Blablabla

Was ich witzig an Löws Analyse zum desolaten Abschneiden der deutschen Mannschaft bei der Fußball WM 2018 finde, ist, dass ich auf die Grundaussagen, die er aktuell traf, als relativer Fußball Laie bereits kam, als die Deutschen noch im Turnier waren. Nichts als Blablabla von ihm.
Okay, wenigstens angestrengt haben sie sich gestern gegen den Weltmeister Frankreich. Sollte eigentlich selbstverständlich sein, bei dem horrenden Salär, das die Fußball Stars erhalten.
Stimmt, Fußball interessiert mich gar nicht besonders. Aber ich sehe doch einiges, was sich prima auf andere Gesellschaftsbereiche übertragen lässt. Ich schaue mir den Käse an, weil er exemplarisch für die gesamte Schieflage in unserer Republik ist (und weil ich nichts besseres zu tun habe). Ich meine nicht nur die Schieflage, dass das Geld stets hin zu den Reichen fließt, und die Armen weiter ausgebeutet werden. Was mir ebenso bitter aufstößt, sind diese blöden Analysen und Sprüche, die von den Verantwortlichen abgesondert werden – das ganze Blablabla. Niemand redet mal Tacheles, weil ein jeder an seinem Pöstchen klebt. Unsere Bundeskanzlerin ist darin Spitzenreiterin. Aber die anderen Politiker liefern auch jede Menge Verdummungsgeschwätz ab. Bestimmt glauben viele selbst dran, was sie da an Blablabla unters Volk bringen. Sie müssen dran glauben, oder sie gehen seelisch vor die Hunde. Ich gehe halt mal davon aus, dass jeder Mensch eine Seele hat, selbst Politiker, Funktionäre und Banker.
Der Jogi kommt ja bei vielen gut an, besonders bei Frauen. Kann mir mal jemand verraten, warum? (Ist es sein Dackelblick?)
Auch die Merkel hat einen Schlag bei… ich weiß nicht. Ich weiß es nicht. Bei wem nur??
Nun lief mal wieder ein Aufschrei durch die Republik, als sich in Chemnitz der Mob sammelte und von extrem Rechten und Neonazis angeführt seinen Ausländerhass herausschrie. Anlass war ein Tötungsdelikt am Rande eines Stadtfestes. Als Täter wurden Ausländer verdächtigt. Kann ja sein. Jeden Tag passieren in Deutschland abscheuliche Verbrechen von Einheimischen und eben auch von Ausländern. Der Mob zog also unter dem Deckmantel eines Trauermarsches durch Chemnitz und betrieb Hetze gegen Ausländer, verbal und… Ich war nicht dabei und weiß nicht, ob es zu regelrechten Hetzjagden gegen fremdländisch aussehende Mitbürger kam. Aber ich kann mir vorstellen, dass der Schritt dahin nur ein kleiner war. Immer mehr Stimmen machen sich breit, die sagen, dass es keine Hetzjagden gab. Dann vielleicht das nächste Mal? frage ich mich. Und was höre ich dazu über die Medien, in TV-Diskussionen etc.? Blablabla. Für mich ist schon lange klar, dass es in Deutschland eine latente Fremdenfeindlichkeit gepaart mit Rassismus und Antisemitismus gibt. Das ist keine fuckin` neue Erscheinung. Dieses krude rechte Gedankengut war zu allen Zeiten auch in der Mitte der Gesellschaft vertreten – man musste bei der ein oder anderen Stammtischdiskussion nur mal genau hinhören. AfD und Pegida schöpfen lediglich aus einem bereits vorhandenen Potential. Und im Osten haben sie aufgrund des dort teilweise immer noch vorherrschenden Minderwertigkeitskomplexes am meisten Erfolg.
Eigentlich sind die Zusammenhänge ganz einfach. Dazu muss man keine Experten und (fragwürdigen) Statistiken bemühen. Man muss sich dort, wo man lebt, nur mal umgucken… Die Hässlichkeit vieler menschlichen Umtriebe springt jedenfalls mir direkt ins Auge. Ich mache da keine Unterschiede zwischen rechts oder links, zwischen Deutschen und Ausländern. Wenn ich nur mal hier in Berlin die Machenschaften der arabischen Clans betrachte, wird mir ganz anders… Aber deswegen empfinde ich nicht automatisch eine Abneigung gegen alle Ausländer, Migranten oder Flüchtlinge.
Oder um auf den Fußball zurückzukommen: Wenn ein Spieler mit ausländischer Herkunft ein Tor schießt, ist er verdammt schnell integriert. Auf der anderen Seite: Wenn ein gut integrierter Ausländer auf dem Platz versagt, ergießt sich verbal-rassistische Hetze über ihn. So einfach sind wir Menschen gestrickt. Nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt.

