Es war gestern und ist doch heute (7)

Fuck! Und wieder geht es zurück in die Monsterburg. Wir Menschen sind nicht die schlimmsten Raubtiere auf der Erde – sondern Monster! Jawohl! Durch die Bank! Vom ersten Geburtsschrei bis zum Greisenalter und den letzten Atemzügen … Vor allem hasse ich dieses um sich greifende Selbstmitleid der Gebrechlichen und Hilfsbedürftigen. Es kotzt mich an, dass sie mir immer und immer wieder sagen, wie schlecht es ihnen geht, und dass sie sterben wollen – und warum Gott sie nicht endlich erlöst! In jedem verdammten Zimmer erwartet mich eine Litanei von Einsamkeit, Ohnmacht und Angst. Klar, es gibt graduelle Unterschiede …, und es gibt sogar nette Begegnungen. Nicht alles ist so furchtbar, wie ich es gerade darstelle. Um Gottes Willen! Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich mag diese Monster sogar. Also, meine Gefühle ihnen gegenüber sind reichlich ambivalent. Das dürfen sie sein. Das müssen sie sogar sein – denn ich bin kein verdammter Heiliger! Auch wenn jetzt Ostern ist. Ich scheiße, ehrlich gesagt, auf Ostern und den ganzen religiösen Humbug! Das ist doch alles eine Farce! Den Menschen in Not oder am Rande der Gesellschaft geht es an solchen Tagen eher noch dreckiger. Die Altenheimbewohner kommen mit all dem nicht mehr klar. Die gutgemeinten Pflichtbesuche der Verwandtschaft bringen sie total durcheinander. Dann werden sie meist abgefüttert – alles in sie reingestopft! Man will ihnen ja was gutes tun. Und ich kann es nachts ausbügeln, und meine Kollegen tagsüber. Gerade an den Wochenenden oder über die Feiertage ist das ein Scheiß, weil dann natürlich keine Hausärzte zu erreichen sind. Und die Alten wollen, dass wir ihnen helfen, und wir können nicht mehr machen, als uns von Gesetzeslage aus erlaubt ist. Eigentlich. Für jede scheiß Tablette, die nicht in den Verordnungen steht, brauchen wir das Okay eines Arztes, und die Alten liegen uns in den Ohren, und ich muss ihnen sagen, dass wir keine Apotheke sind – dabei geht es oft nur um so dämliche Sachen wie Magen- oder Kopfschmerzen. Oder wenn die Monster nicht schlafen können, das ist überhaupt für mich das Schlimmste – da machen sie meine Nachtwachen zur Hölle, als wäre ich Schuld an ihrer verdammten Schlaflosigkeit – oder das, was sie für Schlaflosigkeit halten, aber in Wirklichkeit ist es nur die beschissene Angst vor dem Tod und diese Verzweiflung und Einsamkeit.
Für die gibt es keine Worte. Man muss sie erleben. Tag für Tag und Nacht für Nacht. Aber die Menschen feiern Ostern und suchen Ostereier … Fuck! Wir Menschen sind Monster. Diese ganze Nächstenliebesache ist ein verfluchter Schwindel! Ein ausgekochter, religiöser Schwindel! Nicht dass mir die Materialisten und Kapitalisten lieber wären … nein! Das sind genauso verwichste Monster, die nur auf einem anderen Pferd reiten. Sie fahren in ihren dicken Monsterautos durch die Straßen und machen auch auf Feiertagsidylle. Diese scheiß Idioten! Ich hasse sie! Ich hasse sie alle!
So, jetzt wisst ihr, wie ich ticke. Nun seid ihr dran. Kommt nur – ich bin gerade in der richtigen Stimmung! Von Monster zu Monster …

18.04.2014

Frohe Ostern!

Es schifft

Ich meine, es schifft ununterbrochen. Das muss einen nicht unbedingt frustrieren, wenn man z.B. Geburtstag hat, im Lotto eine gehörige Summe gewann oder frisch verliebt ist. Aber was soll ich sagen? Morgen beginnt bereits wieder eine öde Arbeitswoche mit Tumordokumentation. Ich weiß nicht, wie viele Tumorfälle aus Berlin und Brandenburg jede Woche über meinen Schreibtisch wandern, aber es sind sicher Hunderte. Ich erwähnte es früher schon mal: Ich bin natürlich froh, dass ich diesen Job kriegte. Fast alles war besser, als im Altenheim weiterhin als Arschwischmaschine zu dienen. Ganz abgesehen von der Verantwortung, welche mich total überforderte. Die Alten waren mir in den Nächten auf Gedeih und Verderb ausgeliefert… Viereinhalb Jahre ist es her, dass ich meinen letzten Nachtdienst schob. September 2014 sagte ich „Goodbye“ zur Altenpflege. Durch das Erbe meiner verstorbenen Eltern war ich vorerst abgesichert. Zudem frisch verliebt. Ich fühlte mich eine Zeit lang wie neugeboren.
Wie lange ist das schon wieder her? Warum konnte das Glück nicht anhalten? Ich sitze alleine in meiner Bude in Berlin und blicke aus dem Fenster. Es ist Sonntagnachmittag, Anfang Februar. Es schifft unaufhörlich. Ich setze mir einen Topf mit Maccheroni auf. Der Topf kocht über, während ich diesen Beitrag schreibe. Scheiße! die Maccheroni! fährt es mir in den Kopf.