Einkauf +

Ich habe sie angesprochen! … Ohne mir davon etwas zu erhoffen. Es war (– wie soll ich sagen -) langsam Zeit geworden. Schließlich bin ich keine 15 mehr. Ich stand alleine an der Kasse. Niemand drängte nach. Sie zog meine Waren über den Scanner, und ich räumte sie ohne Eile zurück in den Einkaufskorb.
„Du hast eine Schwester hier…“
„Ja…“, lachte sie hinter ihrer Maske.  
„Ich kann euch nicht unterscheiden… im letzten Jahr war eine von euch schwanger.“
„Wir waren beide schwanger…“
„Echt?“ lachte ich hinter meiner Maske, „das ist ja ein Ding!“
Wir wechselten noch ein paar Worte. Allen ging es soweit gut. Das war die Hauptsache.
Mit guten Wünschen fürs Wochenende im Gepäck machte ich mich auf den Weg in den Park. Wie vom Wetterfrosch verkündet, waren die Temperaturen auf fast frühlingshafte Werte gestiegen. Ich suchte mir ein schönes Plätzchen, blinzelte in die Sonne, die noch recht niedrig stand. Um mich herum viele Menschen, Jung und Alt, die wie ich die Gunst der Stunde nutzten, von der Lebenslust zu kosten, die förmlich in der Luft lag…

 

Sandburgen, Löcher in die Luft gucken und hübsche Supermarktkassiererinnen

Mit Sonne, Schnee und Matschbirne ins Wochenende. Der Rollladen auf Halbmast. Zu viel Licht am frühen Morgen. Sieht so aus, als hätte ich einen toten Punkt erreicht. Es gibt Menschen, die sich mit Putzen und anderen Hausarbeiten ablenken können… Ich dagegen schaue Löcher in die Luft – Löcher in die Raumzeit… Löcher und Tunnel sind faszinierende Gebilde. Als Kind spielte ich viel im Sand. Ich schob den feuchten Sand zu einem großen Haufen zusammen, klopfte ihn mit Hand und Schaufel fest und machte mich ans Tunnelgraben, bis der Sandhaufen irgendwann wie ein Schweizer Käse aussah. Es war eine spannende Sache, wenn man aus entgegengesetzten Richtungen aufeinander zu buddelte…, und schließlich die letzte Sandbarriere zwischen den Löchern einbrach, unsere Finger sich berührten. Manchmal fiel dabei leider die ganze Sandburg in sich zusammen – ein Bild, das sich mir auch metaphorisch tief einprägte in Hinsicht auf das „Buddeln/Graben“ nach Erkenntnis und Wahrheit: Kaum war ich zum „Licht der Erkenntnis“ durchgebrochen, fiel alles in sich zusammen. Ich erhaschte nur einen minimal kurzen Blick auf die „andere Seite“… Immerhin – das Suchen bzw. Graben nach der „Wahrheit“ ließ mich nie los – und wenn ich nur Löcher in die Luft gucke.
Das El Dorado liegt nicht in der Außenwelt, es ist in uns selbst vergraben. Sisyphos rollt ewig Steine den Berg hoch, und ich werde ewig Löcher buddeln. So oder ähnlich. Auch wenn es Tage gibt, an denen ich mich unglaublich leer und matschig fühle…

Nicht so viel Pathos, old boy, am Ende glaubst du noch, was du da zusammenfabulierst. Greife dir ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank und denke an die hübsche Kassiererin im Supermarkt. Hat sie nicht ein bezauberndes Lächeln? … Ja, und auch sonst… Du wolltest doch heute einkaufen, oder nicht? … Dann setze halt die Sonnenbrille auf, wenn dich das Licht blendet. Mann o Mann! Mach hinne!

    

Vorgetankt

Diesmal war Mehl das Objekt der Begierde in dem kleinen Supermarkt am Bülowbogen. Die ansonsten nette und super geduldige Kassiererin wirkte gestresst. Denn auch die Mitnahme von Mehl ist rationiert, und sie musste die Einkäufer(innen) ständig darauf hinweisen und mit ihnen herumdiskutieren.
Ich hatte im Park am Gleisdreieck die Nase in die Sonne gestreckt. Eine Menge Menschen radelten, spazierten, joggten, skateten auf den Wegen oder saßen wie ich einfach irgendwo herum. Nicht immer habe ich Spaß daran, wenn mir Kiff-Geruch in die Nase steigt und dazu dumpfbackiger Rap-Gesang an meine Ohren dringt. Sowas stört mein inneres Gleichgewicht. Da half der Apfelwein, den ich dabeihatte, nur wenig. Ich zog mich in den nahen Biergarten zurück, aber dort hielt ich es auch nur ein Bier lang aus. Wenn mich erstmal der Schwarze Hund am Wickel hat, brauche ich entweder guten Sex oder zumindest eine gute Unterhaltung, um mich zurück ans Licht zu holen. Ich hatte also null Chance.
Immerhin tankte ich etwas Sonne vor. Heute grüßt ein trister Donnerstag durchs Fenster. Das Pub wird mir fehlen.