Status

Rein wettertechnisch zeigte sich der Februar höchst abwechslungsreich – da kann ich nicht meckern. Endlich mal wieder Schnee und gleich danach der Vitamin D-Flash bei frühlingshaften Temperaturen.  
Und sonst: Ich schleppe mich durchs Homeoffice ohne große Höhen und Tiefen. Die Gesellschaft im Endlosloslockdown wegen einer Virus-Pandemie… Die Menschen langsam aber sicher Corona-müde. Die einen hoch überzeugt von der Sinnhaftigkeit all der Maßnahmen, die anderen skeptisch bis sehr kritisch. Der Meinungsbruch zieht sich quer durch alle Schichten, durch Familien und Freundschaften… Nur unsere Politiker scheinen sich weitgehend einig zu sein. Kraft ihrer Wassersuppe beutelt die Regierung die Bevölkerung seit Monaten mit allerlei freiheitseinschränkenden Maßnahmen. Wer aufmuckt, wird mundtot gemacht oder als Corona-Leugner, Covidiot und Verschwörungsschwurbler diskreditiert. Besser man hält die Klappe und nickt alles, was von oben kommt, brav ab. In den Leitmedien/Staatsmedien indes Angstmache und geschickt lancierte Desinformation – zwischen den Zeilen ist klar zu lesen: „Kritisches Denken unerwünscht!“
Nachdem wir medial für die Maßnahmen auf Linie gebracht wurden, folgt nun die Impfpropaganda nach demselben Muster. Die Geimpften dürfen wieder am öffentlichen Leben teilnehmen, während die Ungeimpften in die Röhre gucken. Also am besten schön brav machen, was Mutti sagt… Und den kritischen Geistern, welche gesundheitliche und andere Einwände gegen die Impfung erheben, klopft man auf die Finger: „Du – du -du! – bist ein Böser!“
Eine „aufgeklärte“ Gesellschaft stelle ich mir irgendwie anders vor…
Wie zurzeit Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt werden, hatten wir zuletzt in ähnlichem Maße während der Flüchtlingskrise, als die Rechten gegen Ausländer und Migranten hetzten – mit dem kleinen Unterschied, dass die Hetze gegen Corona- und Impfkritiker von Staats wegen legitim ist.

Also ich halte dann mal lieber meine Klappe. Und Ihr habt diesen Beitrag nie gelesen!


Im Büro gewesen

1 Tag pro Woche ist erlaubt. Will man öfter ins Büro kommen, muss man das vor der Chefin explizit begründen. Wir waren zu sechst. Wenn alle kommen, sind wir ca. 30.
Ich genoss die Begrüßung am Morgen und die Gespräche mit den Kolleginnen, die da waren. Nach ein paar Stunden kam die Sonne raus. In meiner Mittagspause marschierte ich um den Block. Auf der Sonnenseite schmolz der Schnee.
Zum Feierabend war die Sonne weg. Die Wege vereist. Ebenso mein Fahrrad, das ich im Hof abgestellt hatte. Es blieb mir nichts anderes übrig, als es zu schieben.
Ich traf Necip, den Wirt der Kupferkanne, auf dem Heimweg. Fast erkannte ich ihn nicht, wie er in dicker Winterjacke und mit Mütze daherkam. Wir beklagten, dass die Politik beschlossen hatte, den Lockdown zu verlängern. Wenigstens waren wir bisher gesund geblieben. Schmerzlich wurde mir bewusst, wie sehr ich die Kneipen vermisse: die menschliche Wärme und Nähe, die kleinen/kurzen „Aufsteller“, maskenlose lachende Gesichter…
In meinem Briefkasten fand ich einen Brief von der „Bundesregierung“. Darin 2 Berechtigungsscheine für jeweils 6 Schutzmasken, die ich mir in der Apotheke abholen kann. 2 Euro Eigenanteil pro Berechtigungsschein. Warum sie das in zwei Zeiträume splitteten – keine Ahnung.
Ich packte meinen kleinen Einkauf aus, während mein Fahrrad im Wohnungsflur auftaute. Danach fläzte ich mich mit einem Bier auf die Couch und schaltete die Glotze an… einfach damit etwas lief.


