Ich wachte auf

… und alles erschien mir völlig unmöglich – wie die Welt ist, wie die Welt geformt ist mit ihren Dingen und Kräften. Es war, als ob ein Kartenhaus zusammenbricht, und ich plötzlich verzweifelt in einer absoluten Leere stehe, haltlos und verloren… Was ist das Leben? Was soll das alles?!
Ich versuchte zurückzufinden in die vertraute Ordnung, in die Selbstverständlichkeiten, die plötzlich wegbrachen. Kann es sein, dass hinter der Wirklichkeit nichts ist… gar nichts? Ist, was ich täglich schaue, lediglich eine fragile Fassade?
Es dauerte ein gutes Weilchen, bis sich der Schrecken der absoluten Nicht-Verortung (in dieser Welt) wieder legte. Die steife scheinbar unabänderliche Normalität stellte sich langsam wieder her. Ich glitt zurück in den Kokon meines Lebens…
Ein gruseliger Schauer blieb, der sich kaum in Worte fassen lässt.

 

Ich bin mir selbst die schwerste Geburt

Gestern begann das große „Frohe Weihnachten-rutsche gut ins Neue Jahr- (trotz Corona) -und bleibe gesund-Wünschen“ unter den Hühnern. Man kommt aus dem Wünschen gar nicht mehr raus. Selbst ich konnte mich nicht ganz entziehen. Ich gehöre zu den wenigen Hanseln, die die Stellung halten. Wobei ich von den verbleibenden 6 Werktagen 4 im Homeoffice verbringen werde. Das Jahr wird sehr gemütlich ausklingen… Viel Muße zum in der Nase bohren, oder fürs Bloggen. Ich könnte gegen die Leere in meinem Kopf anschreiben. Die moderne Physik lehrt, dass es keine absolute Leere gibt. Das lässt hoffen. Und dann schlummert in meinem Rucksack immer noch Jerofejews „Die Reise nach Petuschki“. Ich schaffte es erst etwa bis zur Mitte, bis zum Kapitel „Frjasewo – Kilometer 61“. Der Ich-Erzähler und ein Mitreisender stoßen gerade auf den großen Dichter und Denker Johann Wolfgang von Goethe an… Im Weiteren philosophieren sie betrunkener Weise übers Trinken. Ich überfliege ein paar Zeilen und merke, dass ich noch zu nüchtern zum Weiterlesen bin. Dumm nur, dass mir, wenn ich das nötige Level hätte, nicht mehr der Sinn nach Lesen steht, meistens jedenfalls. Die Lektüre dieses Schmökers kann also noch dauern, wie so vieles. Da steht z.B. noch dieses angefangene Bild „Eine Taube, die aus dem Bild fliegt, in Puerto de Mogán“ auf der Staffelei… Warum male ich nicht einfach weiter daran? Auf was warte ich?


Es gibt Tage, an denen ich denke, dass alles gesagt ist. Wirklich alles.
Wie die Erde bereits viele Millionen Male um die Sonne eierte:
Für Tag und Nacht. Für Geburt und Tod. Für Krieg und Frieden.
Für Macht und Ohnmacht. Für den immerwährenden Blues des Daseins. Für die Farben. Für die Schwärze. Für Dich. Und mich.