Jeder Tag eine Herausforderung

Jetzt, wo 8 Stunden Büro wegfallen, und ich den Großteil meiner Zeit zuhause verbringe, muss ich den Tagen ein bisschen Struktur verleihen und für Unterhaltung sorgen. Die Decke wird mir sowieso auf den Kopf fallen. Mal sehen, was sich da im TV anbietet…
An meinem Morgen-TV mit dem MOMA kann ich festhalten. Somit verpasse ich keine wesentlichen Neuigkeiten. Außerdem mag ich die MOMA-Truppe. Danach widme ich mich dem Bloggen. Ich gewöhnte mich an das morgendliche Schreiben. Wie heißt es doch so schön: Morgenstund hat Gold im Mund.
Im Laufe der Woche enteckte ich, dass vormittags „Magnum“ läuft, eine meiner Lieblingsdetektivserien aus den 80ern. Wenn ich also zwischendurch eine Schreibpause brauche, fläze ich mich auf die Couch und schaue mir eine Folge an: „Magnum“, 10 Uhr 25 bis 12 Uhr 10 auf NITRO (MO – FR). Dazu passend könnte ich meine 5 kg Hanteln bemühen oder Popo-Training machen: abwechselnd linke und rechte Pobacke anspannen, Tom Selleck mit seinem knackigen Hintern als Vorbild. (Hach! – das waren noch Zeiten!)
Danach zurück zum Computer und gucken, ob sich was tat: nix, oder so gut wie nix – na schön, ich kann ja auch mal die anderen Blogs besuchen… GÄHN! Um etwas gegen meinen Frust zu tun, schalte ich am frühen Nachmittag auf Pro 7: „Two and a Half Man“, 13 Uhr 35 bis 14 Uhr 25 (MO – FR). Unübertroffen diese Serie mit Charlie Sheen! Passend dazu Lach-Yoga, gut für die Ausstrahlung und die Gesichtsmuskulatur – einfach ganz unauffällig mit der Lachspur lachen.
Jetzt habe ich es schon fast bis 15 Uhr geschafft. Doch ich will nicht den ganzen Nachmittag auf der Couch herumgammeln. Irgendetwas in mir fordert mich auf, aktiv zu werden. Da war doch noch was… Genau! – Zähneputzen, Rasieren, Duschen!
Frisch, duftend und tatenkräftig komme ich aus dem Badezimmer: „Auf in den Tag!“ Ich habe nun genug Schwung für den Einkauf im Nahkauf um die Ecke. Gesagt, getan… Ich stehe schnell wieder an der Kasse. Genaugenommen bräuchte ich gar nichts, nicht mal Klopapier. Schon gar nicht Mehl ( – Was macht man damit eigentlich?). Aber gut, Wein und Bier kann nie schaden. Der Kassierer, er erinnert mich an Raimund Harmstorf, ist super nett. Während ich Wein und Bier einsacke, sinnieren wir über eine Mega-Party nach der Corona-Krise. Weil ich nicht so schnell zurück in meiner Bude sein will, lasse ich mich im Nelly-Sachs-Park auf einer Parkbank nieder und nuckele an einer Bierflasche Berliner Kindl.
Zurück in meinen vier Wänden, ist 16 Uhr. Was nun? Die Couch schaut mich an wie eine Frau, die Schenkel leicht gespreizt, mit halbgeöffnetem Mund mir eine Botschaft ohne Worte entgegenhauchend… Da kann Mann unmöglich widerstehen. Auf NITRO läuft „Baywatch“ (Hilfe!!). Ich will gleich weiterzappen, aber dann sehe ich mir diese Traumkörper an und schicke Intelligenz und Anspruchsdenken in die Wüste. Weiter geht`s mit dem Popo-Training: linke Pobacke, rechte Pobacke, linke Pobacke…
Ich schaue auf die Uhr und denke, dass ich jetzt, wäre es eine normale Woche, im Pub meinen Feierabend begießen würde, beziehungsweise das Wochenende, weil Freitag ist, was heißt, dass ich den Tag mal wieder fast geschafft habe, sogar die gesamte Woche. Wird Zeit, eine Kleinigkeit zu essen. Warum nicht Spinatnudeln…
Am liebsten esse ich im Bett und schaue mir dabei irgendeinen neuen Krimi aus der Mediathek an. Draußen dämmert es, ich lasse den Rollladen runter… Danach weiter mit Mythen Metzger auf YouTube mit seinen unheimlichen Gutenachtgeschichten. Ich wälze mich von der rechten auf die linke und zurück auf die rechte Seite. Es braucht eine Menge Stories über seltsame Artefakte, geheimnisvolle Orte, andere Dimensionen, Parallelwelten, Geistererscheinungen, rätselhafte Todes- und Vermisstenfälle …, bis mich der Schlaf holt.

Was wohl der nächste Tag bringen wird?

