Es war schön

Jeder kennt die Phase, wenn man morgens aufwacht aber noch ein Weilchen vor sich hindöst. Besonders an Wochenenden, weil einen niemand drängt. So ging es mir heute Morgen – ich schloss nochmal meine verschlafenen Äuglein und befand mich alsbald in der Schwebe zwischen Schlaf und Wachsein. Mal tendierte ich mehr hin zum Wachsein und blinzelte ins Zimmer, mal driftete ich in Fantasien und Traumbilder ab, die ich aber bewusster wahrnahm als gemeinhin die Träume des REM-Schlafes.
… eine Frau hatte gerade ein Kind entbunden. Die Hebamme teilte ihr mit, dass es ein Junge sei, worauf die junge Mutter bitterlich weinte. Bestimmt hatte sie sich ein Mädchen gewünscht. Da ich fast wach war, ließ ich die Hebamme sagen: „Ein Junge, ja, aber an dem ist alles dran!“ Sie hob den nackten Wonneproppen in die Höhe, und die Mutter lächelte unter Tränen. Dann wickelte die Hebamme das Neugeborene in ein Tuch und reichte es mir. Unsicher, fast zittrig nahm ich das Bündel entgegen und schaute in das kleine Gesicht. Seine Augen hielt es zugekniffen. Ich war wie gelähmt von dem Anblick. Ich umfasste 9 Pfund frischgeborenes Menschenleben mit meinen Händen… Schließlich küsste ich sanft die Stirn des kleinen Wesens und sagte in zärtlicher Zugewandtheit: „Na, wer bist du denn?“

So erlaubte ich mir heute in der Früh in einer Phase zwischen Schlaf und Wachsein, bei meiner eigenen Geburt dabei zu sein. Schön war`s. Auch wenn sich in der Realität bestimmt alles ganz anders abgespielt hatte.