Macht euch locker

Heute startet die so sehr in der öffentlichen Kritik stehende Fußball-WM in Katar.
Noch immer warte ich auf meinen normalerweise alljährlichen Katarrh der Atemwege. Den letzten hatte ich Ende 2019.
Ich werde mir bestimmt das ein oder andere Spiel der WM anschauen.

(Hatschiiiiiii! – Schneuz! – Ich schätze, das ist der Hausstaub… Entschuldigung.)

Wieso soll ich die WM durch Nichtgucken boykottieren? Viele reagieren meines Erachtens wie trotzige Kinder: „Gucke ich nicht! – Nein, ich gucke diese WM nicht!“ Der Suppenkasper lässt grüßen.
Wir Deutschen gefallen uns viel zu oft in der Rolle der Spaßbremse.  Okay, ich bin auch nicht gerade der große Gute-Laune-Verbreiter. Darum trinke ich gern Bier… um mich locker zu machen.
Nicht, dass ich was gegen moralische Einwände hätte. Aber: Schon vergessen, wohin Deutschland seine Waffen liefert? – Nur mal so als Nachdenkimpuls.

(Hatschiiiiiii! – Schneuz! – Ich schätze, das ist der Hausstaub… Enschuldigung.)

Unglaublich, was für ein Spaltpilz während der letzten Jahre um sich greift. Wir lassen uns in Geimpfte und Ungeimpfte spalten, in Richtigdenker und Querdenker, in Raucher und Nichtraucher, in verantwortlich Handelnde und Asoziale, in Ukrainefreunde und Russlandfreunde, in Weltretter und Klimaleugner, in WM-Boykotteure und WM-Gucker… und vieles mehr.
Macht euch mal locker, Leute. Ich beiße nicht. Ich bin ungeimpft, vor allem ungeimpft von Ideologie.

Wie ich zum Atheismus kam

Gott kam daher wie der Großvater von Heidi, also wie ein Bergbauer aus den Schweizer Alpen. Der Teufel erschien im Nadelstreifenanzug, sah aus wie geleckt. (Keine Frage, zu wem ich mich mehr hingezogen fühlte.)
Gott bot mir frische, saubere Luft und ein sagenhaftes Naturerlebnis. Der Teufel versprach mir viel Geld und sagenhaften Erfolg.
Dem Teufel ging ich zwar nicht auf den Leim, aber in den Schweizer Alpen landete ich auch nicht. Wie die meisten von uns lebe ich in einer Welt dazwischen.
Gott saß stoisch in seiner Berghütte, und ich wuchs in einem System auf, welches bereits vom Teufel infiltriert war… Weder die Welt Gottes, die einer Traumwelt über den Wolken gleichkommt, noch die Welt des Teufels mit ihrem überbordenden Materialismus und Konsum, ist mir geheuer.
Beelzebub hat die Menschheit eh im Sack. Der alte Bergbauer verkackte es, als er Adam und Eva aus dem Paradies schmiss.
Am Besten glaube ich an nichts. Gott und Teufel können mich mal kreuzweise. Beide überzeugen mich nicht, egal wie sie sich verkleiden, in welchen Religionen und Ideologien sie erscheinen. Ich kann auch ohne Indoktrination zwischen Gut und Böse unterscheiden.
Okay, es ist nicht immer einfach…

Frage

Menschen sind in ihren Selbsterwartungen gefangen: Gesundheit, gutes Aussehen, sich was leisten können, gut dastehen, glücklich sein… Eigenheim, Familie, Auto, Hund und Trallala.
Kommen diese Erwartungen wirklich originär aus ihnen selbst, oder wurden sie durch kulturelle/politische/gesellschaftliche Indoktrination quasi in die Seelen eingeimpft? Sind Menschen nur Gefäße, die mit jedwedem Scheiß, jeder Ideologie und Mode aufgefüllt werden können?


 

Sagen wollte ich noch

Als ich an der Absperrung stand, mein Bier trank und auf den Umzug wartete, durchströmte mich eine Welle des Stolzes, dass ich in einer solch aufgeschlossenen Stadt wie Berlin wohnte. Die Menschen (Jung und Alt), die beim CSD zusammenkamen, waren allesamt friedlich gesinnt und wollten nur eins: Für die Freie Liebe demonstrieren und Spaß haben. Nichts zu sehen von Rassisten, Nationalisten und anderem rückwärtsgewandtem Gesocks. Die hatten sich wahrscheinlich in ihre Mäuselöcher verkrochen oder betrachteten das Spektakel getarnt und kleinlaut vom Rande. Ich dachte bei mir: Bevor rechte oder islamistische Spinner in dieser Gesellschaft die Macht übernehmen, sind es die vielen toleranzgeprägten Menschen, die hier zusammenströmen, Schwule, Lesben, Transsexuelle… Mag sein, etwas zu viel Karneval, und die scheiß Technomusik ist auch nicht meins, aber was zählt, ist der weltoffene Geist dabei. Bei aller Kritik an dem oberflächlichen Gehabe meiner Mitmenschen, finde ich solche Events doch gut, weil sie für mehr Toleranz und Frieden werben. Ich halte es nur nicht lange im Getümmel aus. Egal ob mit oder ohne Bierbetäubung. Und auf Pillen stehe ich nicht.
War jedenfalls schön zu sehen, dass dieser Gesellschaft noch lange nicht der Sumpf rechter Ideologie droht – auch wenn einem bei manchen Nachrichten angst und bange werden kann. In Berlin jedenfalls ist Interkulturalität Programm. Und wem das nicht passt, der kann ja nach Hinterfurzingen ziehen*.

 

*frei nach Donald Trump