Nichts Neues im Konsumwunderland

Der gesunde Menschenverstand war noch nie ein gutes Argument, weil ihn jede Seite für sich beansprucht. Wer medial die Hoheit besitzt, kann Meinungen nach Belieben lenken. Quantität siegt über Qualität. Das ist nicht neu. Wer seine Lügen am Besten verpackt, ist am erfolgreichsten. Heutzutage spricht man von Framing… Wir leben inmitten eines weltweiten Informationskrieges. Auch das ist nicht neu. Ständig schlagen Fakenews in unseren Köpfen ein und verunsichern uns. Valide Fakten werden unter den Tisch gekehrt, wenn sie sich für das eigene Meinungs- und Handlungsregime nachteilig auswirken könnten. Die „Kriegspropaganda“ zeichnet ein klares Schwarzweißbild. Es sollen keine Zweifel darüber entstehen, wen wir als Freund oder als Feind anzusehen haben. Erst nach dem Krieg erkennen wir, wie töricht es war, auf die Masche der Kriegstreiber hereinzufallen. Was aber, wenn es sich um einen endlosen Krieg handelt? Dann wären wir ewig in unserer Sichtweise gefangen/geframt, je nachdem auf welcher Seite des Konflikts wir ständen – nicht nur manipuliert, sondern total assimiliert.
Das Gute ist dann, was die Hoheit, der wir uns unterwarfen, als gut absegnet, und jeder, der dies in Frage stellt, wird als böse für die Gemeinschaft erklärt. Auch das ist nicht neu in der Geschichte der Menschheit. Die Verkleidungen des Teufels sind mannigfaltig. Besonders gefällt ihm die Verkleidung als Gutmensch und Spießer/Opportunist. Der Teufel hat ein Faible für perfide/hinterfurzige Taktiken. Viele von uns können den Diavolo in sich nicht ausmachen. Sie folgen relativ unkritisch/geradlinig seinem (kapitalistischem, ideologischem, religiösem…) Verführungs-Mantra.
Sei es so.


Durchgeschüttelt

Ich schaffte es, während meiner Reise (12 Tage) keinen Bissen zu essen, – ernährte mich ausschließlich von Säften, Wodka, Bier und Rotwein. Es fiel mir nicht besonders schwer. Nach wenigen Tagen ist das Hungergefühl weg. Da ich viel schwitzte, musste ich hauptsächlich für sehr viel Flüssigkeit sorgen. Abends war ich so geschlaucht, dass ich mich mit einer Flasche Roten ins Zelt legte und mit meiner Lieblingsmusik in den Ohren dahindämmerte…
Eine sehr gute Anschaffung vor meinem Reiseantritt war der Kauf einer Urinflasche. Die Zeltnächte verliefen dadurch viel entspannter. Denn, was man tagsüber wegsäuft, muss schließlich wieder raus.
Inzwischen wurde ich, was das Essen angeht, rückfällig. Zuhause ist es eben etwas anderes. Eigentlich wollte ich noch die Tage, bis ich wieder arbeiten muss, durchhalten.
Mein Gott, wie schnell die Tage verflogen – wie im Rausch (lach!).
Ich lernte unterwegs alle Arten Kopfsteinpflaster und Panzerplatten kennen. Mein Gehirn wurde durchgeschüttelt wie ein Cocktail im Mix-Becher. Aber es nahm keinen Schaden… Ist halt ein Qualitätshirn. Wie auch meine Ausrüstung, hauptsächlich Fahrrad und Zelt, dank ihrer Qualität durchhielten. Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, die Wege. Die Wege waren beschissen in Polen: Kies- und Schotterwege, steinige und sandige Waldwege, Landstraßen mit unzähligen Schlaglöchern… Es schüttelt mich immer noch, wenn ich dran denke. Dann und wann ließen sich die verkehrsreichen Landstraßen nicht vermeiden. Oft waren es endlose Alleen. Wie ein Affe auf dem Schleifstein radelte ich an den (unbefestigten) Straßenrand gepresst, die Sinne hellwach, Kilometer für Kilometer… Wirklich gute Wege, auf denen ich entspannen und die wunderbare Natur um mich herum genießen konnte, gab es wenig. Einer davon führte mich in der Hitze des Nachmittags von Krokowa nach Swarzewo an die Danziger Bucht, wenige Kilometer unterhalb der Halbinsel Hel. Danzig lag in Schlagweite. Ich war so gut wie am Ziel. In die Notiz-App meines Smartphones schrieb ich: „Das Ziel erreicht zu haben, ist irgendwie nichts Besonderes mehr, wenn man dort ist.“