Ich finde mich kacke

O Mann! Es gibt nichts schönzureden. Kurzentschlossen nahm ich die Haarschneidemaschine aus ihrem Futteral und machte, was längst überfällig war. Besser wie ein kurzgeschorener Idiot aussehen als wie ein Zausel. Mit dem Trost in der Hinterhand: Sie wachsen wieder. Und ich muss ja nicht so oft in den Spiegel schauen… Vielleicht sollte ich erstmal ausschließlich Homeoffice machen.
Anfühlen tut sich mein kurzgeschorenes Haar schön flauschig… Ich streiche mir mehrmals mit der Hand über den Kopf. Angenehme sinnliche Erfahrungen sind für einen Alleinlebenden immens wichtig: zärtliche Selbstberührungen oder sich selbst tätscheln.

Die Morgensonne lacht. Irritiert blinzele ich in den Tag. Vom Schnee sind auf der Straße nur noch krustige, schmutzige Inselchen übrig. Der Himmel tiefblau über Berlin…

  

De Bärn is g`schält

UFF! Die Maschine funktionierte meines Erachtens ganz gut. Allerdings fehlen mir die Vergleichswerte. Das letzte Mal, dass ich mir selbst an den Haarschopf ging, liegt viele Jahre zurück. Bei kurzen Haaren geht`s auch mal ohne Frisör. Etwas Sorge hatte ich aber schon, als ich loslegte. Was, wenn der Haarschneider mittendrin den Geist aufgibt? Oder ich mich in einem Anfall von Blödsinnigkeit mit dem Längenaufsatz vertue? Drum machte ich es lieber gleich heute Morgen nüchterner weise.

Gerade lugt die Sonne hervor. Bestimmt wurde sie neugierig und will kurz mal einen Blick auf meine Kopfmatte werfen… Und? – Sie grinst.
Gestern Nachmittag wurden die Wolkenlöcher immer rarer. Der Paketbote kam erst gegen Drei, und danach schiffte es ziemlich lange. War nichts mehr mit Park. Aprilwetter. Auch heute. Ich erwarte nicht viel vom Tag. Die Waschmaschine läuft. Der ganz normale Sonntagsblues. Yeah!

 

Warten auf die Haarschneidemaschine

Geil, dass heute erst Samstag ist. Mein Weinvorrat ist aufgebraucht. Man(n) kann ja nicht nur Bier trinken. Wenn das Wetter so bleibt, werde ich den Einkauf mit einem sonnigen Stündchen im Park verbinden. Vielleicht ist der alte Herr Flaschensammler auch wieder vor Ort. Ich mag ihn. Er hat Stil, immer ordentlich gekleidet und höflich. Ich schätze ihn auf (mindestens) Mitte Sechzig. Ich möchte ihm was zustecken, – womit ich hoffentlich nicht seinen Stolz verletze.
Vorerst harre ich allerdings zuhause aus und warte auf die Haarschneidemaschine. DHL kündigte die heutige Lieferung an. Mal sehen, ob ich dieses Wochenende den Mut aufbringe, damit das fahle Gemüse auf meinem Kopf zurechtzustutzen. Und nein, ist nicht das erste Mal, dass ich es mir selbst mache…
Sonst gibt`s eigentlich nichts Neues von meinem Corona-Frontabschnitt. Keine Ahnung, wo die Einschläge sind. Im Radio höre ich, dass es auf einen monatelangen Stellungskrieg rausläuft. Weiß der Teufel, was sich die Politik dabei denkt. Egal. Ich konnte es mit mir schon immer gut aushalten. Dann und wann in netter Gesellschaft hat freilich auch seinen Reiz, insbesondere seit den Tagen, als ich die Frauen entdeckte.
Auf die Frauen!
Und hoffentlich taucht der DHL-Bote nicht erst am Nachmittag auf…