Der Tag wird kommen

Nachdem wir unzählige Weltuntergänge verpassten, wird ein Tag kommen, an dem es wirklich so weit ist. Ebenso wie der individuelle Tod eines jeden Lebewesens von Stunde zu Stunde näher rückt – die Sanduhr des Lebens läuft unweigerlich ab. (Wer versteht den Sinn dahinter?) Die Menschen flüchten in Religion und Ideen. Pflanzen und Tiere suchen nicht nach einem Sinn. Das Muster ist immer dasselbe: Geburt – Wachstum – Reife – Fortpflanzung – Vergehen. Evolution durch Rivalität, Auslese, Überlebenskampf, Anpassung. Die Natur braucht keine ordnende Hand – sie trägt alles in sich. Die Natur braucht keine Gesetze und keine Moral. Sie existiert selbstverständlich.
Nur wir Menschen entwickelten unsere ganz eigenen Ideen, durchschnitten die Nabelschnur zu unserer Allmutter. Wir entwickelten Sprache, Bewusstsein, Geist, Technik… Und da gibt es die einen, die Bewusstsein und Geist als ein Geschenk ansehen, in Frieden mit sich und ihrer Umwelt leben wollen; und es gibt die anderen, die in ihrem Größenwahn Kriege gegen die Natur und gegen sich selbst führen. Deren Gier kennt keine Grenzen. Sie glauben, dass sie alles beherrschen können. Dieser Menschenschlag hat sich im Zeitalter des Materialismus und Kapitalismus durchgesetzt.
Der Wahnsinnige wird sein Ende finden wie alles andere auch. Aber mit dem Unterschied, dass der Wahnsinnige in Unfrieden und Unverstand auf sein Ende zusteuert. Dass er zuvor die Hölle auf Erden erzeugt.

   

Wat mutt, dat mutt

Am Ende der Straße ist eine Großbaustelle, d.h. da entsteht ein großes mehrgeschossiges Gebäude am Rande des Parkes am Gleisdreieck. LKWs rumpeln wie an einer Perlenschnur über das Kopfsteinpflaster. Gebaut wurde während der gesamten Corona-Zeit. Wahrscheinlich systemrelevant das Baugeschäft. Schon allein wegen der vielen Schwarzarbeiter… Die armen Schweine müssen beschäftigt werden. Abstandsregeln? Mundschutz? Pustekuchen.
Wat mutt, dat mutt, sagen sich die Stadtoberen. Und darum kontrolliert dort tunlichst keine Behörde. Die Gier beugt sich das Recht zurecht. Bürger Klein Doof hat genug mit sich selbst zu tun und ist längst abgestumpft, was die regelmäßig aufgedeckten Skandale angeht. Nach einem kurzen Rauschen im Schmierblätterwald geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Trotzdem sorgen solche Skandale wenigstens für ein bisschen Abwechslung. Bürger Klein Doof fühlt sich bestätigt: „Ich hab`s dir ja gesagt, die sind alle korrupt.“ Oder: „Was glaubst du denn, was in der Wurst drin ist?“
Bürger Klein Doof wird mit der Zeit richtig heiß auf Skandale: „Ein Skandal, dass schon seit Monaten kein Skandal mehr aufgedeckt wurde! Was ist los mit der journalistischen Zunft? Haben alle keinen Arsch in der Hose!“
Ich lasse meine Gedanken schweifen… Ein großer dicker Mann mit einem kleinen Hund an der Leine überquert die Straße zwischen zwei LKWs. Die Sonne scheint auf das grüne Blattwerk der Stadtbäume. Bürger Klein Doof liest an seinem Computer die neuesten Nachrichten. „Ist doch alles Scheiße“, sagt er vor sich hin und ruft seine Lieblingspornoseite auf.

 

Frühlingsanfang unter dem Zeichen des Virus

Zum ersten Mal seit der Schließung am Pub vorbeigekommen. Vielleicht hoffte ich auf ein Wunder.

img_20200319_162559

na denn, Prost!

Dann wie immer kurz eingekauft. Diesmal im größeren REWE. Die Kassierer(innen) drehen langsam am Rad. Manche auch mit einer Portion Sarkasmus. Ständig die Zurechtweisungen, beim Anstehen zum Vordermann/zur Vorderfrau Abstand zu halten. Einen Respektsabstand halte ich sowieso zu meinen Mitmenschen, egal ob in der Warteschlange oder sonst wo. Aber es gibt eben auch die Zombiemenschen, die in ihrer Gier und Idiotie alle Hemmungen fallen lassen. Mir fallen dazu Bilder von den Schlussverkäufen oder Black Friday ein…, und genau diese Leute sind eben auch in den heutigen kritischen Zeiten besonders rücksichtslos. Nur nicht von deren Verhalten anstecken lassen!
Inzwischen sieht es danach aus, dass als weitere Maßnahme eine Ausgangssperre unumgänglich ist. Fragt sich nur, wann. Aus Norditalien gruselige Nachrichten gehört. Trotz der bereits seit etlichen Tagen bestehenden Ausgangssperre schlägt dort Covid-19 gnadenlos zu. Sehr viele Tote sind zu beklagen.
Ach ja, heute astronomischer Frühlingsanfang. Allerdings wird`s erstmal kalt, sagt Donald, der Wetterfrosch im MOMA. Leicht bedrückt sitze ich in meinen vier Wänden und harre der Dinge, die da kommen.