 

Filme, die das Leben dreht

Viele Erinnerungen an mein Leben wirken auf mich irreal, wenn sie vergangene Lebensphasen markieren: meine Jugend, die Schulzeit, die vielen Jahre in der Altenpflege (besonders als Nachtwache), die Zeit mit den damaligen Kumpels und Freunden, die alte Heimat, verlorene Lieben…
Ich erzähle von Ereignissen aus meiner Vergangenheit und mich überkommt ein seltsames Gefühl der Fremdheit. Von wem rede ich? Wer sitzt hier und plaudert z.B. von einer vergangenen Liebe? War das alles real? Natürlich zeugen alte Fotos, Postkarten, Briefe, Geschenke und andere Relikte, dass ich mir mein vergangenes Leben nicht nur einbilde. Ich frage mich aber, wo alles hin ist. Ich blicke in den Spiegel und sehe einen alternden Mann. Gestern war ich beim Frisör. Man sollte auf Wunsch den Spiegel verhängen dürfen. Aber gut, das Problem hatte ich schon als halbwegs attraktiver junger Mann. Darum existieren kaum Fotos von mir. Will mich jemand fotografieren, kann ich echt sauer werden! Alle meine Frauenbekanntschaften übers Internet begannen als Blinddate, jedenfalls für die Frauen. Sehr mutig von ihnen. Na gut, in der Hauptsache geht es ja in der Liebe um die inneren Werte… Hust!
Immer wenn ich in einer beziehungslosen Phase stecke, die sich länger hinzieht, kann ich irgendwann kaum noch glauben, dass ich mal echten Sex mit einer Frau hatte (und das sogar regelmäßig); und all das andere wie Zärtlichkeiten, romantische Stunden und gemeinsame Unternehmungen selbstverständlich zu meinem Leben gehörten. Es ist gerade so, als würde ich behaupten, dass ich vor ein paar Jahren noch Zirkusartist war… (Genau: Das würde ich mir selbst nicht abnehmen.)
Das Leben ist nicht wie ein Film, sondern wie viele Filme. Die können mal lustig und mal traurig, spannend oder langweilig sein. Gerade stecke in einem scheußlich langweiligen Film. Ich wünschte, ich könnte einfach in eine andere Filmaufführung wechseln.

 

 

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einige meiner Lieblingsfilme

 

Die Masslosen

Nach einer Woche mal wieder im Pup gewesen. Der Wirt saß bei einem Stammgast am Tisch und glotzte auf die Potsdamer Straße. Direkt vor seiner Türe waren Bauarbeiten im Gange. Sehr spannend. Ich saß an der Bar und guckte auch raus. Da gerade sonst niemand da war, machte ich ein Foto, aber nicht mit der Perspektive zur Straße hin, sondern nach hinten. Wozu eigentlich? Aus Langeweile wahrscheinlich. Und nun poste ich es hier auf dem Blog.

 

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Zeichen

Wenn man mich eines Tages hier rausträgt, hinterlasse ich wenigstens einen ordentlichen Eindruck. Ich will nicht tot in einer schmutzigen, zugemüllten Wohnung gefunden werden. Unangenehme Vorstellung. Nun ist mir schlecht vom Putzen. Für heute reicht`s. Ein scheiß Job. Ich denke an die vielen, für die Putzen den Brotverdienst bedeutet. Nicht Sport ist Mord, sondern Hausarbeit.
Ich reiße die Fenster auf und setze mich in den kühlen Luftzug. Dazu ein Drink, und mir geht`s langsam wieder besser. Von der Straße tönt die alltägliche Geschäftigkeit der Stadtbewohner zu mir herein. Ein schöner Novembertag grüßt.
Was bleibt mehr zu tun als die Instandhaltung und Verwaltung des Lebens? Die Freude auf das tägliche Feierabendbier, die Freude aufs Wochenende mit zweimal Ausschlafen und zwei Tagen, an denen ich nicht über den Tumorfällen brüten muss, die Freude auf den nächsten Urlaub und auf den nächsten Sommer… Ich blicke mich in meinen vier Wänden um. Mir gefällt, was ich sehe. Ich habe es mir schön gemacht. Ab und zu gönne ich mir eine kleine Freude in Form eines neuen Kleidungsstücks, eines Schmuckstücks oder eines Buches. Mir kam kürzlich ein Hörspiel von Günter Eich in den Sinn, welches ich vor vielen Jahren gehört und mich beeindruckt hatte. Keine Ahnung, warum ich mich daran erinnerte. Ein Akt der Langeweile oder ein Zeichen – wer weiß das schon? „Das Jahr Lazertis“ – leider fand ich keine Hörfassung im Internet. Bei der Recherche wurde mein Interesse am Autoren Günter Eich geweckt und ich beschloss, mir ein/zwei Bücher mit seinen Sachen zu bestellen. Ich bin gespannt.
Und was stellst du heute noch an, bro?
Gute Frage. Schätze, die übliche Runde. Vorerst noch `nen Drink. Ich warte auf ein Zeichen. Außerdem läuft die Waschmaschine noch.
Was für ein Zeichen?
Weiß nicht. Irgendein Impuls, eine Inspiration, ein glücklicher Zufall… etwas, das mich aus meiner Lethargie reißt.
Wird schon.
Klar.

Mittwochs-Mattheit

Da mir mit dem Älterwerden vieles zunehmend dumm und abgedroschen erscheint, entsteht die Herausforderung, einer geistigen Ermattung entgegenzuwirken. Ich beschloss: einmal nicht gegen den Weihnachtswahnsinn anreden, wo doch alles hinreichend gesagt ist – so auch bei anderen Themen, bevor man in dieselbe Leier wie immer verfällt.
Liebe Leute, ich kann euch gar nicht sagen, wie öde ich die ständigen Wiederholungen finde. Nicht die im TV, sondern die im Leben, in der Welt. Wie schön wäre es, eine unbeschriebene Seite aufzuschlagen, die verheißungsvoll neues verspräche…