Falls es Gott gibt, dann ist er ein ziemlich guter Betrüger

Umso dreister die Lüge, desto mehr Erfolg – kleines Betrüger-Einmaleins.
Zur Untermauerung des Lügennarratives hilfreich sind: Hinhaltetaktik, (emotionale) Erpressung, Abhängigkeit, Verschleierung, Täuschung, Verlockung/Anreize, Tatsachenverdrehung, Einschüchterung…
Die Kunst des erfolgreichen Lügners/Betrügers besteht darin, dass er diese Instrumente je nach Vorhaben auswählt, miteinander abstimmt und geschickt einsetzt.

Ich meine: Betrug ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Auch im Tierreich und in der Pflanzenwelt wird ständig betrogen. Der Betrug war schon immer eine Überlebensstrategie. Gibt es überhaupt ehrliche Kreaturen?
Ist Gott ehrlich?

Leben wir vielleicht in einer Matrix? Mich überkommt oft das Gefühl, dass irgendwas so gar nicht stimmt auf der Welt. Und ich meine damit nicht die Politiker mit ihren doofen Lügen… Ich meine das Leben/Dasein an sich mit Geburt und Tod, mit all seinen Phänomenen. (Wo bin ich? – Wer bin ich?)

Die Hinhaltetaktik klappte bisher ganz gut. Auch die Abhängigkeit wird mir perfekt vermittelt. Dann die Verlockungen und Anreize wie Liebe, Sex und Genuss… hat funktioniert. Nicht ganz so gut funktionierten (bei mir) Verschleierung, Tatsachenverdrehung und Einschüchterung.

Im Alltag versinken wir im Sumpf unserer kleinen und großen Betrügereien. Wir verlieren uns im Selbstbetrug. Ein jeder auf seine Weise.
Ich will der Betrugs-Matrix nicht folgen, auch wenn ich davon als angekettete Kreatur nicht loskomme. Ich kann mich niemals damit zufriedengeben, dass mein Geist im Radius eingeschränkt ist. Ich zerre wie ein Wilder an der Kette… bis ich erschöpft niedersinke.

Antimaterie

Wir leben also alle in einer Computersimulation, weil sich Materie- und Antimaterieteilchen nicht gegenseitig auslöschten, was sie aber nach heutigem Stand der Physik hätten tun müssen – damals beim Urknall. Das Universum, wie wir es heute sehen, dürfte es gar nicht geben. Gut. Ich wusste schon immer, dass irgendwas faul an der Sache ist. Aber eine Computersimulation? Nicht, dass ich so ein Leben in der Matrix für unmöglich hielte, aber wer oder was hat sie konstruiert? – und wozu der ganze Scheiß? Gott als Cyber-Freak?

Sonntag. Meine Waschmaschine läuft. Ich stelle mir vor, sie wäre eine Art Miniatur-Teilchenbeschleuniger, komme aber mit dem Gedanken nicht recht weiter… Ich habe ein Fantasieproblem. Vielleicht liegt es an der Hitze. Vielleicht habe ich noch nicht genug Drinks intus. Der Tag liegt vor mir wie ein offenes Scheunentor ohne Ideen. Das Pub öffnet erst 17 Uhr. Der Wirt ist in Urlaub. Bleibt freilich der Biergarten, der aber am Nachmittag brechend voll sein wird. Raus will ich auf alle Fälle. Vielleicht mit ein paar eisgekühlten Getränken in den nahen Park setzen und lesen: „Omon hinterm Mond“ von Wiktor Pelewin. Den Autoren kann ich nur empfehlen – sehr gut, wenn man ein Fantasieproblem hat.
Nur nicht zu früh starten, sonst kacke ich ab – wie gestern. Ich unterschätzte das Gemenge von Hitze, Sonne und Alkohol. Als ich am späten Nachmittag im Pub ankam, strich ich bereits nach einem Bier wieder die Segel. Normalerweise verlasse ich den Laden nicht unter drei. Es war mir fast peinlich – schließlich hat man seine Trinkerehre.

Wie aus dem Nichts kommt mir die Idee für einen Cocktail, den ich „Antimaterie“ nenne und im Schleudergang meiner Waschmaschine mixe. Geil.
Allen einen schönen Sonntag!