Alles ist hohl

Ich mag abwegige Ideen, also Ideen, die von unserer gelebten Wirklichkeit abweichen… teils erheblich abweichen. Auf YouTube ziehe ich mir allerlei rein: von UFO-Theorien, Präastronautik bis hin zur Hohlen Erde. Selbst die Mainstreamwissenschaft gelangte inzwischen an einen Punkt, wo irrwitzige Theorien sprießen. Wir reden vom Multiversum, von Wurmlöchern und eingerollten Dimensionen. Las ich als Kind noch fantasiesprengende Märchenbücher, so entdecke ich heute das Fantastische (Unheimliche) in den sogenannten konkreten Wissenschaften. Die Wissenschaftler erscheinen wie Magier, wenn sie über die Phänomene des Universums oder der Quantenwelt referieren. Ich weiß nicht, ob sie verstehen, worüber sie reden. Zumindest tun manche so. Erforschte Realität und menschlich erfahrbare Wirklichkeit stehen im Diskurs. Was ist Materie? Existiert sie als solche überhaupt? Was ist Raum? Was ist Zeit? Nicht einmal die genialsten Geister der Welt finden auf diese Fragen zufriedenstellende Antworten. Das Wesen der Welt bleibt ein Mysterium. Dazu gehört unser Dasein. Dazu gehören Bewusstsein und Intellekt, welche uns erst über die Welt sinnieren lassen.
Wer bin ich? Woher komme ich? Wozu das alles? Ich habe oft das Gefühl, dass solche Fragen ketzerisch sind. Niemand will sie hören. Selten gab es Menschen, mit denen ich mich darüber ernsthaft austauschen konnte. Der erste und zugleich wichtigste Mensch, der auf meine Fragen einging, war meine Mutter… Als Teenager wurde mir klar, dass ich niemals aufhören kann, unser Dasein zu hinterfragen. Ich kann mich nicht der materialistischen Welt ergeben. Auf der anderen Seite blieben mir die angebotenen Religionen suspekt. Ich sah in ihnen lediglich eine Ausrede.
Gott ist tot. Er passt schon lange nicht mehr in unsere Welt. In meine Welt hätte er nie gepasst. Zu jeder Zeit wäre ich ein Ketzer gewesen. Glücklicherweise lebe ich heute und nicht im Mittelalter.
Ich glaube an nichts. Ich verleugne gar meine Existenz. Ist das nicht verrückt? Dieser absurde Nihilismus schafft erst das, was ich zu begreifen meine… Eben nichts.
Da sitze ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor.

Das zumindest kapierte schon Goethe.

Zurück zur Faszination am Fantastischen: Weg von der Selbstvergewaltigung als funktionierendes Mitglied in einer Gesellschaft, die ich nicht verstehe. Weg von der irrsinnigen Bürokratie. Weg von der Leistungsgesellschaft. Weg von Ideen wie Glaube und Kapitalismus. Weg von Krieg und Ausbeutung. Weg von der Macht des Geldes. Weg von der Gewalt. Weg von den vielen Lügen…
– von mir aus hinein in eine Hohle Erde, wo das Gute nicht nur eine blasse Idee ist, sondern seit Jahrtausenden gelebt wird.

 

Verkehrtes Märchen

An Märchen lieben wir, dass in ihnen mitunter die Welt auf den Kopf gestellt wird, dass allerlei wunderliche, phantastische Dinge passieren, und dass es am Ende ein Happy End gibt. Wir alle kennen den Satz: Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute glücklich und Blabla… Letztlich siegt das Gute immer über das Böse. Der Held findet seine Angebetete. Alle Schwierigkeiten wurden überwunden. Der Lohn für die durchgemachten Torturen sind Liebe und Glück bis in alle Ewigkeit. Nein, niemand nimmt Märchen für bare Münze. Obwohl es auch im realen Leben Geschehnisse gibt, die zumindest märchenhaft anmuten. Z.B. die ein oder andere Liebesgeschichte.

Wirklich – ich erlebte es. Ich muss nur an die wundersame Begebenheit meiner letzten Liebe denken. Ein unglaublich schönes Märchen. Anfangs.
Anders als in einer Märchenerzählung begann es bereits mit dem unfassbaren, wundersamen Glück und glitt nach und nach ab in das Tal der Mühe und Traurigkeit. Natürlich gibt man wegen ein paar Schwierigkeiten nicht gleich auf. Man will das Märchen der Liebe retten, will die bösen Mächte vertreiben, die einem das Glück madig machen. Leider reichen dazu in der Realität nicht unbedingt die Kräfte. Warum konnte es nicht einfach märchenhaft weitergehen? Am Ende warten Schmach und Einsamkeit. Die schöne Prinzessin entpuppte sich als böse Hexe. Alles für die Katz.
Die Schatten holen sich das Glück. Immer. Von wegen Happy End. Der Protagonist töricht und ahnungslos. Hinter der Kulisse wurde längst über sein Schicksal entschieden. Scheiß Drehbuch! Und ich wusste es – warf alle Bedenken über Bord. Schließlich war sie das Beste, was mir damals passieren konnte – ein Engel, der vom Himmel fiel. Mir quasi vor die Füße. Doch war es eben nur ein Märchen. Ein verkehrtes Märchen.

