Bald sind die Haare wieder dran

Ich denke, dass ich nochmal selbst die Haarschneidemaschine bemühe. Ich mochte es noch nie, dass man bei den meisten Frisören einen Termin braucht. Jahrelang ließ ich mir darum bei einem Bahnhofsfrisör (in Heidelberg) die Kopfflusen schneiden. Ich setzte mich an die Bar im Restaurant gegenüber und konnte von dort sehen, wann ich an der Reihe wäre. Schon damals bevorzugte ich eine Kurzhaarfrisur. Es ging ratzfatz, und ich konnte wieder zu meinem Bier zurückkehren.
Ich mag es schnell und unkompliziert. Dasselbe gilt für Arztbesuche, Supermärkte… allgemein das Einkaufen. Ich verbinde solche mir eher lästigen Tätigkeiten normalerweise mit einem Kneipenbesuch. Erst die Arbeit (oder das Unangenehme), dann das Vergnügen. Derzeit fällt leider das Vergnügen bzw. das Angenehme seit Monaten total aus. Ich muss mich zwangsweise zuhause selbstvergnügen.
Okay, nur nicht jammern, wenn es einem im Großen und Ganzen doch gut geht. So wurden wir erzogen. Auch meine Ex-Partnerin war so drauf. Kaum, dass ich mal mein inneres Weh/Leid klagte, hieß es: „Jammere nicht so viel.“ – Als ob ich immer nur am Rumjammern wäre (Oder mache ich das tatsächlich?). Ist ja nicht so, dass ich mich nicht zuhause selbstvergnügen könnte. Jedenfalls, solange ich zwei gesunde Hände habe… und mir das Bier selbst einschenken kann.

In diesem Sinne – Prost!


Es wird haarig

Nun mussten auch die Frisöre schließen. Das ist dumm, denn meine Haare befinden sich inzwischen in der kritischen Länge, wo ich sie normalerweise schneiden lasse. Mal sehen, wie lange meine Haare im Zuge der Corona-Krise werden. Am Ende sehe ich aus wie ein Alt-Freak und kann mir die Haare zum Pferdeschwanz zusammenbinden. Freilich, wenn`s mir zu ungemütlich unter meiner Mähne wird, habe ich notfalls den elektrischen Haarschneider. Aber erstmal wachsen lassen.

Die zweite Woche zuhause beginnt. Mich würde interessieren, wie`s inzwischen im Büro aussieht. Hätte ich WhatsApp, könnte ich mich problemlos mit den Hühnern unterhalten. Ich könnte auch anrufen, aber dann habe ich vielleicht eine Person am Apparat, mit der ich gerade nicht quatschen möchte. Bestimmt würde ich informiert werden, wenn der Laden für eine Weile ganz zumachte, also gehe ich davon aus, dass noch ein paar die Stellung halten.

Das Wetter wie gestern. Ein herrlicher Sonnentag, allerdings recht kalt. Am Nachmittag werde ich nach dem Einkauf bestimmt eine Stippvisite im Park einlegen. Wenn ich die ab heute geltende „Kontaktsperre“ richtig interpretiere, kann ich gar nichts falsch machen. Sitze eh irgendwo alleine rum und schaue dumm…

Tatsächlich habe ich soeben den Boden in Flur und Küche gewischt. Und die Waschmaschine läuft mit den eingestaubten Läufern. Was soll man sonst auch den lieben Tag lang machen? Nur Glotze oder Computer, da wird man doch kirre… Mal sehen, ob ich nach und nach die gesamte Wohnung geputzt kriege. Jeden Tag eine andere Ecke – nur nicht übertreiben.

2020 wird wohl ganz und gar im Zeichen der Pandemie stehen. Bei allen furchtbaren Nachrichten und Einschränkungen auch eine spannende Zeit und eine Herausforderung. Hauptsache Ruhe bewahren. Lebbe geht weiter*.

 

 

* berühmter Ausspruch von Dragoslav Stepanovic