Künstler im Nichtstun

Der Urlaub endet, wie er begann – mit einem Ausreißer des Wetters nach oben. Es soll fantastische 23°C werden. Also hier in Berlin. Und sonnig! Oder zumindest teilweise sonnig. Von den Urlaubstagen dazwischen reden wir besser nicht – die Fortführung des Aprils unter anderem Namen. Ansonsten freue ich mich natürlich über jeden arbeitsfreien Tag, auch wenn ich mehr oder weniger drinnen hocke. Ich bin Künstler im Nichtstun. Freilich, etwas mehr Abwechslung hätte ich mir gewünscht… Heute also unbedingt ein paar Sonnenstrahlen einfangen und mir vorstellen, mein Urlaub begänne erst.

Flaute

Ich verfolgte in meinem Leben nie wirklich ein Ziel. Ich machte einfach immer weiter. Die Dinge ergaben sich. Sie tauchten auf und tauchten wieder ab. Ein Vagabundieren durch die Jahre. Gefangen im jeweiligen Hier und Jetzt. Ich wurde als Lebenskünstler bezeichnet. Selbst bezeichne ich mich lieber als Tagträumer und Tunichtgut… Was nicht heißt, dass ich nicht einige Anstrengungen zu bewältigen hatte. Ich musste mich zwischenzeitlich ordentlich in die Riemen legen. Ich war dem Absturz nahe. Doch der Schöngeist in mir verhinderte, dass ich mich ganz aufgab. Und dann ist da auch noch mein phänomenaler Dickkopf.
Wo wird es mich noch hintreiben? Oder ist hier Ende Gelände? – frage ich mich heute. Seit ein paar Jahren fühle ich mich in einer Flaute gefangen. „Kein Land in Sicht“, schallt es vom Ausguck herunter. Der Kapitän verzieht sich in seine Kajüte, um sich mit seinen Offizieren zu besprechen. Na ja, man schweigt sich erstmal an.

„So kann es nicht weitergehen!“
Die Offiziere räuspern sich verlegen… und schauen betreten zu Boden.
„Und wenn wir selbst in die Segel pusten müssen!“ Der Kapitän schreitet mit auf den Rücken verschränkten Händen in der Kajüte auf und ab.
„Sir, mit Verlaub“, meldet sich der 1. Offizier zu Wort, „die Flaute kann unmöglich ewig andauern…“
„Wie sieht es mit den Vorräten aus? Wie lange reicht das Wasser?!“ fragt ihn der Kapitän herausfordernd, „wie steht es mit der Stimmung der Mannschaft? Wie viele erkrankten an Skorbut?!“
„In der Tat, Sir, unsere Zeit wird knapp. Die Stimmung in der Mannschaft ist beschissen, wenn ich das so sagen darf…“
„Meine Herren, ich muss eine Entscheidung treffen – für das Schicksal dieses Schiffes, für unser aller Schicksal… Es bleiben uns zwei Möglichkeiten: Wir harren auf dem Schiff aus und beten zu Poseidon, er möge uns eine Brise schicken; oder wir steigen in die Ruderboote und legen uns in die Riemen…, bevor wir zu schwach dazu sind. Ich bitte um Ihre ehrliche Meinung.“
„Dürfen wir uns kurz zur Beratung zurückziehen, Sir?“
Der Kapitän nickt. Er selbst legt sich müde nieder und döst ein. Am späten Abend wacht er von lautem Gelächter und Gegröle auf… Das letzte Fass Rum – diese Saubande! schießt es ihm durch den Kopf. Doch der Ärger verfliegt schnell aus seinem Gesicht und weicht einem breiten Grinsen.
„Auf eine frische Brise!“ ruft er aus voller Kapitänsbrust und schenkt sich einen Single Malt ein…