und nein – das Damenrad auf dem Bild rechts oben ist nicht meins

Lieber einen Sprung in der Platte als gar keine Platte

Es verging einige Zeit, bis im Universum biologische Lebensformen im Pool der Möglichkeiten auftauchten. Damit auch die Lebensform, die sich Mensch nannte und sich anschickte, seiner Unbedeutsamkeit zu entfliehen, sich auf seinem Heimatplaneten zur Krönung der Schöpfung kürte und lange glaubte, alles würde sich um ihn, den Homo sapiens, drehen…  Veni, vidi, vici.
Tja, das Universum bringt nicht nur sympathische Erscheinungen hervor. Ein Kommen und Gehen.
Ich sitze in der Sonntags-Tristesse fest. Der Tag zeigt sich grau und düster. Nur wenige Spaziergänger vorm Fenster… Wie ich als Kind die Sonntagsspaziergänge hasste! Ich ließ mich in meiner Bockigkeit immer weiter hinter den Eltern zurückfallen, bis meine Mutter genötigt war, nach mir zu schauen… Lange ist`s her. Ein halbes Jahrhundert. 50-mal flitzte die Erde um die Sonne. Dabei legte ich 50 x 940 Millionen Kilometer zurück. Ganz ohne blöde Sonntagsspaziergänge… Aber was bedeuten schon Zahlen? Ich könnte auch ausrechnen, wie viel Liter Bier ich in den letzten 50 Jahren trank, oder wie viele Fischbrötchen ich aß. Zumindest überschlägig.
Nein, das mache ich jetzt nicht.  
Heute ist so ein Tag, an dem ich froh wäre, wenn ich ins Pub gehen könnte: Den Wirt grinsend begrüßen. Mit ihm einen Korn trinken und seinen Geschichten lauschen. Und Thorsten zapft mir selbstverständlich ein Bier, und fragt in seiner stoischen Art, wie`s mir geht. Und ich nicke und sage: „Na ja. Schön, mal wieder hier zu sein.“


Der verrückte Traum

Die Tage gingen dann doch ziemlich schnell rum im Eintönigkeits-Blues. Als hätte ich Weihnachten verpennt. Nun nur noch Silvester. Bleibt das vermaledeite Corona. Wie schön wäre das: ich wache auf: die Kneipen haben geöffnet, kein Mensch redet über Corona, Lockdown, Impfungen und Verschwörungstheorien – als wäre 2020 nur ein schlechter Traum gewesen. Und keine fuckin` Masken!

Thorsten stellt das Bier vor mich auf die Theke. „Und wie geht’s so“, fragt er mich.
„Ganz gut. Allerdings hatte ich einen verrückten Traum…“
Es ist erst kurz nach Mittag. Außer mir sind nur wenige Gäste im Pub. Thorsten hat nicht viel zu tun. Ich erzähle ihm also von meinem Traum.
„Und alle Kneipen mussten dicht machen während dieses… äh…“
„Lockdowns“, ergänze ich und nehme einen großen Schluck von meinem Berliner Kindl, „… alles hatte zu außer den Supermärkten.“
„Das geht doch gar nicht“, Thorsten schaut ungläubig.
Ich lache: „Klar – war ja auch ein Traum… Allerdings war der wie echt. Weißt du, was ich meine?“
„Hm… Hinterher ist man sich nicht sicher, was real und was Traum ist. Das sind die gruseligsten Träume.“
Ich nicke und blicke durch die Fensterfront auf die Potsdamer Straße. Menschen aller Couleur hasten vorbei, sich stauende Autos, Hupen… der ganz normale großstädtische Moloch.
„Und das Verrückteste“, bricht es aus mir hervor, „wir mussten alle Masken tragen!“
„Karnevalsmasken – oder was?“
„Du nun wieder… Natürlich nicht! Ich meine solche Schutzmasken, wie sie die Chinesen in ihren Großstädten tragen. Du weißt schon.“
Thorsten grinst breit und blickt fragend auf mein fast leeres Glas.
„Logo. Damit ich mir ganz sicher bin, dass es nur ein Traum war.“
Neue Gäste kommen ins Pub, und Thorsten ist erstmal beschäftigt. Ich halte mich am Bier und lasse den lieben Gott einen guten Mann sein. Ich sollte diesen Traum aufschreiben, denke ich bei mir. Er war so real. Unglaublich.

Welchen Tag haben wir? Ich reibe mir die Augenbutter aus den Augen. In der Gemengelage von Feiertagen und Wochenende verliere ich leicht den Überblick. Zeit aufzustehen, signalisiert mir meine innere Uhr, obwohl noch dunkel ist. Ich lag lange genug in den Federn. Was war das für ein verrückter Traum, den ich hatte? – Ich war im Pub. Thorsten bediente…


Betr. heutige Pressekonferenz zur Corona-Lage

Der Ernst der jetzigen Lage sei der Sorglosigkeit einiger Menschen zu verdanken, meinte RKI-Chef Wieler in der heutigen Pressekonferenz zur Corona-Lage. (Was für eine scheiß Aussage ist denn das!?!!) Indirekt machte Wieler in seinem Redebeitrag die „sorglosen“ Bürger unter uns für die Zunahme der Corona bedingten Sterbefälle verantwortlich, im Besonderen in Alten- und Pflegeeinrichtungen… Natürlich kein Wort darüber, wen er mit den „einigen sorglosen“ meint. Kein Wort über die eigenen Versäumnisse, als hätte das RKI die Weisheit gepachtet, als hätte die Regierung in der Pandemie immer richtig gehandelt. Die Schuldigen lassen sich besser diffus als eine Gruppe der „Sorglosen“ benennen. Vielen Dank, Herr Wieler, für Ihre weisen Worte. Sie retten meinen Tag. Statt nach meinem Feierabend vorm TV abzuhängen, brachten Sie mich derart in Rage, dass ich mir erstmal Luft machen musste!

