Gedanken aus der Zentrale

Ich nehme stark an, dass es in der Milchstraße nur so von Leben wimmelt. Und sicher gibt es Zivilisationen, die uns technisch und geistig weit voraus sind. Warum wir von denen nichts sehen und keine Signale empfangen? … Ich hatte heute Morgen eine fantastische Eingebung dazu:
Die Erde dient als galaktisches Irrenhaus. Hier dürfen wir ganz ungezwungen herumspinnen. Dabei soll uns bitte niemand stören. So ist es von der galaktischen Gemeinschaft hochstehender Zivilisationen angedacht. Nur zu Forschungszwecken sind Besuche erlaubt. Wir gelten als hoffnungslose Fälle und außerdem als höchst gefährlich. Eingegriffen würde nur dann, wenn wir eine Technologie entwickelten, welche uns zu intergalaktischen Reisen befähigte. Dann wäre Schluss mit lustig.
Die Erde ein einziges Irrenhaus – erklärt doch einiges. Sicher eine Bürde für diesen an sich wunderschönen Blauen Planeten. Mich würde ja interessieren, an was für einer Geisteskrankheit wir leiden… Vielleicht sogar ansteckend. Insofern verständlich, dass man uns im hintersten Winkel der Galaxie weit weg von anderen Zivilisationen um die Sonne eiern lässt.
Gar nicht so blöde der Spruch: Die ganze Welt ist ein Irrenhaus, und hier ist die Zentrale.
Ich glaube aber nicht, dass alle Menschen gleich irre und gefährlich sind. Es gibt eine Menge harmloser Irrer, zu denen ich mich selbst zähle. Meine größte Missetat in den letzten 40-50 Jahren war das Totschlagen von Stubenfliegen. Dann und wann, denn die Viecher können mächtig nerven. Hinterher tut`s mir aber irgendwie leid. Was hat mir die Fliege eigentlich getan? Sie ist wie ich ein Wunder der Schöpfung. Ich muss sie doch nicht gleich totschlagen… Wenn ich einen guten Tag habe, mache ich das auch nicht, sondern fange die kleinen Störenfriede ein (z.B. indem ich schnell ein Glas über sie stülpe) und entlasse sie in die Freiheit.
Wie ich schon sagte, mich würde interessieren zu welcher Gattung Geisteskranken wir Menschen gehören. Wahrscheinlich können wir das selbst gar nicht reflektieren. Dass wir nicht ganz normal sind, zeigt aber die Welle der Zerstörung, die wir seit unserem relativ kurzen Dasein auf der Erde anrichteten. Wir führen uns auf wie im Tollhaus. Also, die Menschen müssen für die Erde sowas sein wie für mich eine nervige Stubenfliege. Nein, wie mindestens 10 Stubenfliegen oder noch viel mehr… Wäre ich die Erde, hätte ich uns schon längst…(Klatsch!) – ganz ohne schlechtes Gewissen.

 

