Verrückte Träume

Verrückte Träume ereilten mich in der Nacht zu meinem ersten Urlaubstag. So war ich z.B. in einer skurrilen Kinovorstellung. Ein Vampirfilm lief. Realität und Fiktion durchmischten sich. Am Ende verfolgte mich Dracula bis vor das Kino, und ich flüchtete in einen Biergarten…
Heute wäre ein Biergartentag. Die Sonne scheint. Der Wetterfrosch gibt dem schönen Wetter noch einen Tag. Ein Glück, nicht im Homeoffice über Tumorfällen brüten zu müssen. Stattdessen kann ich in aller Entspanntheit durch den Tag surfen, die Türen öffnen für die Leichtigkeit des Seins. Scheiß auf Corona und den damit zusammenhängenden Wahnsinn! Draußen warten Frühling und Lebensfreude – Streicheleinheiten für die Seele – die Ängste abstreifen wie zu enge Klamotten…

Schieflage

Ich spüre es allerorts: Die Leute haben die Schnauze voll. Am Besten das Thema „Corona“ vermeiden. Weil man Repressalien fürchtet, trägt man Maske und hält Abstand. Doch das Ganze bricht an den schönen Frühlingstagen auf, wenn die Menschen zu Hunderten in die Parks strömen. Sie scheißen auf den Verordnungssalat und lassen ihrer Lebensfreude freien Lauf. Selbst die Ordnungshüter bringen sie nicht zur Raison. Ich beneide die Polizisten nicht um ihre tumbe Sisyphusarbeit. Statt Verbrecher zu jagen, wird ihnen nun auferlegt, harmlose Bürger zu drangsalieren. Die Grundrechte wurden ausgehebelt. Das Corona-Angstgespenst geht um. Für dumm und verantwortungslos/asozial werden all jene erklärt, die sich von der regierungsgesteuerten Corona-Propaganda nicht einwickeln lassen. Meinungsfreiheit?! – Fehlt nur noch, dass die Gedankenpolizei auf den Plan tritt…

Mir wird entgegengehalten, dass ich übertreibe. Kann schon sein, dass ich etwas sensibel reagiere, wenn mir Freiheiten weggenommen werden – Corona als Rechtfertigungsgrund ist mir einfach zu wenig. Dabei will ich weder die Existenz von Covid-19 ignorieren, noch die durch das Virus evozierten Erkrankungen kleinreden. In einer offenen Gesellschaft gibt es viele Risiken, zu verunglücken, zu erkranken und (vor der Zeit) zu sterben. Die Corona-Gefahr ist dahingehend einzuordnen. (Nicht mehr und nicht weniger.) Seit gut einem Jahr höre ich aber nur noch „Corona“… Wo bleibt der Sachverstand? Wo bleibt der lebendige Diskurs? Warum werden die Kritiker der Corona-Politik nicht gehört, sondern geächtet?

Ich spüre es allerorts: Die Menschen lassen sich nicht bändigen. In ihren Herzen scheißen sie auf die Staatsgewalt. (Von den Spießern/Opportunisten und Angsthasen mal abgesehen.)


Wohin gehen wir?

Das Leben der Menschen auf der Erde bedeutete Knechtschaft, nachdem die Menschen das freie Leben in der Natur aufgegeben hatten und sich „zivilisierten“… Wie kam es dazu, dass wir uns zur Sesshaftigkeit entschieden? Wie kam es dazu, dass wir uns nach und nach von der Natur entfremdeten? Mussten wir notwendigerweise an den zivilisatorischen Punkt gelangen, an dem wir heute stehen? Wann begann die Misere der Kriege? Wie wurden wir uns selbst zu Feinden?
Das Rad der Menschheitsgeschichte kann niemand zurückdrehen. Wir wurden zu Abhängigen eines Systems, das wir selbst entwickelten. Wir machten uns die Erde untertan mit all seinen Geschöpfen. Wir schufen eine Hierarchie losgelöst von der Natur. Wir knechten unsere eigenen Artgenossen. Wir verwechseln Macht mit Freiheit. Wir propagieren Menschlichkeit, handeln jedoch unmenschlich.
Wer sind wir? Woher kommen wir? (Wohin gehen wir?) Was machte uns zu den Monstern, die wir (aktuell) sind?

Ich gönne mir ein verlängertes. Einmal mehr schlafen gehen ohne eine achtstündige fremdbestimmte Verpflichtung am nächsten Tag. Es war mal wieder so weit, und ich nahm mir diese kleine Freiheit. Auch wenn dabei ein kostbarer Urlaubstag flöten geht. Scheiß drauf!
Soll ja fast frühlingshaft werden die nächsten Tage. Der Schnee der letzten Woche floss bereits fast vollständig in die Gullys. Nur wenige dreckige Inseln erinnern noch an das weiße Wunder.
Die Zeit vergewaltigt sowieso alles. In ihrem warmen Arsch stecken wir fest, bis von uns nichts mehr übrig ist… und wir alle im Gully sind.