Wenn das Pub geöffnet hätte, würde ich mir heute ordentlich einen hinter die Binde gießen…, zumal ich morgen Urlaub habe… Zuhause will ich mir lieber nicht die Kante geben. Am Ende saufe ich mich ins Koma und keiner kriegt`s mit.

Prost!


Keine Panik auf der Titanic

Der Sessel auf dem Gehsteig vor meinem Fenster bekam Zuwachs von einem Fahrradrahmen, einem Tintenstrahldrucker, einem großen Pappkarton und einem Kofferbett. Die Sonne steht knapp überm Horizont. Der Himmel schimmert hinter Dunstschleiern bläulich. Sieht kalt aus draußen. Auf den geparkten Autos bildete sich über Nacht Raureif… Meine Woche ließ ich im Homeoffice ausklingen. Die Arbeit am Rechner ist stupide. Nichts als Tumordiagnosen, Tumorbehandlungen, Tumorverläufe, Tumor-Histologien… Mammakarzinome, Lungenkarzinome, Kolonkarzinome, Nierenkarzinome, Harnblasenkarzinome, Prostatakarzinome, Pankreaskarzinome, Leberzellkarzinome, Melanome, Sarkome, Hirntumoren, Gynäkologische Tumoren, HNO-Tumoren, Lymphome, Leukämien… Nach bald vier Jahren bin ich der Tumordokumentation langsam aber sicher überdrüssig. Das Einzige, was meinen Arbeitsalltag aufhellt, sind die sozialen Kontakte, welche sich durchs Homeoffice stark reduzierten… Und von wegen Ausgleich: Im Zuge der Kneipenschließungen begegne ich oft tagelang keiner einzigen vertrauten Seele, abgesehen von der netten Supermarktkassiererin… Aber gut, ich will nicht jammern. Wenigstens habe ich einen sicheren Job. Die Maläsen halten sich in Grenzen, und in meinen vier Wänden finde ich es heimelig. Ich pflege meinen Corona-Speck und glotze die Mediathek rauf und runter. Dazu kommen die reizenden Kontakte mit den Bloggerinnen und Bloggern auf WordPress. (Huhu!)

Ohne dass ich es merkte, schob sich ein dicker Umzugslaster vor mein Fenster. Im Treppenhaus begegne ich immer wieder fremden Gesichtern. Die Umzugstätigkeit war in diesem Jahr rege. Ob das mit Corona zusammenhängt(?) Umziehen wäre ziemlich das Letzte, was ich jetzt wollte. Ich hoffe doch nicht, dass in naher Zukunft die Miete steigt… Scheiß Zukunftsängste, die wie lästige Fruchtfliegen im Kopf herumschwirren und denen nicht beizukommen ist. Was haben die nur alle mit Corona? – als gäbe es keine anderen Bedrohungen im Leben.  

Schätze, ich hänge im Dauerblues fest. Nicht tragisch, denn ich mag Blues. Nicht nur als Musik, sondern auch als Lebensgefühl. Da habe ich all denen was voraus, die mit Blues-Zeiten nicht so gut klarkommen. Ich freundete mich schon früh mit meinem verkorksten Leben an. Was nicht ist, das ist eben nicht… (Nr. 50437 meiner persönlichen Lebensweisheiten) oder: Keine Panik auf der Titanic.



Was für eine Woche

Die Übergabe des Firmenlaptops an meine Bürokollegin klappte problemlos. Wir teilen uns jetzt die HO-Zeit. Sie ist happy! Und ich freue mich, dass ich ihr damit aus ihrer latenten Unzufriedenheit helfen konnte.

Dann die US-Wahl, die uns seit Mittwoch in Atem hält. Sie verwies sogar Corona zeitweise auf Platz 2 in den Schlagzeilen. Trump wird man wohl gewaltsam aus dem Weißen Haus entfernen müssen. „Nein, ich will nicht!“ wird er wie ein trotziges Kind schreien, während sie ihm die Zwangsjacke überziehen…

Corona ist freilich dauerpräsent. Wir befinden uns im Wellenbrecher-Lockdown, wie er genannt wird. Momentan bäumt sich die Welle aber eher auf. Rund 21 Tausend Corona-Positive innert 24 Stunden!

Die Woche klingt ohne ein Feierabendbier im Pub aus. Sehr bedauerlich. Es ist einfach nicht dasselbe.