Hatschiii!

Über mir zog ein junges Paar mit Kleinkind ein. Gerade hörte ich sie im Treppenhaus, als die Mutter mit dem Kinderwagen die Stufen hinunterpolterte. „Rumms, rumms, rumms…“ Das Kind scheint brav zu sein. Selten höre ich es schreien oder weinen… Der Tag beginnt trübe. Ohne Schreibtischlampe würde ich die Tastatur kaum erkennen. Ich tippe so vor mich hin… als klimperte ich auf einem Piano Versatzstücke von Melodien, planlos… Für die Gemütlichkeit könnte ich ein paar Kerzen anzünden. Der Sonntag-Blues – O Yeah! Morgen winkt mal wieder ein Bürotag. Ich werde ein paar der Hühner wiedersehen. Schön, schön. Trotzdem wird die Zeit mit der Tumordokumentation lang werden. Schon komisch das alles (Leben, Welt und Trallala). Heute Morgen nach dem Aufstehen hatte ich das Bild vor Augen, dass das Nichts nieste und damit die Welt erschuf… Ich muss oft niesen, vor allem, wenn ich ins Büro komme oder vom Kalten ins Warme. Wer weiß, warum das Nichts niesen musste. Kinder entstehen auch durch eine Art Niesen. Der Penis des Mannes niest in die Muschi der Frau. Und schon nimmt das Elend seinen Lauf…


Berauschend ist anders

Die „Deponie“ ist eine gemütliche Kneipe unter der S Bahn Trasse zwischen Friedrichstraße und Hackscher Markt. O. und ich trafen uns nach meinem Samstagsunterricht zum Einkaufen und auf ein Bier. Ich fühlte mich wie betäubt nach den Stunden Tumordokumentation. Wenigstens machte ich inzwischen Fortschritte – ich bildete es mir zumindest ein. Noch drei Wochen bis zur Abschlussprüfung. Langsam sollte was gehen. Ich verschickte die ersten Bewerbungen an Krankenhäuser und die Deutsche Krebsgesellschaft.
Zielstrebig steuerten wir die „Deponie“ an. Die kalte Winterluft und die Samstagsnachmittagsbetriebsamkeit machten mir nicht sonderlich Freude. O. kann dem städtischen Treiben mehr abgewinnen, aber sie weiß, dass ich davon nur miese Laune kriege. Seit einiger Zeit ist meine Stimmung sowieso nicht bestens, – was bei mir heißt, dass ich den Miesepeter bis zum Exzess kultiviere. In solchen Phasen ist es schwer auszuhalten mit mir. Es tut mir leid für O. …
Um diese Uhrzeit fanden wir noch prima Platz in der „Deponie“. Wir pflanzten uns an einen Stehtisch neben der Bar. Einige Pärchen verteilten sich im Lokal, ein Tourist schrieb fleißig Postkarten, und ich saß da, als hätte ich einen Stock verschluckt. O. berichtete das ein oder andere von ihrer Arbeit. Immerhin hat sie noch nicht das Lachen verlernt. Wenn ich mir überlege, was sie alles hinnehmen und leisten muss… Von mir kam nicht viel mehr als „ist mir wurscht“ und „also gut, noch ein Bier“.
Inzwischen dämmerte es. Unruhig rutschte ich auf dem Hocker hin und her und wusste nicht, wohin ich schauen sollte. Der Tag war gelaufen. Es ging nur noch ums Abendessen und vorm TV Chillen. Wenn das Fernsehprogramm nichts hergibt (was oft der Fall ist), legen wir eine DVD ein (Columbo oder Agatha Christie).
Auf dem Rückweg durch den Park am Gleisdreieck fragte mich O., wo die Kaninchen seien. Ich antwortete mit einem Achselzucken, – ab und zu würde ich schon noch eins sehen am Morgen oder am Abend. Über den Dächern ein diffuser Lichtkegel unbekannter Quelle. Sterne funkelten schüchtern zwischen Wolkenfetzen. Die Häuserzeilen unserer Straße lagen vor uns.
O. schloss die Tür auf. Am Briefkasten eines Mitbewohners klebte eine handschriftliche Notiz, – echte Nachbarschaftspoesie:

 

An das unbekannte Klauschwein!

Vielen Dank für das Hinterlassen
meines aufgerissenen Pakets…
Echt armselig!

Ich hoffe, Du liest das,
und dir fallen die Klaupfoten ab!

Ach ja, und Krebs im Arsch
wünsche ich Dir auch!

 

Der beklaute Nachbar hat mein Mitgefühl.