Was ich an Corona nicht verstehe – was mich wundert und ärgert

  • dass man immer noch nicht genau weiß, wie das Ganze seinen Lauf nahm
  • wie es zur Pandemie kommen konnte
  • ob die WHO adäquat reagierte
  • was Covid-19 im Vergleich zu anderen Grippeviren so besonders macht
  • wie gefährlich Covid-19 wirklich ist
  • wie wenig die Fachleute darüber wissen und wie unterschiedlich ihre Einschätzungen zu Corona ausfallen
  • wie ungebildet wir allgemein sind, insbesondere was das Verständnis von Viren angeht
  • warum die Länder auf der Erde derart unterschiedlich von der Pandemie betroffen sind
  • warum viele Fachleute das Tragen eines Mundnasenschutzes anfangs für Blödsinn hielten und uns kurze Zeit später das genaue Gegenteil verkündeten
  • warum nie eine repräsentative Stichprobe gemacht wurde, also einige tausend Menschen ausgesucht wurden, die man regelmäßig testet, um halbwegs valide Aussagen zur Verbreitung des Virus machen zu können
  • dass Politiker diese Krise benutzen, um sich zu profilieren
  • dass man plötzlich den Wert der Menschen entdeckt, die in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten, sie beklatscht, eine Zusatzzahlung verspricht und peu à peu zurückrudert
  • dass mal wieder die Ärmsten und Schwächsten besonders leiden
  • dass viel darüber geredet wird, man müsse die Risikogruppen schützen, aber de facto passiert zu wenig
  • wie es zu dem Engpass beim notwendigen medizinischen Equipment kommen konnte
  • wie unterschiedlich die Sorgen und Ängste in der Bevölkerung sind: von totaler Sorglosigkeit über eine gewisse Ängstlichkeit bis hin zu Panik
  • dass bei vielen Bürgern der gesunde Menschenverstand auszusetzen scheint, was z.B. bei den anfänglichen Hamsterkäufen sichtbar wurde – ich sage nur Klopapier
  • dass vielen offenbar die Fantasie durchgeht – sie hinter Corona eine Art Weltverschwörung wittern
  • dass einige selbst in diesen Krisen-Zeiten nicht auf ihren Malle-Urlaub verzichten können
  • dass die Berichterstattung der Medien zu Corona relativ undifferenziert und unkritisch ist – kritische Haltungen zur Corona-Politik leichtfertig abqualifiziert werden
  • dass unklar ist, wann ein Impfstoff kommt, und ob wir mittels Impfung die Pandemie wirklich in den Griff kriegen werden
  • warum kein Plan B diskutiert wird
  • niemand so recht weiß, wie es weitergehen soll

 

 

Wenn du durch die Hölle gehst, geh weiter… (Winston Churchill)

Es wird haarig

Nun mussten auch die Frisöre schließen. Das ist dumm, denn meine Haare befinden sich inzwischen in der kritischen Länge, wo ich sie normalerweise schneiden lasse. Mal sehen, wie lange meine Haare im Zuge der Corona-Krise werden. Am Ende sehe ich aus wie ein Alt-Freak und kann mir die Haare zum Pferdeschwanz zusammenbinden. Freilich, wenn`s mir zu ungemütlich unter meiner Mähne wird, habe ich notfalls den elektrischen Haarschneider. Aber erstmal wachsen lassen.

Die zweite Woche zuhause beginnt. Mich würde interessieren, wie`s inzwischen im Büro aussieht. Hätte ich WhatsApp, könnte ich mich problemlos mit den Hühnern unterhalten. Ich könnte auch anrufen, aber dann habe ich vielleicht eine Person am Apparat, mit der ich gerade nicht quatschen möchte. Bestimmt würde ich informiert werden, wenn der Laden für eine Weile ganz zumachte, also gehe ich davon aus, dass noch ein paar die Stellung halten.

Das Wetter wie gestern. Ein herrlicher Sonnentag, allerdings recht kalt. Am Nachmittag werde ich nach dem Einkauf bestimmt eine Stippvisite im Park einlegen. Wenn ich die ab heute geltende „Kontaktsperre“ richtig interpretiere, kann ich gar nichts falsch machen. Sitze eh irgendwo alleine rum und schaue dumm…

Tatsächlich habe ich soeben den Boden in Flur und Küche gewischt. Und die Waschmaschine läuft mit den eingestaubten Läufern. Was soll man sonst auch den lieben Tag lang machen? Nur Glotze oder Computer, da wird man doch kirre… Mal sehen, ob ich nach und nach die gesamte Wohnung geputzt kriege. Jeden Tag eine andere Ecke – nur nicht übertreiben.

2020 wird wohl ganz und gar im Zeichen der Pandemie stehen. Bei allen furchtbaren Nachrichten und Einschränkungen auch eine spannende Zeit und eine Herausforderung. Hauptsache Ruhe bewahren. Lebbe geht weiter*.

 

 

* berühmter Ausspruch von Dragoslav Stepanovic

Herzlichen Glückwunsch zum Virus

Ich will nicht sagen, dass ich glücklich über die Pandemie bin. Die Entwicklungen muten doch recht unheimlich an, seitdem das Virus das Land erreichte, in dem ich wohne/arbeite/lebe. Vorher waren es Berichte von weit entfernten Orten in China. Als dann Italien betroffen war, mussten die europäischen Staaten realisieren, dass es vor Covid-19 kein Entkommen gab. Es brauchte keine große Hellseherei. Das Virus verbreitet sich allzu leicht in einer von Menschen wimmelnden und vom Mobilitätswahnsinn erfassten Welt. Der unsichtbare Feind überflutet die Erde in Wellen, bis er jeden Quadratmeter eingenommen hat. Die Pandemie wird noch tausende Menschenleben kosten. Da es keinen Impfstoff gibt, kann man die Erkrankungsgefahr lediglich durch das Vermeiden sozialer Kontakte mindern. Der träge Behördenapparat in einem föderalen System wie der Bundesrepublik Deutschland ist für eine flächendeckende Einleitung der notwendigen Schutzmaßnahmen total ungeeignet. Von den Hampelmännern/-Frauen in der Politik will ich gar nicht reden. Die meisten Maßnahmen, die nun langsam ins Rollen kommen, waren längst überfällig. Mal wieder ein Paradebeispiel dafür, wie wenig vorausschauend die Politik agiert. Dazu ein Mangel an gesundem Menschenverstand. Covid-19 steht nicht an der Tür und klopft an… Du erkennst ihn erst als Gast, wenn es bereits zu spät ist.
Warum sollte ich also glücklich über diese Pandemie sein? Dieser Feind ist äußerst unheimlich und nicht ganz so harmlos, wie uns anfangs weißgemacht wurde. Und doch kann ich eine gewisse Freude nicht verhehlen: Endlich ein Ereignis, welches wenigstens kurzfristig dem Größenwahn der Spezies Mensch Einhalt gebietet und unsere kapitalistische Welt mit ihrem Wachstumsdenken und seinen Machtstrukturen in Frage stellt… Freilich wird nach der Krise alles so weiterlaufen wie bisher. Ein Tor, wer sich ein Umdenken erhoffte.