Ausgegraben

Über den Ungehorsam und andere Essays

Erich Fromm

Aus dem Vorwort:
Was es heißt, menschlicher Natur und dem Ziel einer humanen Gesellschaft gegenüber gehorsam, allen Arten von Idolen und politischen Ideologien gegenüber jedoch ungehorsam zu sein, das hat Erich Fromm in diesen Essays auf den Begriff gebracht. Seine Überlegungen sind nicht überholt. Denn der Ungehorsam gegenüber allen Arten von Konformismus und ein kritischer Standpunkt, was den common non-sense anbelangt, sollten immer noch unser wichtigstes Ziel sein.
Seine psychologische Einsicht in gesellschaftliche und politische Phänomene veranlasste Erich Fromm, für einige Zeit die Sozialistische Partei der Vereinigten Staaten zu unterstützen, sich in der Friedensbewegung und für die Abrüstung zu engagieren. Damit praktizierte er seinen eigenen Ungehorsam allen Formen des sogenannten »gesunden Menschenverstandes« und des offiziellen politischen Denkens gegenüber. Er gehorchte dem wirklichen rationalen Denken, wie es uns von den Propheten überliefert und von Menschen wie Albert Schweitzer und Bertrand Russell vorgelebt wurde.
(Annis Fromm, 1981)

Quelle: https://www.psychosozial-verlag.de

Das Experiment

Es kommt mir so vor, als würden die Bevölkerungen weltweit von ihren Regierungen einem Stresstest unterzogen. Ich fühle mich an die psychologischen Experimente an der UNI erinnert. Seiner Fantasie kann man dabei freien Lauf lassen. Die Experimental-Psychologie ist hochinteressant. Schon erstaunlich, wie leicht man Menschen täuschen kann, und was sie alles mit sich machen lassen. Umso geschickter der Versuchsaufbau, desto mehr Leute folgen ohne großes Hinterfragen dem Narrativ des Experimentators. Und wenn der dazu einen weißen Kittel trägt und den Eindruck eines Gelehrten macht, bettelt der Proband geradezu darum, die Katze im Sack zu kaufen.

„Das sich Anpullern lassen ist alternativlos“, tönt der Experimentator, und im Chor wiederholen Millionen Menschen: „Jawohl alternativlos!“
„Alle Menschen müssen sich anpullern lassen, wenn wir wieder unsere Freiheit zurückhaben wollen“, fährt der Experimentator fort, und wieder erschallen Millionen Stimmen: „Jawohl, alle müssen sich anpullern lassen – nur dann bekommen wir unsere Freiheit zurück!“
„Wer sich nicht anpullern lässt, ist ein Ketzer. Und was macht man mit Ketzern?“ ruft der Experimentator und lacht dämonisch. Unisono antworten die Massen: „Auf den Scheiterhaufen mit den Ketzern! Sie sind schuld an unserem Unglück! Sie stehlen uns die Freiheit!“
„So soll es geschehen. Das Volk hat gesprochen“, der Experimentator verbeugt sich und tritt ab.

Indes diskutiert die politische Elite Deutschlands über eine allgemeine Impfpflicht. Vor wenigen Monaten noch hatten sich die meisten gegen Impfplicht und Impfzwang ausgesprochen. Nun, dass Politiker Wendehälse sind, dürfte allseits bekannt sein. Sie richten sich nach dem, was populär ist, was der Zeitgeist ihnen gebietet. „Nehme nie einen Politiker beim Wort“, sagte schon der hochgeschätzte alte Philosoph Bonanzamargot.

„Aber ist denn eine allgemeine Impfpflicht überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbar?“ hört man einige Stimmen vorsichtig und leise fragen.
„Was nicht passt, wird passend gemacht!“ lacht der Experimentator, der jetzt als regierungstreuer Jurist auftritt.
„Und wie wollen wir die Impfpflicht umsetzen?“ hört man wieder einige Simmen vorsichtig und leise fragen.
„Das lasst mal meine Sorge sein!“ sagt barsch der Experimentator in der Uniform eines hochdekorierten Generals.

Ich frage mich, gegen wen momentan Krieg geführt wird – gegen das Virus oder gegen die Bevölkerung, speziell gegen die Bevölkerungsgruppe der Ungeimpften.
Wobei ich behaupte, dass ein Krieg gegen Viren per se absurd ist.
Ich konnte die Lust des Menschen an Kriegen nie nachvollziehen. Wenn ein Krieg ausbricht, beteuern alle Parteien, dass sie keine Schuld daran haben. Alle verteidigen sich nur.
Na dann, ich trinke auf den Sieger. Das wird in jedem Fall das Virus sein.
Prost Corona!