Stress ist nicht mein Ding

Zwei Kinofilme starten, die mich reizen: „1917“ ein Kriegsdrama, und „Mach dein Ding“ über Udo Lindenbergs Anfangszeiten. Die Streifen laufen sicher einige Wochen. Schön. Es wird irgendwann passen. Vielleicht schon dieses Wochenende – obwohl ich lieber warte, bis der erste Run vorüber ist.
Auf der Staffelei steht eine Leinwand, die sich langsam mit Farbe füllen soll, aber auch da mache ich mir keinen Stress. Stress war noch nie mein Ding. Am liebsten wäre ich als Pflanze auf die Welt gekommen. Zu einer Zeit, bevor der Mensch die Natur verhunzte. Ich wäre ein kleiner Apfelbaum, der verträumt in der Landschaft stünde…
Es gibt noch zwei mediale Ereignisse, die mich dieses Wochenende reizen: Das Spiel „Deutschland – Kroatien“ in der Hauptrunde der Handball-EM und „Bayern – Hertha“ Fußball Bundeliga Rückrunde. Als Alleinlebender guckt man immer nach ein paar Lichtpunkten im Alltag. Ablenkung halt.
Die Waschmaschine läuft. Mal nicht mit Schmutzwäsche. Ich färbe eine Strickjacke und ein paar T-Shirts um und warte gespannt auf das Ergebnis. Noch eine halbe Stunde.
Strahlend blauer Himmel beim Blick aus dem Fenster. Ich atme das Licht ein.

Optimist in der Liebe – Schwachkopf im Leben

Ziemlich unsichere Sache mit der ausklappbaren Aluleiter im engen Bad – die beiden Glühbirnen in der Deckenlampe (noch die alten von Osram mit Glühdraht) hatten auf einen Schlag den Geist aufgegeben, und ich tauschte sie aus. Immerhin hielten sie seit meinem Einzug, also länger als meine letzte Beziehung. Frauen kann man dummerweise nicht einfach austauschen (außer man ist Popstar). Dabei wäre es langsam an der Zeit für eine neue, die etwas Licht in mein Leben bringt. Das alleine vor sich hindümpeln ist auf Dauer nichts für mich. Irgendwo da draußen ist sie sicher, nur weiß sie es noch nicht. Die Arme. Auf er anderen Seite kann auch ich der Arme sein, der auf sie reinfällt (– wie beim verhängnisvollen letzten Mal). So weit darf man aber nicht denken, sonst schrumpelt die Sehnsucht nach Zweisamkeit zusammen wie ein Hetero-Schwanz in der Männerdusche. Was die Liebe angeht, bin ich seltsamerweise gnadenlos optimistisch. Etwas Dummheit darf man sich doch leisten, oder? Ich meine die Dinge, die einen kaputt machen, aber ohne die man nicht leben will. Darum brauten die Mönche Bier und gruben einen Tunnel zum benachbarten Nonnenkloster. Sie haben meine Sympathie. Und die Heimlichtuerei hat den Reiz sicher tausendfach erhöht. Hach! – ich wäre gerne mal bei einer solchen unterirdischen Orgie dabei gewesen…
Viel wichtiger als der Sex ist mir aber die Liebe. Nichts Schöneres in meinem Leben gab es, als einen dieser weitentfernten Sterne vom Nachhimmel zu holen und zu küssen. Lege dich neben mich – wir halten uns gegenseitig.

Licht und Meer werden mir fehlen

Gran Canaria war ein Lichtschock. Leicht benommen sitze ich mit verbranntem Gesicht am Computer. Gestern Abend nach fünf Stunden im fliegenden Altenheim in Tegel gelandet. Endlich befreit von den alten Säcken! Endlich wieder junge Leute in Bus und U-Bahn – wenn auch verblödet, aber egal!
Gran Canaria war überfüllt von alten Säcken. Klar, dass ich nicht in eine Oase der jugendlichen Frische reiste, aber so viel spießige und grenzdebile Rentner um mich herum zerrten doch an meinen Nerven. Ich dachte nur: Alter Walter, bald gehörst du auch dazu… Vielleicht lag es auch am hellen Licht und der spärlichen Bekleidung, dass die Hässlichkeit des Alters derart auffällig zum Vorschein trat. Die deutschen Rentner zeigen sich sehr reiselustig. Viele fühlen sich auf Gran Canaria geradezu heimisch. Sie kommen regelmäßig und werden dementsprechend von den ansässigen Dienstleistern hofiert. Offenbar handelt es sich noch um die Generation, die sich`s leisten kann. Mit der spärlichen Kohle, die mir mein Rentenbescheid jährlich anzeigt, werde ich mir solche Sprünge ins Lichtparadies kaum erlauben können. Es ist wirklich ein Unterschied wie zwischen Tag und Nacht, wenn ich aus dem Fenster ins Grau in Grau Berlins blicke. Na gut, der Sommer kommt ja noch. Und ich entging dem fiesen deutschen Wetter der letzten zehn Tage. Soll laut der Wetternachrichten, die ich Dank des deutschen TVs in meinem Appartement verfolgen konnte, echt derb gewesen sein mit Sturmtief Eberhard.
Von den paar menschlichen Unannehmlichkeiten abgesehen, lief alles gut mit meiner Reise und dem Aufenthalt auf der Insel. Ich saß viel herum, glotzte aufs Meer und trank spanisches Bier, meist Tropical. In den Bars hielt ich es nicht lange aus, denn die waren freilich voller Rentnervolk, voller vergammeltem Menschenfleisch, das nach Verwesung roch und dabei dumme Sprüche absonderte. Und überall hingen TV-Bildschirme herum, auf denen Bundesliga lief, rauf und runter… Ich befand mich in einem Horrorfilm! So schlimm hatte ich es von meinem letzten Gran Canaria Besuch Weihnachten 2014 nicht in Erinnerung. Na ja, damals war ich verliebt und daher positiv abgelenkt. Ich trug die berühmte rosarote Brille. Apropos Brille: Ohne Sonnenbrille hätte ich das gleißende Licht nicht ertragen können. Sie war mein Wegbegleiter an allen Orten. Hier liegt sie im Etui auf der Fensterbank und harrt der Dinge, die da kommen.

 

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Licht und Meer

 

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auch ein Lichtblick