Will man die Gastronomie zugrunde richten?

Der Wirt schimpfte über die Regierung, monierte u.a., dass er nicht verstehe, warum sich die Menschen für die Außengastronomie freitesten müssen, währenddessen viele hundert Menschen in den Parks ungetestet aufeinander hocken. Will man die Gastronomie in Deutschland zugrunde richten?
Ich musste an seine Worte denken, als ich gestern im Park mein Bier trank. Er konnte einem echt leidtun, hatte er doch stets alles Mögliche getan, um die Hygienevorgaben zu erfüllen.
Inzwischen schießen die Testzentren in Berlin wie Pilze aus dem Boden, wobei nicht alle lautere Geschäftspraktiken verfolgen. Dem Betrug wird durch die derzeitigen Bestimmungen Vorschub geleistet.
Die Sonne hatte mich in den Park gelockt. Vor der Kupferkanne sitzt man nachmittags im Schatten. Auch gebe ich offen zu, dass ich keinen Bock auf den Test hatte. Ich tankte Vitamin-D und erfreute mich an der Vitalität und Ausgelassenheit in meinem Blickfeld. Um dem Corona-Irrsinn zu entfliehen, ist der Park (neben der eigenen Wohnhöhle) der beste Ort.

Ich bin so frei: Prost!

Gestern nach dem Wochenendeinkauf im Park gesessen, Bier geschlabbert und über den Kopfhörer meine Lieblingsmusik genossen… Ich erfreute mich an der ausgelassenen Atmosphäre um mich herum: Unweit neben mir feierten junge Leute einer kleinen Hochzeitsgesellschaft, tranken Sekt und tanzten. Direkt vor mir ein lesbisches Pärchen in inniger Umarmung… Die Polizei durfte nicht fehlen. Sie hatten zwei Mannschaftswägen positioniert und patrouillierten in Zweiergruppen durch den Park, griffen aber (noch) nicht ein.
Meine Parkbesuche sind Kneipen- und Biergartenersatz. Die Menschen weichen in die Parkanlagen aus, picknicken und feiern dort, treffen sich zum Quatschen, Spielen und Sport. Nur Regenwetter vermag die Menschenströme zu bremsen. Das megaschlechte Wetter im April hatte wahrscheinlich die Regierung bei Petrus bestellt… Doch für dieses Wochenende hat Petrus wohl ein Einsehen und beschenkt uns mit warmem und sonnigem Maiwetter – Wie im Himmel wohl über die Corona-Krise gedacht wird? Vielleicht sind die da oben auch in zwei Lager gespalten… (Und der liebe Gott hält sich mal wieder aus allem heraus.) Eine besonders ehrgeizige Vertreterin auf Erden rief per „Wort zum Sonntag“ (vor 1 Woche) das TV-Publikum zur Impfung auf. Impfen sei Nächstenliebe… (Würg-Kotz!) Also, liebe Impflinge, ihr habt einen Freifahrschein ins Paradies, während böse Impfverweigerer wie ich an der Himmelspforte erstmal um Einlass betteln müssen. Na ja, als Ungläubiger komme ich sowieso in die Hölle… So what?!


Alles in allem ein guter Büro-Tag

Mittwoch ist derzeit mein Büro-Tag… Ich holte mir bei den anwesenden Hühnern ein Pfund menschliche Nähe und ein paar Quassel-Einheiten ab. Tat gut. Den Feierabend genoss ich bei einer Vitamin-D-Dusche im Park. Der Wetterfrosch hatte den vorerst letzten Sonnentag vorhergesagt.
Es war wohltuend, die Ausgelassenheit der vielen jungen Menschen zu beobachten, die spielten, herumturnten oder einfach nur zusammenklönten. Andere hockten wie ich alleine dazwischen, hörten Musik per Kopfhörer, lasen oder studierten Unterlagen. Düfte von Wasserpfeifen und Dope stiegen mir in die Nase. Ich saugte all diese Eindrücke auf, während ich mich von meiner Lieblingsmusik beschallen ließ und mein Feierabendbier trank. Das Leben kann wunderbar leicht sein, wenn man sich einfach treiben lässt… So darf ein Arbeitstag ausklingen.
Als ich das Gefühl hatte, genug relaxt zu haben, machte ich mich auf den Heimweg. Ich habe es nicht weit. Auf der Rampe zum Park kam mir ein vollbesetzter Mannschaftswagen der Polizei entgegen… Nochmal Glück gehabt, dachte ich bei mir.

