hinschauen Quatsch sind oder sich gar als verhängnisvoll für uns herausstellen. Wir folgen den Rattenfängern. Der Versicherungsvertreter schließt die meisten Verträge ab, der bei seinen Kunden geschickt Angst für allerlei Bedrohungslagen schüren kann. Ebenso hat der Staat seine Bürger im Sack, wenn er das Narrativ eines schrecklichen Feindes erzeugen kann. So werden Kriege geführt, Unmenschlichkeiten legitimiert und Grundrechte ausgehebelt. Ist diese Maschinerie erstmal angelaufen, gibt es kein Zurück mehr. Selbst wenn die Sache längst verloren ist, werden viele Menschen felsenfest davon überzeugt sein, richtig gehandelt zu haben. Sie können nicht loslassen von dem Narrativ, dem sie sich verschrieben haben. Das Narrativ wird zum Kult erhoben und damit argumentativ unanfechtbar. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Die Menschen fallen immer wieder darauf rein… Vielleicht, weil in den Schulen nicht gerade der kritische Verstand gelehrt/unterstützt wird. Vielleicht, weil sie nur Haferflockenbrei in den Köpfen haben.

Wir schreiben das Jahr 2 der Corona-Zeitrechnung.