Durch die Dünen

Fuck, morgen geht`s zurück ins Büro – dann hat mich der schnöde Alltag wieder. Die zwei Wochen gingen vorbei wie nichts. Vor wenigen Tagen tankte ich noch Sonne auf Gran Canaria und ließ die Seele baumeln. Die Fotos zeugen jedenfalls davon – es muss also passiert sein. Der Urlaubslack ist schnell wieder ab. Gestern war ich im Biergarten am Gleisdreieck. Er hatte tatsächlich schon geöffnet. Die Schlange an der Kasse war lang, darum bestellte ich mir gleich zwei große Helle. Es war kälter, als ich dachte. Eine leichte Dunstglocke minderte die Kraft der Sonne. Außerdem ging ein frostiger Wind. Ich schlabberte das Bier und las Stories aus Bukowskis Nachlass. Was für eine Knalltüte, dieser Bukowski! Ich mag seine Schreibe. Einiges kann ich ganz gut nachvollziehen.
Z.B.: „Um zu schreiben muss man sich entweder sehr gut oder sauschlecht fühlen, aber malen kann man, wenn man sich gut, schlecht oder irgendwo dazwischen fühlt. Wobei für mich alles besser ist, wenn ich betrunken bin, Sex genauso wie das Schreiben, Malen und der Stierkampfbesuch. Bei anderen mag das anders sein. Aber Malen, Trinken, Ficken, Schreiben sind nicht alle eins, nur beinah.“
Stierkämpfe habe ich noch nicht besucht, aber was das andere angeht, stimme ich im Großen und Ganzen mit Buk überein.
Langsam wurde es mir zu kalt im Biergarten. Ich hatte nur ein T-Shirt und eine Jacke drüber an. Also beschloss ich, die Sache abzubrechen. Am späten Nachmittag lief im Cinemaxx am Potsdamer Platz Sisters Brothers. In den Streifen wollte ich schon vor meinem Urlaub gehen. Ein Western über zwei ungleiche Brüder, die als Auftragskiller unterwegs sind. Gutes Handwerk. Ich meine den Film.
Okay, so weit so gut. Stellt sich die Frage, was ich heute mache, wenn ich hier mit dem Schreiben fertig bin… Nur kein Stress, Baby. Der Tag geht ganz von alleine rum. Wo geht sie eigentlich immer hin, die Zeit? Man kriegt sie nicht zu fassen. Man muss immer weiter, selbst wenn man stehenbleibt.
Ich denke an meinen ersten Spaziergang von Playa del Ingles zum Faro de Maspalomas. Ich schlappte durch die Dünen. Mann, war das mühsam, durch den Sand zu gehen. Und heiß! Die alten Säcke überholten mich. Woher nahmen sie diese Energie? Ich sagte zu mir: Mach langsam, du hast alle Zeit der Welt. Sollen sie dich überholen. Scheiß drauf. Ich lasse mich auf kein Wettrennen ein.
Warum fühlen wir uns im Leben immer so getrieben? Bringt uns das irgendwie weiter? An der nächsten Ampel müssen wir sowieso warten. Oder so ähnlich. Egal, wie sehr man sich abstrampelt, – man hängt wie ein Fisch am Haken der Zeit. Ich sehe im Geiste, wie ich morgen die Hühner in ihren Büros begrüße, Smalltalk über den Urlaub; ich hole mir die Arbeit aus dem Stahlschrank, tausende Tumorfälle, fahre den Computer hoch, mache mir einen Kaffee…
And so on.

 

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