Die Steigerung

Die Menschen lassen sich nicht bremsen… Ich hatte Glück und ergatterte einen Platz, an dem ich mich nicht zu bedrängt fühlte. (Das mache ich auch ohne Corona-Abstandsregel.) Sonnenbrille auf, Bluetooth-Kopfhörer auf und bei meiner Lieblingsmusik in die Runde schauen. Ich konnte mich der um mich herum ausgelassenen Stimmung und Lebensfreude nicht verwehren – immer wieder war ich geradezu ergriffen… Wie gut mir das Bad in der Menge tat, wo ich eigentlich große Menschenansammlungen normalerweise meide. Als wäre ich lange weg gewesen, z.B. im Knast oder auf einer einsamen Insel.
Von der Staatsmacht nichts zu sehen. Nur ein einzelner Streifenwagen fuhr im Schritttempo die Parkwege ab. Die Polizisten taten gut daran, die Menschen nicht zu maßregeln… Ein alter Bekannter vom Sommer letzten Jahres tippte mir auf die Schulter. Flaschensammler und Alt-Freak. Er hatte sich den Frescobol-Spielern angeschlossen. Seine Tage bestanden aus Flaschensammeln, Frescobol und Joints. Ich reichte ihm meine leeren Bierflaschen und freute mich, dass es ihm gut ging.
Zwischendurch stand ich von meinem Platz auf und machte mit dem Smartphone ein paar Bilder… Die Bilder geben leider nur oberflächlich wieder, was ich sah und empfand. Das Ganze erschien mir wie ein zwangloses Happening der Hingabe an das Leben.




Einkauf +

Ich habe sie angesprochen! … Ohne mir davon etwas zu erhoffen. Es war (– wie soll ich sagen -) langsam Zeit geworden. Schließlich bin ich keine 15 mehr. Ich stand alleine an der Kasse. Niemand drängte nach. Sie zog meine Waren über den Scanner, und ich räumte sie ohne Eile zurück in den Einkaufskorb.
„Du hast eine Schwester hier…“
„Ja…“, lachte sie hinter ihrer Maske.  
„Ich kann euch nicht unterscheiden… im letzten Jahr war eine von euch schwanger.“
„Wir waren beide schwanger…“
„Echt?“ lachte ich hinter meiner Maske, „das ist ja ein Ding!“
Wir wechselten noch ein paar Worte. Allen ging es soweit gut. Das war die Hauptsache.
Mit guten Wünschen fürs Wochenende im Gepäck machte ich mich auf den Weg in den Park. Wie vom Wetterfrosch verkündet, waren die Temperaturen auf fast frühlingshafte Werte gestiegen. Ich suchte mir ein schönes Plätzchen, blinzelte in die Sonne, die noch recht niedrig stand. Um mich herum viele Menschen, Jung und Alt, die wie ich die Gunst der Stunde nutzten, von der Lebenslust zu kosten, die förmlich in der Luft lag…

 

Frescobol

Inzwischen weiß ich, wie das Spiel mit den Holzschlägern und dem roten Gummiball heißt, das fast täglich auf der Sandfläche vor meinem Lieblingsplatz im Park gespielt wird…
Reiner, ein Typ, der auch fast immer dabei ist, hatte sich neben mich gesetzt. Er hoffte, dass noch andere aus der Gruppe der Spieler und Spielerinnen kommen würden, aber an diesem Nachmittag sah es mau aus. Wir saßen also nebeneinander und kamen langsam ins Gespräch.
„Sieht so aus, als ob du heute deine Ruhe hättest.“ sagte er und lächelte breit.
„Ach, ich fühle mich nicht gestört. Ich schaue eurem Spiel gerne zu.“
Er erzählte mir, dass sich wohl der ein oder andere bereits über das permanente „Tok – tok – tok…“ beschwert hatte.
„Nein, macht mir wirklich nichts aus“, betonte ich nochmals – wenn ich die Ohrstöpsel drin habe, höre ich sowieso kaum noch was… Ich sitze gern hier und schaue den Leuten zu, wie sie Sport treiben… Oft wird auch Volleyball gespielt… Wie heißt das eigentlich, was ihr da spielt?“
Und so kam ich zu der Info, dass es sich um Frescobol handelte, welches in Brasilien quasi Nationalsport ist; und die Jungs und Mädels aus der Gruppe unterhielten sich nicht etwa auf Spanisch, wie ich zuerst angenommen hatte, sondern auf Portugiesisch.
Wieder was dazu gelernt.
Gerd, der Flaschensammler und Altfreak, hatte sich inzwischen zu uns gesellt. Schön, diese Leute mal etwas näher kennenzulernen. Ich erfuhr, dass Gerd gar nicht so weit weg von mir wohnt. Er kam aus der Hausbesetzerszene und hat jetzt eine Bleibe in einer WG. Auf der Dachterrasse pflanzt er Auberginen und sein eigenes Gras an. Mit Flaschensammeln + Stütze kommt er gerade so über die Runden. Er hatte schon bessere Zeiten, doch dann brachte ein Herzinfarkt die Zäsur…
Wir saßen eine gute Weile zusammen auf der Holztribüne und quasselten über die Themen, die gerade die Welt bewegen. Mein Feierabendbier hatte ich längst ausgetrunken und die Flaschen Gerd vermacht. Wenigstens für einen Nachmittag hatte ich zwei Kumpanen gefunden. Mal sehen, was draus wird. Am Ende werde ich noch Frescobol-Spieler.