Der Kaiser ist nackt

Wenn ich wollte, dürfte ich in Berlin wieder in die Kneipen. Habe ich gegoogelt. (…) Mich kotzt diese Verordnungs-Willkür an! Nicht, dass ich nicht froh drum wäre, endlich wieder ein frisch gezapftes Bierchen an der Theke zu süffeln… Aber was hat das nun gebracht, meinesgleichen monatelang von der Gastronomie auszuschließen – glaubt wirklich irgendjemand, dass mit solcherlei Maßnahmen irgendwas für die Volksgesundheit erreicht wurde?! Spätestens nachdem bekannt war, dass die Impfung, lediglich einem schweren Krankheitsverlauf vorbeugen kann (wenn überhaupt), sich also Geimpfte auch anstecken können und das Virus an die Umwelt abgeben, hätte einem allein der gesunde Menschenverstand gebieten müssen, die gesellschaftliche Ächtung und Diskriminierung der Ungeimpften augenblicklich einzustellen. Doch das Narrativ des Sündenbocks ist so wunderbar bequem, selbst wenn die Erzählung immer absurder wird. (Gestern wie heute.) Darum klammern sich immer noch viele an die Impfpflicht. Sie sind selbst Teil ihrer Erzählung geworden, in die Rollen gepresst, die sie sich selbst zuwiesen. Sie können nicht zugeben, dass sie mit vielen Aussagen und Prognosen falsch lagen. Und es kommt noch dicker: Womöglich propagierten sie eine im Hauruckverfahren entwickelte Medizin, deren schädliche Nebenwirkungen unverhältnismäßig groß gegenüber des erwünschten positiven Effekts sind. Bevor sie also in die Defensive gedrängt werden, starten die Hardliner unter den Impfbefürwortern Ablenkungsmanöver nach dem Motto „Es kann nicht sein, was nicht sein darf“: Die Medizin könne man sich bedenkenlos reindrücken lassen und damit seine Solidarität bekunden. Die Impfung sei alternativlos! – Das Schreckgespenst des Corona-Virus wird aufrechtgehalten, indem man es in die Zukunft verortet. Die einzig wirksame Waffe dagegen ist und bleibt die Impfung… Ein Hurra auf die Gutmenschen in der Pharmaindustrie!
Noch immer werden Coronapolitik-kritische Stimmen geflissentlich ignoriert, selbst jene mit wissenschaftlicher Relevanz und Reputation. Noch immer wird vor Kritikern die Nase gerümpft, als seien sie Aussätzige.
Noch immer fehlt es an dem gemeinschaftlichen Aufruf in unserer Gesellschaft „Der Kaiser ist nackt!“.   

Es macht mich nicht glücklich, dass ich wieder in Kneipen gehen kann. Wir sind noch lange nicht über den Berg. Ich denke an meine alten Weggefährten in der Altenpflege, welche, falls ungeimpft, aufgrund der kürzlich eingeführten einrichtungsbezogenen Impfpflicht Kämpfe mit ihren Arbeitgebern und den Gesundheitsämtern ausfechten müssen. So kann man es den Leuten auch vermiesen, in diesem doch aufopferungsvollen Beruf tätig zu sein. Zudem wird noch mehr Politikverdrossenheit erzeugt – vorsichtig ausgedrückt.

Das alles ist doch Scheiße!

Schuld

Das Wochenende gut begonnen, indem ich mir Finger- und Fußnägel schnitt. Ich mache das immer fein mit der Nagelschere und nicht mit einem Nagelknipser. Trotzdem fällt bei der Prozedur schon mal ein Nagel zu Boden. Wo ist der nur wieder hin? Mit meinem Adlerblick suche ich den Boden ab. Nichts zu sehen. Dann streiche ich mit der flachen Hand über den Boden… und hab ihn! Aber nicht immer. Manchmal muss ich die Suche aufgeben. Fingernagel vermisst, irgendwo in der unendlichen Weite vor oder unter dem Schreibtisch. Es ist wirklich so, dass es Dinge gibt, die einfach so verschwinden, nicht nur kleine Dinge wie Fingernägel, Schrauben oder Unterlegscheiben von Schrauben. Seit einem Jahr vermisse ich eine Haushaltschere. Ich zweifelte bereits an meinem Verstand.
Ich denke besser nicht weiter drüber nach, was auf nicht nachvollziehbare Weise schon alles aus meinem Leben verschwand. Es ist nicht so sehr der Verlust, der mich nachhaltig wurmt, sondern dass ich nicht hinter das Verschwinden komme. Wieso? Habe ich nicht aufgepasst? War`s meine Schuld?
Womit ich endlich beim Thema dieses Beitrags wäre: Schuld. Ein sehr schweres Thema. Ich spüre, wie ich mich innerlich verkrampfe, wenn ich drüber nachdenke. Schuld. Besser noch einen Drink nehmen, bevor ich weiterschreibe…

Jegliches Sein lädt per se Schuld auf sich. Das Sein steht immer in Konkurrenz zum ihm umgebenden Sein. Sein gegen Sein. Aktion und Reaktion. Alle tragen wir ein Riesenpaket Schuld auf unseren Schultern, stehen unter einem permanentem Rechtfertigungsdruck. Ausnutzen tun dies diejenigen, die an der Macht sind. Sie liefern uns scheinheilig die Absolution, nach der wir lechzen. Dafür wollen sie lediglich unsere Seelen. Ein guter Deal für Menschen, die von der Seele wenig Ahnung haben. Sie tappen arglos in die Falle. Weltweit zu sehen. Religionen und Ideologien entstehen. Menschen wie du und ich erklären sich zu Moralwächtern über die gesamte Menschheit. Wir generieren eine Hitparade der Schuld. Diejenigen mit den besten Entschuldigungen stehen dabei besser da als die Menschen, die zu ihrer Schuld stehen.
Keine Seele ist ohne Schuld. Die Schuld verbindet uns mehr als alles andere auf der Welt. Es ist töricht, vor ihr wegzulaufen. Funktioniert sowieso nicht. Freilich können wir eine Mauer der Ignoranz und Selbstlüge errichten. Aber die hat ihren Preis…

Eines Tages wird die Menschheit von der Erde verschwunden sein. Die Sonne macht ein Nickerchen, wacht auf, reibt sich die Augen und denkt verwundert: Wo sind denn die Menschen hin? Wo sind diese wunderlichen Geschöpfe auf dem Planeten Erde geblieben? Bin ich etwa daran schuld?