Sonntag ohne Sonne

Gut, dass ich meinen Urlaub im Juni nahm. Beim derzeitigen Wetter wäre meine Tour nach Danzig noch beschwerlicher geworden, als sie ohnehin war. Ich schaute mir gerade einige Urlaubsfotos an und träumte mich zurück an den Strand bei astrein blauem Himmel mit Blick auf die Ostsee…
Ich wache auf in einem miesepetrigen, kühlen Julitag… einem Sonntag ohne Sonne. Im Kerzenlicht hocke ich mit einem Döskopp an meinem Schreibtisch und überlege, was zu tun ist, – durchleuchte mein Inneres nach Inspiration und Impulsen. War da gestern nicht was, das ich unbedingt aufschreiben wollte? Und auch im Biergarten vorgestern hatte ich einige vielversprechende Gedankenansätze…, aber ich komme nicht mehr drauf. Zu oft denke ich: Das wirst du dir schon merken. Ist aber nicht. Jedenfalls komme ich nicht ran. Besser ist immer, eine kleine Notiz zu machen, die einem später eine Brücke zum Gedankeninhalt baut.

Gestern einen kleinen Wortwechsel mit der Bloggerin Hoffende zum Thema Klimawandel gehabt. Für mich ist seit langem klar, dass der Mensch durch mannigfaltige Umweltverschmutzung die Biosphäre nachhaltig schädigt und zum Klimawandel maßgeblich beiträgt. Ich meine das nicht, weil es gerade populär ist, auf diesen Zug der Fridays for Future Bewegung zu springen, sondern weil mich seit Jahrzehnten die Zerstörung der Umwelt durch den Menschen ankotzt. Als die Grünen in den Achtzigern im Kommen waren, wählte ich darum Grün. Mich trug die naive Hoffnung, dass die Hybris des Menschen auf diesem Planeten noch aufzuhalten sei. Man müsste doch nur den gesunden Menschenverstand aktivieren und dementsprechend politisch handeln. Seit 1968 mahnten die Experten und Wissenschaftler des Club of Rome vorm grenzenlosen Wachstum. Gehört wurden sie von den Mächtigen kaum bis gar nicht. Ihre Mahnungen wurden in den Wind geschossen.
Die Bloggerin Hoffende meinte also gestern in unserem kleinen Wortwechsel, dass der Klimawandel zwar nicht zu leugnen, aber keinesfalls menschengemacht sei. Allenfalls würde ihn der Mensch mit seinen Umtrieben beschleunigen. Ich halte solche Äußerungen für ignorant und gar gefährlich im Hinblick auf die zukünftigen Generationen, die saubere Luft atmen wollen, die die Naturschönheiten der Erde genießen wollen, und die keine menschengemachten Umweltkatastrophen brauchen…
Dass die Mächtigen in Wirtschaft und Politik gegenüber dem negativen Einfluss des Menschen auf das Ökosystem blind sind, kann ich nachvollziehen, denn sie hecheln der Macht und dem Kapital hinterher… Es stimmt mich jedoch traurig, dass auch Teile der einfachen Bevölkerung, wie auch immer geistig betäubt oder irregeführt, offensichtliche negative Entwicklungen durch den Menschen ignorieren – dazu gehört auch der Klimawandel. Natürlich ist es einfacher, die Verantwortung von sich zu schieben. Wir alle machen als willfährige Konsumenten am Raubbau der Natur und den natürlichen Ressourcen munter mit. Trotzdem war mir schon immer eine schlechte Wahrheit lieber als eine Lüge, die mich beruhigt.
Ich hoffe, dass mir die Bloggerin Hoffende nicht ob meiner Kritik an ihrer Haltung böse ist. Mir geht es hier nicht um Rechthaberei. Wer hat schon gerne recht, wenn die Aussichten derart düster sind?
Meine Generation hatte das Glück, nach zwei grausamen, weltumspannenden Kriegen hinein in das Wirtschaftswunder Deutschland geboren worden zu sein und bis dato in Friedenszeiten und in einer Demokratie zu leben. Dafür bin ich dankbar… den mutigen Frauen und Männern, die immer wieder unter Einsatz ihres Lebens für die Gute Sache stritten. Und jede Generation ist von Neuem aufgerufen, für Gerechtigkeit, Menschlichkeit und auch für die Umwelt zu kämpfen. Ansonsten geht`s schneller den Bach runter, als wir gucken können.* Deswegen habe ich gar nichts gegen die Fridays for Future Bewegung, im Gegenteil. Ich wünsche mir sie noch viel lauter, sonst ereilt sie dasselbe Schicksal wie der grünen Bewegung in den Achtzigern. Die Grünen wurden alsbald vom politischen Scheißhaufen assimiliert, und darum wähle ich sie schon lange nicht mehr. Ehrlicherweise muss ich aber auch sagen, dass die Grünen im Polit-Theater nicht die Schlimmsten sind.

Klimawandel hin oder her, menschengemacht oder nicht, – lasst uns das Leben feiern! – lasst uns noch mal rausgehen in dieses unfassbare Wunder, von dem wir umgeben sind, dessen Teil wir sind…, lasst uns staunen und innehalten.

