Glück gehabt

Es gibt wenige Tage, an denen ich zu Fuß unterwegs bin. Mein Fahrrad hatte ich in die Werkstatt gebracht, und ich befand mich mit meinen Einkäufen auf dem Nachhauseweg. Bereits von weitem konnte ich sehen, dass sich etwas auf der Höhe meiner Wohnung tat. Mit jedem Schritt, den ich näherkam, erkannte ich deutlicher, was ich mir bereits gedacht hatte. Das Ordnungsamt war angerückt und kassierte Radfahrer ab. Wegen dem Kopfsteinpflaster benutzt hier fast jeder Radler unerlaubt den Gehweg, der dazu auch wegen seiner Breite (ca. 6 Meter) einlädt. Vier Stadtpolizisten und Politessen hatten sich pro Straßenseite in Stellung gebracht. Die erwischten Übeltäter mussten sich ihre Belehrungen anhören. Einige diskutierten herum. Was für eine Scheißwelt, dachte ich bei mir. Hier ist genug Platz für Radfahrer und Fußgänger. Wozu die Fahrradfahrer aufs Kopfsteinpflaster in den Autoverkehr schicken? Für die Sicherheit? Blödsinn – viele Wege, z.B. in Parkanlagen, müssen sich Fußgänger und Radfahrer teilen, und die sind nur halb so breit wie der Bürgersteig meiner Straße. Warum die Verkehrsteilnehmer in ein widersinnig enges Regelkorsett zwängen, welches pädagogisch kontraproduktiv ist? Wozu diese Entmündigung durch Behördengewalt? Freilich gibt`s immer Verkehrsrowdys, die Menschenleben gefährden, – egal ob als Fußgänger, Radfahrer oder im Auto unterwegs. Bei denen habe ich auch kein Mitleid, wenn sie ordentlich zur Kasse gebeten werden… Es geht um ein achtsames Miteinander auf den Straßen und Wegen der Stadt, nicht um eine dumme Abgrenzung und das Herumreiten auf Regeln, die dem gesunden Menschenverstand widersprechen. Solche Ordnungsmaßnahmen haben sowieso null Effekt. Jedenfalls in Berlin. Gestern war gestern, und heute ist heute. Alles wie gehabt: Fußgänger und Radfahrer bewegen sich in vertrauter Lässigkeit vorbei an meinem Fenster*. Nachher hole ich mein (hoffentlich) repariertes Fahrrad ab. Mit geschärften Sinnen werde ich unterwegs sein, um rechtzeitig vom Bock zu springen…

*Die meisten Fußgänger sind so mit ihrem Smartphone beschäftigt, dass sie eh nichts mitkriegen.