Höhe der Zeit

Gepriesen sei das Internet! Ich ließ mir meine Lebenszeit ausrechnen (mir war mal wieder so öde) – also nicht nur mein Alter in Jahren, das habe ich noch gerade so im Kopf, sondern etwas genauer. Hier das Ergebnis:
Ich lebe seit 1.764.720.000 Sekunden, oder 29.412.000 Minuten, oder 490.200 Stunden, oder 20.425 Tagen, oder 2.917 Wochen, oder 671 Monaten… Das sind noch ganz überschaubare Werte, finde ich. Heutzutage sind wir umgeben von Großen Zahlen. Es wird geklotzt, nicht gekleckert. Wir sind umgeben von Milliardären und finden das ganz normal. Die Weltbevölkerung wächst und wächst – bei wie viel Milliarden sind wir inzwischen? Wie viele Sterne hat die Milchstraße? – wie viele Galaxien das Universum? Größenwahn ist en vogue. Spätestens seit der Digitalisierung findet eine atemberaubende Inflation der Großen Zahlen statt. Ich erinnere mich an Zeiten zurück, da war für mich Tausend eine unvorstellbare Größe. Tausend Mark waren ein Vermögen! Wer kennt nicht den Spruch: Wenn das Wörtchen „Wenn“ nicht wär, wär mein Vater Millionär! * Heute zählen sich die Millionäre zur Mittelschicht. Friedrich Merz jedenfalls, der neue alte politische Emporkömmling, zwischenzeitlich Millionär, zählt sich zur oberen Mittelschicht. Offenbar ein sehr volksnaher Mann, dem man nur eine politische Karriere wünschen kann. Hat er sich doch verdient, oder?
Wir schmeißen mit Zahlen und Begriffen um uns, die wir gar nicht mehr erfassen können. Kein Schwein weiß, um was es geht. Man babbelt einfach nur noch nach, – und umso mehr man semantisch auf der Höhe der Zeit ist, desto mehr wird einem zugenickt. Ich lausche dann und wann gern Gesprächen meiner Mitmenschen, z.B. beim Fahren mit der Bahn, in der Kneipe/im Café oder auch am Arbeitsplatz, – also immer dann, wenn ich gerade nichts Besseres zu tun habe. Unglaublich, was ich da schon alles gehört habe. Über was reden die da? Kommen die von einem anderen Stern? Oder bin ich einfach zu blöd, sie zu verstehen? Nein, neben mir sitzen keine chinesisch sprechenden Chinesen (auch keine Spanier). Syntaktisch befinden sie sich weitgehendst in derselben Sprache, die ich auch spreche, aber… Ich muss so ein Gespräch mal aufnehmen, damit ich direkt am Beispiel erklären kann, was ich meine. Möglich ist schließlich auch, dass ich Autist bin, ohne es zu wissen. Da lebe ich seit 20.425 Tagen und kriege nun raus, dass alles so ist, weil ich ein verfluchter Autist bin… Kann das sein?
Oder hinke ich der Zeit hinterher? Die Zeit ist aber auch verflucht schnell unterwegs, finde ich. Das merke ich vor allem an den Wochenenden. Kaum habe ich mir überlegt, was ich am Wochenende machen will, ist es auch schon rum… und meine 2.918ste Woche in diesem Trauerspiel beginnt usw. usf.
Aber im Ernst jetzt: Die Zeit rast! Ich erinnere mich noch gut (als wäre es gestern gewesen), dass die Lehrerin vorne an der Tafel was erklärte, und ich absolut nichts davon mitbekam, obwohl ich hinhörte. Ehrlich, ich hörte zu! Ein Wunder, dass ich es bis zum Abi schaffte. Ein Mysterium. Alles ging so schnell. Bevor ich zu Ende überlegt hatte, was die Lehrerin meinte, musste ich bereits Bewerbungen schreiben. Ist erst ein paarhundert Monate her. Kann gar nicht fassen, dass mein Leben nun schon dreiviertelst vorbei sein soll **. Was habe ich eigentlich die ganze Zeit gemacht?

 

* auch bekannt als „hätte, hätte, Fahrradkette“

** wobei man die letzten zwei bis drei Achtel des letzten Viertels getrost streichen kann, weil man diese Zeit (wahrscheinlich) kaum noch Leben nennen kann

Kurz bevor ich los muss

Was, wenn die Erde bereits lange unter der Kontrolle von Außerirdischen steht? Ich stelle mir eine uns himmelhoch überlegene Alien-Zivilisation vor, welche sich Planeten aussucht, um darauf Leben nach ihrem Gutdünken zu züchten, zu unterstützen oder zu vernichten – je nach Zweckdienlichkeit.
Im Folgenden einige Szenarien:
1) Das Beeinflussen und Beobachten von Leben und Evolution aus Forschungszwecken.
2) Da davon auszugehen ist, dass uns überlegene Aliens wie wir Predatoren sind: das Heranzüchten und Mästen einer ausgewählten Spezies als Nahrungsreservoir, um diese zu einem gegebenen Zeitpunkt abzuernten.
3) Die Unterstützung der Entwicklung intelligenten Lebens, um das Endprodukt zu unterjochen und damit die Milchstraße zu besiedeln – also nichts anderes als die Sklaverei, die wir aus unserer eigenen Geschichte kennen, eben im galaktischen Maßstab.
4) Unwahrscheinlich aber möglich: die Aliens sind hochentwickelte Bonobos. Dann beobachten sie uns nur und wollen eigentlich unser Bestes. Ab und zu landen sie allerdings mit ihren Untertassen und ficken alles, was ihnen vor die Flinte läuft.

Scheiße, schon 6 Uhr. Der Arbeitstag ruft. Nur das noch: So viel schlimmer als wir können die Aliens auch nicht sein…