 

*leider gibt es zu jeder Zeit reaktionäre Kräfte, die sich Errungenschaften wie Demokratie, Menschenrechten und Bewahrung der Umwelt entgegenstellen

Von Parasiten und anderen Tieren

„Ein Parasit ist ein Organismus, der sich von anderen Lebewesen (Wirt) ernährt oder diese zu Fortpflanzungszwecken befällt. Er kann den Wirt schädigen, indem er seine Organfunktionen beeinträchtigt, Zellen zerstört und ihm wichtige Nährstoffe entzieht. Ist ein Parasit an einen Wirt angepasst, ist der Befall für den Wirt zumeist nicht tödlich.“
(Quelle: http://flexikon.doccheck.com/de/Parasit)

Wenn man das Ökosystem der Erde als Lebewesen ansieht, dann sind wir Menschen lt. obiger Definition Parasiten par excellence. Und wir geben uns nicht gerade als an unseren Wirt angepasst (oder?). Das Ökosystem Erde wurde durch den Parasiten Mensch bereits erheblich geschädigt.

Vom Menschen mal abgesehen sind Parasiten besser als ihr Ruf.
„Nach Ansicht vieler Ökologen spricht vieles dafür, dass Ökosysteme mit Parasiten besser funktionieren als ohne. Ein gesundes Ökosystem ist in der Regel auch reich an Parasiten. Die Schmarotzer der Welt mögen ja einen schlechten Ruf haben. Doch es ist trotzdem gut, dass es sie gibt.“ (Quelle: http://www.spektrum.de/news/die-heimliche-macht/1200043)

Wir reden an Stammtischen oft vom Sozialschmarotzertum und meinen dabei immer die anderen, denn wenn wir Leistungen vom Staat beziehen, ist das natürlich okay.
Besonders ausländische Mitbürger und Flüchtlinge haben wir mit unseren verächtlichen Reden im Visier, – was daran liegen mag, dass einheimische Parasiten nur schwer Konkurrenten auf ihrem Terrain dulden.

„Leben ohne Geld verdienen zu MÜSSEN klingt nicht nach Kapitalismus sondern nach Parasitismus.“ (Quelle: http://abendglueck.twoday.net/stories/1022629019/#comments)
Ich entgegne: Der Kapitalismus ist die maßgebliche Antriebskraft des Parasitismus, welcher das Ökosystem Erde auf kurz oder lang zerstören wird.
Leben, ohne Geld verdienen zu müssen, stellt in meinen Augen eine große ideelle Herausforderung dar und hat nichts mit Parasitismus zu tun. Im Gegenteil will sich derjenige von der Abhängigkeit zum Wirt (= Wirtschaftssystem) lösen.
Außerdem habe ich nichts gegen einen Parasiten in einem parasitären System einzuwenden. Ich kann nichts Verwerfliches daran entdecken, wenn Menschen ihre Rechte auf Sozialleistungen ausschöpfen oder sich Almosen erbetteln. Sie machen damit doch nichts anderes als Manager – bloß eben am anderen Ende der Fahnenstange.
Bei Diebstahl und Betrug hört dann allerdings auch meine Toleranz auf.

Wir müssen dabei auch an jene denken, die aufgrund von Krankheit, Schicksalsschlägen, Alter und körperlicher oder geistiger Hinfälligkeit nicht in der Lage sind, ihr Leben aus eigener Kraft zu bewerkstelligen. Niemand käme auf die Idee, diese Menschen Parasiten zu nennen. Die Solidargemeinschaft trägt selbstverständlich die Kosten, die zur Lebenserhaltung ihrer wie auch immer benachteiligten Mitmenschen, notwendig sind. Das Dritte Reich mit seinen Euthanasiegesetzen liegt Gott sei Dank hinter uns.

Eines der größten Verbrechen der Menschheit, der Holocaust, wurde mithilfe des seit dem 18. Jahrhunderts gängigen antisemitischen Stereotypen des „Jüdischen Parasiten“ legitimiert.
Dazu ein Zitat v. 1860: „Der Jude bleibt Jude, eine Parasitenrasse, Feind der Arbeit, der allen Gepflogenheiten des anarchischen und lügnerischen Handels, der Börsenspekulation und der Wucherei frönt. Der gesamte Handelsverkehr ist in der Hand der Juden; vielmehr als die Könige oder die Kaiser sind sie die Souveräne der Zeit.“ (Pierre-Joseph Proudhon, Frühsozialist)

Zusammenfassend:

Wir sollten nicht leichtfertig von Parasiten oder Parasitismus reden, jedenfalls nicht, wenn es um einzelne Menschen oder Gruppen von Menschen geht.

„Parasiten sind besser als ihr Ruf.“

Im ökologischen Sinne kann man die Menschheit als zerstörerischen Parasiten auf dem Planeten Erde ansehen.

Der Kapitalismus brachte den Parasitismus der Menschheit erst richtig in Schwung.