Das ganze Leben ist in gewissem Sinne ein solch „verkehrtes Märchen“… Am Schluss ist man nämlich am Arsch. Und weil wir ganz genau wissen, was auf uns zukommt, erliegen wir der Märchenwelt, wo zwar auch jede Menge Mist passiert – aber hinterher wenigstens 100% alles gut ist. Wie in unseren ersponnenen Ideologien und Religionen. Wie in der Hoffnung auf Liebe, Reichtum, Macht. Wie in unserer Sehnsucht nach Friede und Gerechtigkeit. Wir kämpfen ein Leben lang wie die Blöden – für ein Märchen.
Auch ich. Ich komme nicht raus aus dieser Nummer.


Der Himmel über Berlin sagenhaft blau. Die Mädchen und Frauen tanzen in bunten Sommerkleidern durch die Straßen. Das Leben stimmt seinen verführerischen Singsang an. Die Kerle spitz wie Nachbars Lumpi. Die ganze Stadt brummt wohlig vor sich hin. Die Schattenwelt weggesperrt. Den Tod – vergessen. Das Leid – vergessen. Wir glauben an das Märchen. Hier und jetzt. Für einen Tag oder eine Stunde oder nur für einen Moment. Das kann alles andere wettmachen. So schön. Die Liebe. Auf einem Auge blind. Und das andere kneifen wir zu.

Rülps

Mir ist gerade nach Abgesang. Was fällt mir da noch außer Twoday ein? Mein eigenes Leben vielleicht? Meine Liebesbeziehungen? … Puuh! Weltübergreifend der Niedergang des Sozialismus?
Moment… „Sozial“ – da war mal was… eine stolze Partei, eine Partei mit Tradition und großen Namen… in Deutschland. SPD! … das Paradebeispiel eines Abgesangs. Besser geht`s nicht. Besser kann man den eigenen Untergang nicht inszenieren. Wow! Von der SPD kann ich noch lernen. Ich bin sicher, dass Frau Merkel Bauchweh hat vor Lachen. Sie lacht freilich nicht öffentlich. Dazu ist sie zu diszipliniert. Mein Gott, was für ein Possenspiel in der SPD – dagegen ist die Quantenphysik ein Scheißdreck! Haha! Das soll einer verstehen – dieses Herumlavieren um Posten zur absoluten Unzeit. An die Wortbrüche will ich gar nicht denken. (Dass Politiker nicht zu ihrem Wort stehen, wissen wir spätestens seit Barschel.)
Bei wieviel Prozent steht die SPD heute? Sie hat sich bereits bei unter 20 eingerichtet. Ich muss kein Prophet sein, wenn ich sage, dass die SPD bei den nächsten Bundestagswahlen rechts von der AfD überholt wird. Die Xantippe Nahles als Parteivorsitzende wird es nicht richten. Schulz ist demontiert, und Gabriel erzählt seiner Tochter lieber Märchen. „Der Mann mit den Haaren im Gesicht“ und „Das tapfere Außenministerlein“
Was soll man angesichts einer solch selbstverschuldeten Demontage einer Volkspartei sagen?
Wir sind Zeugen einer griechischen Tragödie. Dummerweise geht es aber um die Politiker, die unser Land in naher Zukunft regieren werden. Klar ist: Diese GroKo wird definitiv die letzte sein, weil SPD und CDU zusammen keine absolute Mehrheit mehr erreichen werden. Ebenso wird die letzte Amtszeit von Frau Merkel eingeläutet. Und danach? Das Kasperletheater auf der Politbühne geht weiter – wobei der Böse Wolf jede Gelegenheit nutzen wird…

Ich vergaß ganz: Alles kann sich noch anders ergeben. Nachdem die SPD-Delegierten über die Teilnahme an den GroKo-Verhandlungen abstimmen durften, hängt es jetzt vom Votum der Parteimitglieder ab, ob die SPD in eine GroKo-Regierung unter Merkel eintritt. Wie wird wohl das Wahlergebnis ausfallen? Was meint Ihr?

„Ich hoffe, dass die SPD-Mitglieder gegen eine GroKo stimmen.“
„Ist das dein Ernst?“
„Ja, lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“
„Lieber ein Schrecken, welches wir schon kennen…“
„Sie werden eh für die GroKo stimmen. SPD Mitglieder sind größtenteils Spießer.“
„Meinst du?“
„Vielleicht etwas sympathischer als die CDU-Spießer. Ich bin Realist.“
„Gut so. Das bringt uns vier Jahre Aufschub. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Da setze ich lieber auf das, was ich bereits kenne. Wir fuhren doch nicht ganz schlecht mit der GroKo in den letzten vier Jahren.“
„Du bist auch ein gottverdammter Spießer! Aber ich mag dich.“
„Welche Ehre.“
„Rein menschlich halt. Man muss ja nicht in allem einer Meinung sein.“
„Stimmt. Aber es gibt auch Menschen, die sich aufgrund einer anderen politischen Meinung die Köpfe einschlagen.“
„Ich denke, da geht`s um was anderes.“
„Um was denn?“
„Das sind Idioten – die brauchen das. Es spielt dabei keine Rolle, ob es um Politik, Religion oder um… den Fußballverein geht.“
„Ich schätze, da ist was dran.“
„Gut, und was machen wir jetzt?“
„Warten…“
„Und noch ein Bier trinken?““
„Von mir aus.“
„Dann lass uns anstoßen.“
„Auf wen?“
„Auf diesen Regisseur, diese alte Sau!“
„Welchen?“
„Wedel.“
„Okay.“
„Auf Wedel!“
„Rülps.“