Nicht von dieser Welt

Wie ein Tiger im Käfig wandere ich zwischen dem Kochtopf mit den Pellkartoffeln und der Staffelei hin und her. Zwischendurch beantworte ich ein paar Blog-Kommentare. Ich kriegte gar nicht mit, dass die Waschmaschine inzwischen ihre Arbeit beendete. Schön, dann kann ich die Wäsche aufhängen. Aber erst die Pellkartoffeln von der Herdplatte nehmen und das Wasser abgießen. Dann zurück zur Staffelei und ein paar Pinselstriche. Keine neuerlichen Antworten auf den Blogs. Das Bloggen sollte nicht in Stress ausarten. Wie sieht`s eigentlich draußen aus? Gar nicht so übel, soweit ich es überschauen kann. Der grüne Ferrari steht etwas abseits. Ich erblicke ihn gerade noch aus dem Augenwinkel. Parkplätze sind rar. Keine Ahnung, warum er sich nicht einfach wie sonst auf dem Gehsteig vor meinem Fenster platzierte. Wahrscheinlich macht er das nur, wenn sonst nichts frei ist. Klar! Meinen hellsten Verstand habe ich heute nicht gerade eingeschaltet. Muss auch nicht immer sein. Wenn ich nur mal an diese Fußball-Geschichte denke. Echt anstrengend für die paar grauen Zellen, die mir noch verblieben. Bin ich ein Nationalist, wenn ich mir im Rahmen einer Weltmeisterschaft wünsche, dass die Deutschen siegen? Scheiße – mit dieser Frage habe ich mir ein Ei gelegt. Dazu müsste man erstmal die Geschichte und die Ausprägungen von Nationalismus erörtern. Wo kommt er her, und wo geht er hin? Von mir aus könnte er aus der Welt verschwinden, aber das ist utopisch. So utopisch wie…, dass nächste Woche eine Alien-Delegation bei mir vorbeischaut. Ich stelle mir das so vor:
Es ist Montag früh, so gegen Fünf, ich sitze am Computer, da klingelt es plötzlich. Wahnsinn, die Aliens entdeckten mich! schießt es mir in den Kopf. Ich mache ihnen auf, und sie lassen sich nicht lange bitten, fläzten sich aufs Sofa. Es sind drei. Kein Problem zu erkennen, dass sie nicht von dieser Welt sind. Der in der Mitte quatscht mich an. Erst auf Chinesisch, aber er merkt schnell, dass die Voreinstellung seines Übersetzungsprogramms falsch war und korrigiert es.
„Hast du noch von deinen Pellkartoffeln?“, fragt er. Er wählte die Stimme von Martin Semmelrogge.
„Klar Mann“, antworte ich, „ich habe die eineinhalb Kilo gestern nicht ganz geschafft. Wohl hungrig nach der langen Reise?“
Original Gelächter von Seiten der Aliens auf dem Sofa. Es hört sich in etwa so an, wie wenn ich furze. Ich nippe an meinem morgendlichen Longdrink und bin mir nicht mehr sicher, ob ich über ihre Gesellschaft glücklich sein soll. Ich träumte schon immer von einer Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit. Die Menschheit kann doch nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten. Irgendwo in den unendlichen Weiten des Alls muss es Intelligenzen geben, die alles aus einem anderem Blickwinkel betrachten, die Wirklichkeit ganz anders erfassen…
Vielleicht funktioniert ihr Raumschiff mittels Pellkartoffeln.
Während ich meinen Gedanken nachhänge, steht der Mittlere auf und geht zum Pellkartoffeltopf.
„Deine Kartoffeln bringen`s nicht! Abmarsch Leute!“ tönt die Stimme von Martin Semmelrogge aus der Küche. „Hey, wartet doch mal… Ich hätte da ein paar Fragen!“ rufe ich ihnen nach, aber ich sehe sie nur noch von hinten. Also renne ich zum Fenster. Tatsächlich steigen sie in den grünen Ferrari und heben ab! Mann o Mann! Das ist der Hit!

Nein, außer mir will niemand meine Pellkartoffeln, nicht mal Aliens. Gut, dann habe ich sie wenigstens für mich allein. Sie sollten drei Tage reichen. Was macht man mit einem angebrochenen Sonntag? Über Nationalismus nachdenken? Scheiße, da sollte es doch besseres geben.

