C`est la vie

Der Sonntag ist der traurigste Tag der Woche, weil die Tür zur nächsten Arbeitswoche bereits einen Spalt offensteht. Ich will nicht hingucken, will mich ablenken…, was aber nur bedingt klappt.

O. geht (wiedermal) ins Museum, ins ägyptische, wo eine neue Ausstellung stattfindet, sagt sie.

Ich starre auf einen Fleck auf der weißen Wand. Die Spur eines Mordes per Fliegenklatsche.

Ich starre auf die Buchstaben, Wörter, Sätze…, während ich sie schreibe. Irgendwer (in meinem Kopf?) diktiert sie mir.

Die an den Straßenseiten geparkten Autos stehen Spalier – als Ausdruck dafür, wie viel Blech in unseren Köpfen ist. Ich denke: Wie schön wäre eine Welt mit viel weniger Autos. Ich werde mich nie an die Verunstaltung der Umwelt durch den Straßenverkehr gewöhnen.

Mein Blick rutscht über die Dinge um mich herum. Ich bin auf der Suche nach Impulsen.
Überall sehe ich Kunst… wie sich die Dinge zueinander willkürlich positionieren, ihre Gebrauchsspuren…
Ich gebe mir die Zeit, die Dinge auf mich wirken zu lassen. Der Künstler taucht in diese dingliche Atmosphäre ein. Mehr macht er gar nicht. Er übersetzt das Leben, die Welt, die er vor sich sieht…

Es geht dabei nicht ums Gefallen.

O. schreibt mir eine SMS aus der U-Bahn über eine Touristengruppe lautstarker, (eher unangenehm) lebhafter Italiener (bereits am Vormittag) … Ich antworte, dass man in einer idiotischen Welt auf Idioten gefasst sein sollte.

Es geht wirklich nicht ums Gefallen, auch wenn`s in den Medien und überall so rüberkommt.

Ich mag Sonntage nicht. Dabei wurde ich an einem geboren.

Museen, Schrumpfköpfe und Kneipen

O. ist im Museum. Ich mag die Musealisierung nicht. Also blieb ich zuhause. Ich haue lieber ein paar Worte raus. Ich habe es nie geschafft, in einem Museum eine echte Verbindung zu den Exponaten herzustellen. Ich sah lediglich eine Sammlung von Schrumpfköpfen vor mir. Egal, um was es ging – moderne Kunst oder Altertum… Heutzutage wird alles Mögliche zur Schau gestellt. Bestimmt gibt`s auch Sehenswertes. Das will ich nicht abstreiten. Das Sexmuseum in Amsterdam? Oder Sex im Museum. Wer`s nötig hat. Es gibt genug Museen… und Kirchen. Ja, Kirchen mag ich auch nicht. Die sind per se museal.
Ich vertraue meinem Instinkt. Ich muss nicht lange drüber nachdenken über das, was ich mag oder nicht… Mir geht es wie den Hunden, die bellen, wenn sie einen Briefträger sehen. Nein, ich belle nicht bei Briefträgern. Sollte nur ein Beispiel sein. Natürlich hätte ich einmal Fünfe grade sein lassen und O. begleiten können. In welches Museum ging sie eigentlich? Sie sprach von einer interessanten Foto-Ausstellung. Mein Gott, was ist nur mit mir los, frage ich mich, dass mich so furchtbar wenig hinterm Ofen vor lockt? Möglicherweise gibt`s nur einen Schrumpfkopf – nämlich den auf meinem Hals.
O. ist ziemlich mies dran mit mir. Die einzigen Orte, zu denen sie mich mitschleifen kann, sind Kneipen und Biergärten. Oder an einen schönen Strand, wo ich`s nicht weit bis zu einem Ort habe, wo ich ein gutes kaltes Bier bekomme. Oder in einen Wald, in dem es neben Wildschweinen auch genügend Gastronomie gibt. Ich mag Wald, aber ehrlich gesagt kommt der mir auch immer musealer vor. Wie eigentlich alles. Ist das etwa nicht so? Und die besten Plätze sind meist schon reserviert. An den Stränden, in den Wäldern, auf den Bergspitzen…(sogar in den Kneipen). Die ganze Erde ist ein einziges großes Museum. (Voller Schrumpfköpfe.)
Warum Kneipen und Biergärten? Weiß nicht. Wahrscheinlich, weil ich bequem bin. Ich brauche nicht viel mehr. Mit welchen Intentionen die Menschen in Museen gehen, ist mir echt ein Rätsel – wie so vieles.