Easy livin`

Wir steuern auf die Kurze-Hosen-Zeit zu. Schön, wieder Bein zeigen zu können. Gestern schon mal probeweise. Meine Haxen freuten sich. Ich war im Park – wo sonst… Ich wurde gar nicht satt vom Schauen – wie alles kreucht und fleucht. Die Natur macht mobil. Schade, dass der Spätkauf zuhatte, sonst hätte ich mir noch ein paar Bier geholt. Was braucht Mann mehr als eine solch berauschende Kulisse, ein kaltes Bier und seine Lieblingsmusik im Ohr. Für die nächsten Tage steht Ähnliches auf dem Programm. Dann ist das verfickte Ostern auch wieder vorbei.
Las mir gerade durch, was Michael Müller, seines Zeichens Regierender Bürgermeister Berlins, den Bürgern und Bürgerinnen schrieb. Es gab da letzte Woche eine Briefsendung an alle Haushalte. „Blablabla… Und vor allem: Halten Sie einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen, so schwer es auch fällt.“ Sehr geehrter Herr Bürgermeister, das fällt mir so gar nicht schwer. Von mir aus kann diese Regel für immer bestehen bleiben… Auf der Rückseite des Briefes gibt`s dann wenigstens noch ein paar nützliche Telefonnummern und Internetadressen. Okay, wie nützlich die sind, weiß ich nicht. Für einige bestimmt, die mit dem ganzen Corona-Dingsbums nicht so klarkommen.
Heute Morgen brach ich mein letztes Paket Klopapier an. Langsam kriege ich es mit der Angst zu tun. Ich sollte sparsamer mit dem Zeug umgehen…

 

Weniger Flugzeuge am Himmel

Am liebsten sind mir Feste wie Ostern und Weihnachten, wenn ich möglichst wenig davon mitkriege. Das gefällt mir auch an den jetzigen Corona-Einschränkungen: die Straßen und Plätze sind leerer, die Menschen weniger überdreht, man geht sorgsamer miteinander um, die Welt findet Zeit zum Durchatmen, weniger Flugzeuge am Himmel, weniger Verkehrslärm, weniger Partys, allerorts weniger Betriebsamkeit, dafür mehr Ruhe… Warum nicht immer so? Ich will gar nicht mehr zurück in den Zustand ständiger Aufgeregtheit und Mobilität, den wir Normalität nennen.
Ich bete also zu Gott, er möge Covid-19 noch gewaltig mehr Zeit geben. Ja, ich weiß, diese Bitte an den Weltschöpfer ist sehr egoistisch. Zu viele Menschen sterben an dem Virus. Auch stehen sehr viele wirtschaftliche Existenzen auf dem Spiel. Es wäre mir viel lieber, wenn wir einfach Kraft unseres Verstandes das ein oder andere zum Besseren auf der Welt veränderten und dazu nicht Katastrophen bräuchten. Schon komisch, dass ein Virus die Menschen hierzulande mehr zur Besinnung bringt als Weihnachten und Ostern zusammen. Endlich mal weg von den Plattitüden, hin zu mehr Demut und tiefgreifenderen Gedanken über unser Dasein und die Verantwortlichkeit des Menschen gegenüber der Schöpfung… Nein. Nein. Nein. Das glaube ich ja selbst nicht. Als hätten wir jemals länger als ein paar Mückenschiss-Sekunden der Geschichte aus solchen einschneidenden Erfahrungen gelernt. Weisheit lässt sich leider nicht lange konservieren. Und so kommt es, dass wir wieder und wieder (von Generation zu Generation) die gleichen Fehler machen, dem gleichen Irrsinn verfallen und die gleichen Kämpfe auszufechten haben…

Übrigens schöner Tag heute: Viel Licht, blauer Himmel, Frühling… Ich erinnere mich schmerzhalft daran, dass ich lebe. Neben Kopf, bestehe ich noch aus Herz, Bauch und Schwanz, und was sonst an mir dranhängt. Ich trage diese eine Perspektive immer mit mir herum. Ganz gut so. Wäre schlimm, wenn ich mich von außen sähe. Ist aber wahrscheinlich Gewohnheitssache.
„Lass uns rausgehen“, sage ich zu mir.
„Aber erst noch Kartoffeln kochen.“
„Gute Idee. Was weg ist, ist weg.“
„Und noch was trinken.“
„Sowieso.“
„Ich denke, der Blogbeitrag endet hier. Oder fällt dir noch was ein?“
„Nö.“

 

Frühlingsanfang unter dem Zeichen des Virus

Zum ersten Mal seit der Schließung am Pub vorbeigekommen. Vielleicht hoffte ich auf ein Wunder.

