Fuck! – There`s no spring on Mars

Eigentlich wollte ich die ganze Woche im Homeoffice verbringen. Doch als mich meine Bürokollegin am Dienstag anrief, um mir mitzuteilen, dass der Corona-Test des Kollegen negativ ausgefallen war, entschloss ich mich kurzerhand, zwei Bürotage einzuschieben. Ich brauchte dringend etwas Abwechslung, zumal ich auch das letzte Wochenende vorwiegend in den eigenen vier Wänden verbracht hatte. Ich kann ganz gut ein paar Tage lang alleine verbringen… aber alles hat seine Grenzen. Die zwei Tage Büro taten mir wirklich gut. Die Launen meiner Bürokollegin ertrug ich gelassen. Ich freute mich über jeden direkten verbalen Kontakt, über jeden Blickkontakt und jedes Lächeln. Und der Feierabend fühlte sich wieder nach Feierabend an.
Ich war regelrecht sozial ausgehungert nach sechs Tagen zuhause. Radio und Fernsehen halfen nur bedingt zur Ablenkung. Der direkte zwischenmenschliche Kontakt ist eben durch nichts zu ersetzen. Auch wenn die Fallzahlen weiter steigen werden, will ich nächste Woche wieder wenigstens zwei Tage ins Büro.
So hangele ich mich von Wochenende zu Wochenende. Die nun herbstliche Witterung macht das Ganze auch nicht gerade besser. Wärme, Sonnenlicht, die Aufenthalte in Park und Biergarten fehlen mir. Ich darf an die monatelange Durststrecke bis Frühling 2021 gar nicht denken. Aber okay, mir geht`s gut. Ich habe einen Arbeitsplatz, ein Dach überm Kopf, genug zu essen und trinken und Zentralheizung. Ich habe Computer, TV und Hi-Fi. Warme Socken und Pullover liegen im Schrank bereit. Ich stelle mir einfach vor, ich wäre auf einer Reise zum Mars, wobei ich es recht komfortabel hätte. Und wenn ich den Mars erreichte, wäre Frühling…


Ab an die Nordsee!

Den nettesten Kontakt hatte ich am Morgen meiner Weiterreise an die Nordsee auf dem Campingplatz bei Hamburg. Ich baute gerade das Zelt ab, als mich eine hübsche, junge Dänin ansprach. Sie interessierte sich für mein Fahrrad und meine Fahrradtour. Ihr Englisch war perfekt, meines dagegen weniger. Ich radebrechte mit meinen paar Vokabeln, die ich auf Abruf hatte, herum. Bestimmt wurde ich vor Verlegenheit rot wie eine Tomate. Am liebsten hätte ich das Zelt wiederaufgebaut und wäre noch eine Nacht geblieben. Aber wahrscheinlich war sie einfach eine nette, kontaktfreudige Person und ihr Freund wartete unweit auf sie mit den Worten: „Sag mal, musst du jeden anquatschen?“ Und sie: „Ach, ich fand den Typen irgendwie lustig…“

Hinter Hamburg ließ ich es ruhiger angehen. Ich war ja schon fast an meinem Reiseziel und hatte jede Menge Zeit. Zwei Tage sollte das schöne Reisewetter noch halten. Der Weg ging weiter die Elbe entlang mit einem größeren Schlenker nach Elmshorn, bis ich bereits am frühen Nachmittag auf dem Campingplatzt direkt am Elbdamm bei dem Örtchen Kollmar landete. Dort lungerte ich bis zum Abend am kleinen Hafen herum, wo einige Imbiss Wägen standen. Schließlich legte ich mich mit einer Flasche Roten an den Strand und genoss den Sonnenuntergang. Immer dabei die Geschichten von John Fante.
Am nächsten Tag wollte ich es endlich an die Nordseeküste schaffen. Glücksstadt hatte ich gleich im Sack. Danach vorbei am legendären KKW Brokdorf nach Brunsbüttel. Ich war bis dahin ganz gut unterwegs. Nach einer Mittagspause führte mich die Route ins Landesinnere über Michaelisdonn und Meldorf hin zu Büsum. Eine Ochsentour! Die Wege waren mies, und die Hitze wurde beinahe unerträglich. Ab Meldorf kam dann noch ordentlich Gegenwind von der See kommend hinzu. Ich fühlte mich auf den endlos wirkenden Wegen wie eine Schnecke. Doch ich hatte Büsum bereits im Blick… In Büsum blieb ich zwei Nächte. Ich musste mich dringend ein Wenig erholen. Die Unterlippe war aufgesprungen, die Nase verbrannt, dazu die wunden Stellen am Allerwertesten und eine allgemeine Erschöpfung… Leider schlug schon in der Nacht das Wetter um. Die Nordsee zeigte klare Kante mit einer Abkühlung, heftigem Wind und Regenschauern.