Rührei in der Mikrowelle

Man kann eine Menge machen im Leben, z.B. Rührei in der Mikrowelle. Da unser Büro unweit der Kaffeeküche liegt, kriege ich solcherlei Ereignisse am Rande mit. Der junge Kollege mit den strahlenden Augen erklärt das Rezept. Er ist ein großer schlaksiger Kerl, ein echter Sonnenschein mit tiefer sonorer Stimme. Regelmäßig veranlasst er die Hühner zu Lachtiraden. Alle mögen ihn. Er gehört zu den Menschen, denen man schwer was krummnehmen kann. Wenn er die nötige Kohle hätte, würde er ein Fitnessstudio aufmachen, erzählte er, das sei sein Traum. Wenigstens hat er einen Traum…, dachte ich bei mir, – beneidenswert. Was man nicht alles macht. Vor ein paar Jahren hatte ich null Ahnung von Tumordokumentation, und nun verbringe ich wöchentlich 40 Stunden damit. Hätte ich wie mein junger Kollege einen Traum, würde es mir vielleicht nicht so schwerfallen. Wirklich, ich kann mir keinen Traumjob vorstellen. Mein beruflicher Ehrgeiz hält sich somit stark in Grenzen. Immerhin mache ich mit der Tumordokumentation was halbwegs Sinnvolles. Oder? Meiner Kollegin und mir kommt es immer häufiger so vor, als ob wir ohne Sinn und Verstand die Daten ins Dokumentationssystem kloppen. Das zugrundeliegende Konzept erscheint mir verworren und unzureichend durchdacht. Politischer Aktionismus? Mehr Schein als Sein? Hat überhaupt jemand den Durchblick – Krankenkassen, Ärztekammer, Senat? Die Onkologischen Zentren? – Unglaublich, wie viele Organisationen und Parteien involviert sind. Man kann nur hoffen, dass in den Leitungsebenen sehr gescheite Köpfe sitzen. Unsere Arbeit wird schon von Nutzen sein, sonst würde doch nicht solch ein Aufwand betrieben werden…
Das Wochenende steht wie immer im Zeichen des Blues. Jetzt nicht mehr über den Job nachdenken. Morgen geht`s bereits wieder ran an die Buletten. Tausende Tumorfälle warten in den Stahlschränken.

Die Fußball WM lief an. Heute Deutschland gegen Mexiko. Der Fußball bedeutet etwas Ablenkung – von der Arbeit, vom Schwarzen Hund, von allem. Ich glaube, es geht nicht nur mir so. Die Kneipen und Pubs voller Leute. Und ich mittendrin. Mal sehen, – weil zu voll mag ich es nicht. Vielleicht besser im Biergarten. Dort bauten sie eine Leinwand auf. Das Wetter scheint auch zu passen. Nur kein Stress. Notfalls schaue ich mir das Drama zuhause auf der Couch an. Nach den jüngst abgelieferten Leistungen der Deutschen Mannschaft bei den zwei Testspielen, bin ich einigermaßen besorgt. Ein Tipp fällt mir schwer. Aber Löw wird schon wissen, was er tut. Oder? Wie stark ist Mexiko? Das Ballspiel hat dort eine lange Tradition… noch aus Zeiten der Mayas. Aber natürlich hat der moderne Fußball mit den damaligen Bräuchen gar nichts zu tun. Heute steht der Spaß im Vordergrund. Na ja, und das Geld. Bei solch internationalen Turnieren auch Völkerverständigung. Ein Spiel erobert für vier Wochen die Welt. Selbst der ein oder andere Fußballignorant wird von der Stimmung mitgerissen. Das rätselhafte Wesen Mensch findet sich affenmäßig zusammen, um auf einen Bildschirm zu glotzen, wo zwei Mannschaften auf einem Spielfeld 90 Minuten lang einem Ball nachjagen, welchen sie nach gewissen Regeln in den Kasten des Gegners befördern müssen. Oder so ähnlich. Was man nicht alles macht. Mehr oder weniger leidenschaftlich. Wie Rührei in der Mikrowelle…

Der Hammer!

Anpfiff 20 Uhr 45. Das Kneipenevent des Tages. Bayern München kickt im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid. Also haltet bis dahin den Ball flach, Männer, nicht dass ihr bereits vorher breit seid…, heute am 1. Mai.
Die Königlichen im Duell mit den Bayern, deren Tugend auch nicht gerade Bescheidenheit ist. Da sie das erste Spiel vergeigten, sind die Bayern in Zugzwang. Und das nicht in der heimischen Allianz Arena*, sondern im Santiago-Bernabéu-Stadion in Madrid.
Ich denke, dass Ronaldo & Co die Bayern schlagen. Wäre es nicht wunderbar, die betretenen Gesichter von Hoeneß und Rummenigge auf der Tribüne zu sichten? Sind doch arrogante Wichser allesamt… Freilich, dieser Ronaldo hat auch nicht alle Tassen im Schrank, und dazu diese Romika-Fresse – reintreten und wohlfühlen! Trotzdem, er ist ein Original, ein Alien, ein erwachsenes Kind, ein Floh im Bart Gottes, – geradewegs einem Comic entsprungen… Ich könnte mit ihm klarkommen, wenn er mir ein paar Millionen seines Vermögens überließe. Har-har-har.
Ronaldo, du Hengst, ziehe den Bayern die Lederhosen aus! Du schaffst das. Ganz allein! Und danach reißt du dir dein T-Shirt vom Leib und zeigst uns bierbauchigen, degenerierten Säufern in Berlin und sonst wo auf der Welt, wo der Hammer hängt. Jawohl-ja!

Verpasst auf keinen Fall dieses Hammerspiel! Haltet durch.

 

* Scheiße nochmal, wie kann man ein Fußballstadion nur nach einer Versicherung benennen?