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na denn, Prost!

Dann wie immer kurz eingekauft. Diesmal im größeren REWE. Die Kassierer(innen) drehen langsam am Rad. Manche auch mit einer Portion Sarkasmus. Ständig die Zurechtweisungen, beim Anstehen zum Vordermann/zur Vorderfrau Abstand zu halten. Einen Respektsabstand halte ich sowieso zu meinen Mitmenschen, egal ob in der Warteschlange oder sonst wo. Aber es gibt eben auch die Zombiemenschen, die in ihrer Gier und Idiotie alle Hemmungen fallen lassen. Mir fallen dazu Bilder von den Schlussverkäufen oder Black Friday ein…, und genau diese Leute sind eben auch in den heutigen kritischen Zeiten besonders rücksichtslos. Nur nicht von deren Verhalten anstecken lassen!
Inzwischen sieht es danach aus, dass als weitere Maßnahme eine Ausgangssperre unumgänglich ist. Fragt sich nur, wann. Aus Norditalien gruselige Nachrichten gehört. Trotz der bereits seit etlichen Tagen bestehenden Ausgangssperre schlägt dort Covid-19 gnadenlos zu. Sehr viele Tote sind zu beklagen.
Ach ja, heute astronomischer Frühlingsanfang. Allerdings wird`s erstmal kalt, sagt Donald, der Wetterfrosch im MOMA. Leicht bedrückt sitze ich in meinen vier Wänden und harre der Dinge, die da kommen.

 

Frühling in Berlin, Kiez-Tour und das Toilettenpapier-Rätsel

Meine Kiez-Tour führte mich vorbei am Straßenstrich über den Nollendorfplatz zum Winterfeldplatz. Der Türke hatte geöffnet und auch schon erste Tische und Stühle aufgestellt. Na also, dachte ich, holte mir ein großes Flens und ließ mich gleich mal nieder. Das erste Mal in diesem Jahr kam meine Sonnenbrille zum Einsatz. Ich hatte sogar einen Anflug von Urlaubsgefühl.
Immer mehr Menschen (vor allem Rentner) fanden am frühen Mittag diese städtische Ruhe- und Sonnenoase. Der Türke stellte weitere Tische auf.

 

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am Winterfeldplatz

 

Nach einer guten entspannten Weile radelte ich zum Nahkauf unweit meiner Wohnung. Der Nahkauf ist ein kleiner Supermarkt am Bülowbogen mit etwas Tante-Emma-Flair. Die Mitarbeiter(innen) sind sehr nett und auch mal zu einem kleinen Plausch mit den Kunden/Kundinnen aufgelegt. Viele Regale waren leer, aber eigentlich wollte ich sowieso nur Wein und Bier nachkaufen.
An der Kasse fiel mir auf, dass die Nachstehenden ihre Wägen u.a. mit Klopapier vollgepackt hatten. Ich konnte mir eine ironische Bemerkung nicht verkneifen:
„Es gibt noch Klopapier?“
„Ja“, lachte die Kassiererin, „es kam vorhin eine neue Lieferung.“
„Oh! Dann sollte ich schnell noch eine Runde durch den Laden drehen…“
Die Leute mit dem vielen Klopapier hatten wohl verstanden, wie ich es meinte und flüchteten sich in ein verhaltenes Lachen. Ich wünschte mir, dass einer von ihnen das Geheimnis der übermäßigen Nachfrage an Toilettenpapier in den Zeiten des Corona-Virus lüftete – aber Pustekuchen. Ich hörte beim Einpacken meiner Einkäufe lediglich, wie die Kassiererin eine Kundin darauf hinwies, dass sie nur drei Pakete (à 10 Rollen) kaufen dürfe.

Was für ein schöner Tag! musste ich auf meinem Weg nachhause immer wieder denken. Zügig entledigte ich mich meiner Last, um sofort wieder nach draußen zu starten. Der Park am Gleisdreieck sowie der kleinere Nelly-Sachs-Park liegen gleich um die Ecke. Ich radelte erstmal Richtung Gleisdreieck und war schon etwas erstaunt über die vielen Menschen, die sich auf den Parkwegen tummelten und mit ihren Kindern auf dem Spielplatz waren. Von wegen Corona-Virus-Ansteckungsangst. Die nächste Überraschung war der geöffnete Biergarten des BRLO-Brauhauses. Der liebe Gott meinte es gut mit mir!

 

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am Gleisdreieck

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Aufkleber mit der Bitte, 1,5 Meter Abstand zu halten

 

(Dass auf meinen Fotografien wenige Menschen zu sehen sind, hat vor allem damit zu tun, dass ich die Persönlichkeitsrechte meiner Mitmenschen diesbezüglich achte. Auch ich will nicht fotografiert/gefilmt werden!)