Die schönen Polinnen

Ein Blickfang waren die Polinnen. Die meisten mode- und figurbewusst. Da waren einige Geschosse dabei, die auch mit einer natürlichen Schönheit aufwarten konnten. Wie kommt das? – Sowieso im Vergleich zu den eher unscheinbaren polnischen Männern… Bei den Polen und Russen gibt es verdammt gutaussehende Frauen! Meine Ex war Russin, und die hatte echt Stil. Demgegenüber kommen die deutschen Hühner im Allgemeinen schlampiger daher. Schon seltsam diese Unterschiede zwischen den Völkern. Eigentlich hege ich seit dem Desaster mit meiner Ex eine Aversion gegen diese Ladies aus dem Osten – andererseits: nicht alle müssen so hohl sein wie meine Ex. In Posen konnte ich mich kaum sattsehen an gutgebauten weiblichen Erscheinungen. Scheiß also auf meine schlechten Erfahrungen!
Ich mag stolze Menschen, wenn sie dabei nicht in die Arroganz abrutschen. Eine Gratwanderung. Ich besitze ein Gespür für solche außerordentlichen Personen, die die Balance halten. Bleibt zu hoffen, dass ich noch eine Chance bekomme… Zur Not nehme ich auch eine Ostdeutsche. Die sind den Polinnen ein bisschen ähnlich. Zum Beispiel die Schauspielerin und Sängerin Anna Loos. Die finde ich einfach klasse!

Rückreise

Das polnische Bier hatte ich in besserer Erinnerung. Auf der Rückfahrt saß ich die meiste Zeit im Restaurantwagen und ließ mich von den günstigen Preisen dazu verleiten, ein tellergroßes Schnitzel zu essen. Ganz gegen meine Gewohnheiten schon am Nachmittag. Ich glotzte aus dem Zugfenster auf die vorbeihuschende Landschaft und hatte nebenbei einen lustigen Wortwechsel mit Nadine auf ihrem Blog. Die Zugfahrt verging wie bei der Hinreise relativ zügig. Nur war ich viel zu früh am Posener Hauptbahnhof gewesen und musste mich dort stundenlang rumdrücken. Irrigerweise hatte ich angenommen, dass ich am Bahnhof ein paar Dosen Bier kaufen könne – trotz Ostersonntag. Aber alles war verrammelt außer Mc Donalds und einem Café, wo es keinen Alk gab. Ich musste darben, bis mein Zug kam. Die Polen sind überhaupt ziemlich rigide in Sachen Trinken in der Öffentlichkeit. Als ich am Marktplatz an einem Brunnen sitzend eine Dose Bier süffelte, wurde ich sofort von einem Ordnungshüter ermahnt. Saufen war nur in den Lokalen und Biergärten erlaubt. Kein Wunder, dass bei diesen Zuständen so viele polnische Penner nach Berlin kommen.
Was für ein wunderbares Osterwetter! Ich erhaschte einen Blick auf die gigantische Christus-Statue bei Schwiebus. Jesses Maria, dachte ich bei mir, die spinnen doch die Polen. Was soll das!? Genauso gut kann man das freilich von anderen Völkern sagen. Nehmen wir z.B. die Reaktion der Franzosen beim Brand ihrer geliebten Notre Dame. Was für Heulsusen! Diese Ergriffenheit gegenüber einem irrwitzigen Monument kirchlicher Machtgeilheit…
Das Schnitzel machte mich mehr als satt. Träge schlappte ich zurück zu meinem Abteil, in dem inzwischen die Reisenden gewechselt hatten. Ein Großvater mit seinem etwa 12-jährigen Enkel saßen mir gegenüber. (Könnte aber auch der Onkel oder gar der Vater gewesen sein.) Sympathischer Typ. Er erzählte dem Jungen von seiner Odyssee ohne Geld nach Sizilien und zurück, als er mit smarten Fünfzehn von Zuhause ausgerissen war. Er sprach leise, aber ich kriegte doch ziemlich viel mit und wurde so auch zum gespannten Zuhörer. Vor meinem geistigen Auge sah ich die Abenteuer, die er zu bestehen hatte, die Menschen, denen er begegnete, gute Zeitgenossen, die ihm eine Wegstrecke lang zur Seite standen, aber auch miese Typen, die ihn ausnutzten und verfolgten… Beinahe schade fand ich es, als der EC den Ostbahnhof erreichte. Ich hätte gern weiter seinen Erzählungen gelauscht. Der Zug sollte noch bis Hauptbahnhof fahren, musste aber längere Zeit warten, bis ein Gleis frei würde. Meine Mitreisenden stiegen aus, weil sie fürchteten, ihren Anschlusszug nicht mehr zu kriegen. Ich war bereits am Ziel. Jedenfalls so gut wie. Schließlich hielt es mich auch nicht mehr im Abteil, und ich wechselte in eine S-Bahn. Ein süffiges Berliner Pils am Alex musste sein.

 

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österliches Jahrmarkt-Gedöns am Alex

Was machte ich in Posen?

Ich lief mir Blasen. Dachte mir, bevor ich in Berlin mit dem Finger in der Nase steckenbleibe – mal was anderes sehen. Mit dem EC waren es dreieinhalb Stunden. Recht komfortabel. Auf der Hinfahrt reiste ich 1. Klasse, weil so kurzfristig nichts anderes zu bekommen war. Für Zeiten wie Ostern sollte man am Besten schon etliche Wochen vorher wissen, wohin man seinen Arsch bewegen will. Ich haderte damit zu lange. Der Typ im Reisebüro war noch nicht mal fähig, ein Zimmer für mich zu finden. Ein Problem war, dass ich nicht im Besitz einer Kreditkarte bin, weil bei der Buchung übers Internet zumeist eine Kreditkartennummer verlangt wird. (Ich hasse Kreditkarten!) Okay, ich besorgte mir ohne den inkompetenten Heini vom Reisebüro ein Zimmer. Muss ja nicht das Sheraton sein. Über Booking.com kam ich zu einer Pension, wo ich für die zwei Nächte nur gut 40 Euro berappte, freilich ohne Frühstück, und Toilette auf dem Flur.

„Nur das Teuerste ist gut genug“, meinte die Schaffnerin provokant, als sie meinen Fahrschein begutachtete. Ich war perplex über ihren Spruch und musste erstmal schlucken. „Ich kriegte nichts anderes mehr“, erwiderte ich verärgert und verwundert zugleich. Was meinte diese Person damit? Sie arbeitete doch selbst in diesem Verein, der mir das Erste-Klasse-Ticket quasi aufgenötigt hatte. Am liebsten hätte ich mit ihr eine Diskussion angefangen, aber sie knipste bereits die nächsten Fahrkarten ab… Ich trat ihr in Gedanken in ihren hässlichen dicken Arsch.
Gefühlt war die Reise ziemlich kurz. Ich hörte meine Lieblingsmusik über Ohrstöpsel und trank Dosenbier. Als ich ankam, hatte ich ein paar Orientierungsprobleme. Überall Polen, noch viel mehr als in Berlin. Aber ansonsten sah es auf den ersten Blick nicht viel anders aus.
Ich war in Posen – was machte ich allein in Posen? Egal. Man muss doch ständig irgendetwas machen. Nach kurzem Herumirren fand ich die Pension. Alles war gut. Ich wollte sowieso gleich wieder raus. Der Tag war sonnig wie das gesamte Ostern. Ich schlappte drauflos…

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