Stippvisite

Die Hühner staunten nicht schlecht, als ich vor der Tür stand…
Ich hatte vorher einen Termin beim Frisör wahrgenommen, war kurz nach Hause gefahren, um die losen Härchen von der Rübe zu spülen. Fühle mich dann einfach wohler. Bei der Gelegenheit gleich noch ein oder zwei Gläser hinter die Binde geschüttet und dabei gebloggt. Nun aber auf, dachte ich beim Blick auf die Uhr. Ich wollte noch einkaufen und irgendwo ein Tagesabschluss-Bierchen trinken.
Ich saß bereits auf meinem Fahrrad, als ich merkte, dass etwas Entscheidendes fehlte: der Rucksack, den ich sonst am Rücken fühlte! Und im Rucksack waren Hausschlüssel, Geldbeutel und Smartphone… Seit ich solo bin, also seit gut zweieinhalb Jahren, warte ich darauf, dass ich mich aussperre. Jetzt war es passiert! Nur gut, dass ich vorgesorgt hatte…, und so stand ich plötzlich vor der Türe meiner Arbeitsstelle. Die Hühner machten große Augen ob meines unerwarteten Besuches (noch habe ich etwas Urlaub). Nach einer kurzen Erläuterung der Sachlage und ein paar netten Worten schnappte ich mir die im Büro deponierten Zweitschlüssel und entschwand so schnell, wie ich gekommen war. Uff!
Also zurück nach Hause, Rucksack aufgesetzt und weiter im Text.

 

 

Böser Zeh und mehr

Zurzeit habe ich einen bösen linken großen Zeh. Die Orthopädin, ein temperamentvolles Fass: „Dann zeigen sie mal her!“ Nach einer kurzen Begutachtung vermutete sie einen Gichtanfall. Ihre dürre Arzthelferin, mit der sie den Laden am späten Nachmittag alleine schmiss, röntgte den Zeh. Obwohl total unterschiedlich in Statur passten die zwei ganz gut zueinander – sie waren von der gleichen mürrisch-herzlichen Sorte. „Hast du meine Autoschlüssel gefunden?“ rief die Orthopädin, die ich mir gut als Landärztin vorstellen konnte, ihrer Helferin zu. „Nö, noch nicht“, schallte es zurück. „Oje,dann werden wir wohl mit der BVG fahren müssen…“
Schließlich erklärte sie mir nach Vorlage der Röntgenbilder, dass mein Zeh gebrochen sei und sich wohl um die Kalkablagerungen an der Bruchstelle ein Entzündungsherd gebildet hatte. Sie verschrieb mir ein entzündungshemmendes Schmerzmittel und empfahl mir kalte Umschläge. „Aber nicht mit Frotteetüchern“ fügte sie hinzu, „und am Montag rufen Sie mich an, zwischen 15 und 18 Uhr. „Okay“, sagte ich, bedankte mich artig und wünschte ihr ein schönes Wochenende.

Seit Tagen humple ich in Crocs durch die Gegend, weil ich den linken Fuß nur unter Schmerzen in einen normalen Schuh zwängen kann. „Man wird halt alt“, sagte ich einer Kollegin, um mein Humpeln zu erklären, „einem Zipperlein folgt das nächste.“
Ich war etwas angespannt, als ich nach dem Urlaub zurück ins Büro kam. Ob ich mich auch erholt habe, wurde hinter jeder Tür gefragt, und ich erzählte ein wenig von meiner Reise, die keine Erholung im eigentlichen Sinne war… und Blabla.
Nach der dreiwöchigen Pause fiel mir der Neustart in die Tumordokumentation ganz schön schwer. Mit was beschäftige ich mich hier nur? fragte ich mich, während ich am Schreibtisch meine Dinge ordnete und den Computer hochfuhr. Hinzu kam, dass ein paar Fehler aufgefallen waren, die ich offenbar gemacht hatte. Es ging um die Abrechnung der Meldevergütung. Die Fälle lagen allerdings lange zurück, so dass ich nicht mehr nachvollziehen konnte, warum mir dieser Lapsus passierte. Ich hörte mir geduldig die Erklärungen und Hinweise dazu an. „Schon möglich, dass ich ab und zu Mist baue“, sagte ich und guckte betreten…
Im Großen und Ganzen liefen die ersten Tage im Büro aber relativ entspannt. Eine neue Kollegin, die ich bereits aus der Fortbildung kannte, hatte während meiner Abwesenheit angefangen. Sie umarmte mich spontan zur Begrüßung. „Ach, ihr kennt euch?“ fragten die anderen erstaunt…, und das tat mir gut.