Wer seid ihr?

Mir sind die offensichtlich Irren lieber als jene, die uns Vernunft vorspiegeln.
Mir sind die Menschen lieber, die ehrlich Scheiße reden. Heuchler sind mir zuwider.
Auch Opportunisten sind mir zuwider. Es ist nicht wegen der Feigheit. Es ist die Verleugnung von Feigheit, die mich die Nase rümpfen lässt. Es ist die Verlogenheit, die ich anprangere.
Auch die Schweigenden müssen sich irgendwann ihrem Gewissen stellen. Es lässt sich nichts totschweigen.
Ich mag offene Menschen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der sich niemand schämen und verstecken muss. Niemand sollte Angst vor anderen Menschen haben. Ich will keinen Mitmenschen als Feind. Ich will verstehen. Ich will voller Wohlwollen auf meine Mitmenschen schauen.

 

Auf der Biermeile

Quer durch Berlin zu radeln, ist eine Herausforderung. Wiedermal wurde mir bewusst, in was für einer berstend vollen Wahnsinnsstadt ich lebe. Der mittlerweile vertraute Kiez vermittelt mir das nicht in dem Maße. Wenn man also durch Berlin radelt, muss man alle Sinne hellwach halten. Nach einigen Bier auf der Biermeile freilich nicht mehr ganz einfach. Ich war froh, als ich wieder in vertraute Gefilde kam. Zuletzt noch ein Bier im Biergarten am Gleisdreieck, und der Kanal war voll.
Zu viele Menschen, zu viele Rüben, zu viel Verkehr, zu viele Ampeln, zu laut, zu wuselig… zu viele Eindrücke.

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Ich machte mein Fahrrad an einem Straßenschild fest und schlappte los, trank da und dort einen Halben in der Sonne (die Preise waren horrend) … Mir reichte es bald. Wenn ich was nicht mag, dann ist es Gedränge. Wo ich auch stehenblieb, stand ich jemandem im Wege. Nicht dass ich vom Bierfest enttäuscht war, ich kannte es schon von früheren Besuchen. Es sollte einfach ein Ausflugsziel sein, um mir den Samstagnachmittag um die Ohren zu schlagen.

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Auf solchen Massenveranstaltungen gerate ich automatisch in einen inneren Konflikt. In der Regel hege ich gegenüber meinen Mitmenschen Gefühle wie Zuneigung und Anteilnahme – ich gehöre schließlich zur selben Spezies… Ich kann stundenlang im Biergarten sitzen und meine lieben Mitmenschen betrachten. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Ab einer gewissen Dichte kippt die eigentlich positive Stimmung in mir. Die Menschen um mich herum verwandeln sich in oberflächliche, widerliche fressende und saufende Kreaturen. Ekel erfasst mich, und ich verlasse fluchtartig diesen Ort. Nur weg von hier!
Ähnlich kann es mir auch in Shoppingcentern, Fußgängerzonen oder auf von Menschen überfluteten Plätzen gehen. Mich zieht es dann an ein ruhiges Plätzchen in einem Park oder in eine mäßig besuchte Kneipe.
Ich halte meine Reaktion für völlig normal… Seltsam diese Welt – für viele kann es nicht voll genug sein. Verstehe ich nicht.

Büsum

Büsum gefiel mir nicht. In der kleinen Innenstadt herrschte Gedränge. Die Lokale waren brechend voll. An allen Ecken schoben sich die Menschen Fastfood und anderen Mist rein. Danach sahen die meisten auch aus. So viele hässliche Menschen auf einem Fleck sah ich zuletzt… auf dem Alexanderplatz. Ich fühlte mich an eine dumme blökende Schafherde erinnert. Die Schafe taten den ganzen Tag nichts anderes als fressen und scheißen. Aber den Schafen konnte man deswegen keinen Vorwurf machen, weil es eben Schafe sind. Mich schauderte bei der Betrachtung meiner Mitmenschen. Wahrscheinlich hatte mich die Einsamkeit auf meiner Reise übersensibilisiert. Nein, in Büsum wollte ich nicht länger als notwendig bleiben. Überall nur schwachsinniger Konsum. Auch die Stadt selbst gab nicht das beste Bild ab. In ihrem Herzen gerade eine Großbaustelle…
Da das Wetter zunehmend schlechter wurde, war ich am hin und her überlegen. Im Regen weiterzufahren, machte auch wenig Sinn. Ich beschloss, meine Entscheidung spontan zu fällen.
Nach St. Peter Ording waren es gerademal 40 Kilometer. Die sollte ich auch bei Gegenwind schaffen. Also machte ich mich mit einem nassen Zelt im Gepäck auf den Weg. Der Tag begann wolkenverhangen und düster. Nichts wie weg!

 

 

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