So viele Bücher, wie ich heute anfasste, sollten für die nächsten Monate reichen

Ich dachte, ich könnte mal mein Bücherregal abstauben. Es steht etwas verwaist in der Ecke des Zimmers. Ich lese seit geraumer Zeit wenig bis gar nicht Belletristik. Dafür gibt`s natürlich Gründe. Aktuell ist meine Lesefaulheit zu einem guten Teil meiner Arbeit geschuldet. Wenn du acht Stunden lang Tumoren dokumentierst, dabei hunderte Histos und Epikrisen lesen/studieren musst, bist du nach Feierabend mental relativ müde. Ich bin`s jedenfalls. Und meine Augen auch. Ich ziehe dann die einfache Berieselung durch TV und Mediathek vor. Schade – denn es gibt so viele tolle Bücher von tollen Autoren. Einige liegen ungelesen auf meinem Bücherregal. Eines trage ich sogar seit Monaten im Rucksack mit mir herum, ohne es weiterzulesen. Trotzdem würde mir was fehlen, wenn ich es nicht dabeihätte.
Kann auch sein, dass ich geistig abbaue. Sowas soll vorkommen, wenn man älter wird. Ich sehe mich bereits wieder auf dem Boden sitzend mit Bauklötzen spielen. Wahrscheinlich kam ich darum auf die Idee, einige meiner Lieblingsbücher wie Bauklötze zusammenzulegen.
Wesentlich angenehmer ist mir der Gedanke, dass mein geistiges Level das Lesen schnöder Literatur inzwischen (fast) überflüssig macht. Ich schreibe selbst das Beste! Es gibt kaum noch Autoren, die mich begeistern. Der letzte gute war John Fante.
Zu viele Langweiler schreiben langweilige Bücher. Seltsamerweise fällt das kaum jemandem auf. Außer Bukowski damals. Na ja, und mir heute. (Oder auch ein paar anderen, die ich aber nicht kenne.)
Da ich Putzen im Allgemeinen und Abstauben im Besonderen hasse, kam ich über den Gedanken, mein Bücherregal abzustauben, nicht hinaus. Lieber ganz instinktiv ein paar Bücher herausgreifen, zusammenlegen und ablichten. Gewisserweise als geistiges Familienfoto.

 

Lazy Sunday

Heute erfahre ich, dass das Paket bereits am Freitag bei einem Paket-Shop abgegeben wurde. Die Warterei gestern hätte ich mir also sparen können. Doof, wenn die Sendungsverfolgung nicht aktuell ist und auch keine Paketkarte im Briefkasten liegt. Egal jetzt. Hauptsache, ich weiß, wo ich`s abholen kann. Fast um die Ecke. Wenn ich Glück habe, ist sogar heute am Sonntag geöffnet. Die Angaben dazu im Internet sind widersprüchlich. Der Laden heißt Infinity und liegt gegenüber der Kneipe, wo ich immer Mittagspause mache, ein Spätkauf, wie es hier viele gibt. Manche von denen verdingen sich zusätzlich als Paket-Shop.

Der Morgen ist sonnig aber kalt. Die Waschmaschine läuft. Die Läufer von Küche und Flur sind dran. Ich mache nicht viel im Haushalt. Meine Büro-Kollegin kennt eine Polin, die putzt und wollte sie für mich fragen. Das ist nun schon einige Wochen her. Ich sollte mal vorsichtig nachhaken.
Wieso werden manche Menschen fauler und andere fleißiger geboren? Warum gehöre ich zu den eher faulen? Wieso wurde ich nicht mit ein bisschen mehr Ehrgeiz gesegnet? Ich will mich freilich nicht schlechter machen, als ich bin. Schätzungsweise bewege ich mich im unteren Mittelfeld… Also, wenn es einen Lazy-Index gäbe: in einer Skala von 1(stinkfaul) bis 10(vom Ehrgeiz zerfressen und scheiß selbstdiszipliniert) würde ich mir eine 4 geben. Hier in Berlin sogar eine 6-7.
Man ist eben, wie man ist. Mein Hauptproblem ist, dass ich an zu vielen Dingen zu wenig Spaß habe. Drum bin ich total stolz drauf, dass ich gestern die alten Bilderrahmen aus der Besenkammer räumte und entsorgte. Im Zuge dessen gleich noch ein paar alte Schachteln und Krimskrams weggeschmissen. Ich kann gar nicht aufhören, in die aufgeräumte Besenkammer zu schauen und mir selbst auf die Schulter zu klopfen.