Im Rausch von Sonne, Bier und Lockerungen

Ein paar Flaschen Bier beim Nahkauf besorgt und einen Sonnenplatz im Nelly-Sachs-Park ergattert. Die Menschen strömten am frühen Nachmittag. Der Feiertag, das tolle Wetter, die Corona-Lockerungen bewirkten, dass man sich benahm, als gäbe es keine Gefahr für die Gesundheit, als wäre das Virus ein schlechter Witz. Im Nelly-Sachs-Park war es verhältnismäßig ruhig, auch wenn der Spielplatz wieder geöffnet hatte. Ich chillte ein gutes Stündchen in der Sonne mit meiner Lieblingsmusik in den Ohren. Dann drückte die Blase, und ich legte eine Toilettenpause zuhause ein. Weiter ging es durch den Kiez, vorbei an Puschels Pub, wo sich freilich noch nichts getan hatte. In einem dortigen Nahkauf für Getränkenachschub gesorgt und zum Park am Gleisdreieck geradelt. Dass ich dort auf größere Menschenmengen treffen würde, war mir klar, aber was ich dann sah, übertraf meine Vorstellung bei weitem. Ich kam nur im Schritttempo voran, weil kreuz und quer Kinder umhersprangen, Spaziergänger in Gruppen unterwegs waren, Spielbälle umherrollten und flogen, Freizeitsportler joggten und skateten… ein Tohuwabohu an Menschen auf den Wiesen und Wegen. Normalerweise kein Platz für mich. Allerdings war ich über das Bild, das sich mir darbot, derart erstaunt, dass ich nicht anders konnte, als mich an dieser obskuren Szenerie in Corona-Zeiten sattzusehen. Ich traute meinen Augen nicht. Es hätte ein riesiges Polizeiaufgebot gebraucht, um die Menschen zu vertreiben. Und das wäre sicher in Gerangel und Gewalt eskaliert. Wahrscheinlich ganz bewusst zeigte sich nicht eine einzige Polizeistreife. Ich erspähte lediglich einige Park-Ordner, die Fotos machten. Hier konnte man exemplarisch beobachten, wie wir uns vom Verhalten unserer Mitmenschen anstecken lassen. Warum so eine blöde Maske tragen? – die anderen machen es doch auch nicht. Wozu Abstand halten? – hier hält doch niemand Abstand. Ein Schlag ins Gesicht für die vielen Gastronomen, die immer noch unter den Corona-Einschränkungen darben. Alle Regeln wurden über den Haufen geworfen. Lass mich doch mit diesem Corona-Virus in Ruhe… Ich selbst bin zwiegespalten. Wie ernst muss man Covid-19 nehmen? Heute Morgen las ich in einem Artikel, dass die Sterblichkeit in Deutschland im Vergleich zu den Vorjahren aufgrund Corona um 11% anstieg (betr. die letzte Woche im April, für die Daten vorliegen). Das ist nicht von Pappe. Sie sprechen von einer Übersterblichkeit. Kann man alle Zahlen einfach wegwischen? Oder verdrehen?
Die Regierung beugte sich dem Druck aus Öffentlichkeit und Wirtschaft. Möglicherweise wird sich das rächen. Wenn man als Kutscher die Zügel zu sehr lockert, gehen die Pferde durch. Ich schaue gespannt auf die nächsten Zahlen.

 

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Park am Gleisdreieck

 

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mein Reisefahrrad

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Kaninchen im Gestrüpp

 

Muße auf der Parkbank

Ich wünschte dem netten Kassierer Marke Raimund Harmstorf einen schönen Feierabend.
„Ich habe zwei Tage frei!“ sagte er freudestrahlend.
„Dann wünsche ich schöne Tage!“ Und bedauernd fügte ich hinzu: „Leider sind die Freizeittätigkeiten reichlich eingeschränkt…“
„Ich werde zwei Tage schlafen.“ Raimund Harmstorf reichte mir das Wechselgeld.
„Verstehe“, seufzte ich.

Wir müssen den Jungs und Mädels hohen Respekt und Dankbarkeit zollen dafür, dass sie in den Supermärkten die Stellung halten. Und es gibt noch eine Menge anderer Berufsgruppen, die ein hohes Ansteckungsrisiko in Kauf nehmen, damit unser Gesundheits- und Versorgungswesen weiterhin funktioniert. Von der Mehrarbeit, die sie aktuell haben, ganz abgesehen. Ich will mir gar nicht vorstellen, in diesen Zeiten noch meinen letzten Job als Altenpfleger auszuüben…

Ruckzuck hatte ich meinen kleinen Einkauf zusammengepackt und radelte zum nahen Nelly-Sachs-Park. Er liegt auf dem Weg. Eine der Parkbänke in der Sonne war unbesetzt, und ich ließ mich nieder. Einfach nur schön, wenn man sonst den ganzen Tag in den vier Wänden hockt. Ich war vielleicht fünf Minuten gesessen, da näherte sich ein Streifenwagen auf dem Parkweg. Bitte nicht schon wieder! stöhnte ich. Als er auf meiner Höhe war, nickte ich dem Polizisten auf dem Beifahrersitz zu, und der nickte zurück. Sie fuhren an mir vorbei. Ich konnte aufatmen.

 

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mal ein bisschen in die Luft geguckt