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Was wir Wirklichkeit nennen, gestaltet sich über ein mehrdimensionales Beziehungsgeflecht, in welchem sich alle mikro- und makrokosmischen Phänomene ergeben. Materie existiert als solche nicht. Sie manifestiert sich in unserer Draufsicht als Informationskonstrukt/-paket, mit dem wir interagieren.
Das eigentliche Substrat des Daseins ist Bewusstsein… Geist…Seele… Liebe… Gott… Die Begrifflichkeiten eiern um das Wesentliche herum, ohne es völlig zu erfassen. Das Wesentliche entzieht sich hartnäckig in die Unbestimmbarkeit.
Ein vom Materialismus geprägter Blick auf die Wirklichkeit zeigt uns lediglich eine Oberfläche ohne Deutung und Sinn. Wir erkennen Strukturen, Beziehungen und Gesetzmäßigkeiten ohne Verständnis für das Ganze. Wir blicken in relativ begrenzte Ausschnitte des Weltgefüges. Der Materialismus verliert sich im Detail bis zur völligen Unsinnigkeit. Der Materiebegriff löst sich auf.
Mein Ansinnen: Wir sollten mehr mit dem Herzen und weniger durch Mikroskope und Teleskope sehen. Die Welt ist kein Bausatz. Sie ist nicht mit dem Verstande zu begreifen. Keine noch so monströse KI wird uns die letzten Antworten liefern. Es wird immer eine unbestimmbare Unbekannte in der Gleichung verbleiben.


Bewusstsein

Was ist eigentlich Bewusstsein? Ich dachte immer, dass es das höchste ist, was ein Lebewesen als ein Individuum auszeichnet. Ich verband es mit gedanklicher Selbstreflexion aber auch mit einer bewusst emotionalen Wahrnehmung von Dasein/Leben und Umwelt. Es folgten Fragen wie: Gibt es ein originäres ICH-Bewusstsein? Wer bin ich? Wie sehr bin ich ICH? Bleibe ich ICH im Laufe meines Lebens und darüber hinaus? Geht mein Bewusstsein über mich hinaus? Gibt es ein universelles Bewusstsein? Kann eine künstliche Intelligenz ein Bewusstsein entwickeln? Gibt es verschiedene Bewusstseins-Stufen ähnlich Erkenntnis-Stufen? Was bedeutet ein höheres Bewusstsein haben? Ist das Bewusstsein lediglich ein Spiegel, eine Art Kurzschluss im Denkprogramm?
Im Laufe meines Lebens musste ich jedenfalls erkennen, dass meine Mitmenschen ganz unterschiedlich „bewusst“ tickten. Mitunter fragte ich mich, ob mein Gegenüber eher so was wie ein Zombie war. Aber das mag daran liegen, dass wir oft nur unsere Fassaden zeigen. Trotzdem: Selten lausche ich in meinem Umfeld Gesprächen über das Bewusstsein und andere existentielle Themen. Das philosophische Interesse scheint einigermaßen rar gesät zu sein. Vermutlich haben manche Menschen Angst, sich mit derlei Thematik auseinanderzusetzen – könnten doch die bisherigen Lebensschwerpunkte und -maxime in Frage gestellt werden. Viel leichter ist es, wenn man sich in vorgefertigte Denkmuster von Religionen und Ideologien hineinbegibt… Ich dagegen dachte immer, dass gerade dieses eigene philosophische Nachsinnen ein entscheidendes Merkmal von Lebewesen mit Bewusstsein darstellt (– besonders bei Denkmonstern wie uns Menschen). Dabei saß ich einem weitverbreiteten Denkfehler auf: Man sollte besser nicht von sich auf andere schließen.
Heute habe ich mich damit abgefunden, dass ich mit meinem beharrlichen Infragestellen von uns eingeimpften Wirklichkeiten und Denkschemata relativ einsam bin… Es hilft nichts – ich muss immer weiterfragen. Irgendetwas ganz tief in mir verlangt danach. Ich nenne es Bewusstsein.


Erkenntnis

Das Universum ist ein gewaltiges Kunstwerk. Betrachtest du nur einen Farbklecks, wirst du es nicht erfassen. Zerlegst du es in seine Einzelteile, wirst du es nicht erfassen. Wir Menschen geben ihm einen Rahmen, obwohl es keinen Rahmen hat. Wir sind Teil dieses gewaltigen Kunstwerks. Jeder für sich, und alle miteinander. Die Erkenntnis kommt mit dem Loslassen. Die Erkenntnis kommt mit dem Durchschauen der selbstgeschaffenen Wände. Die Erkenntnis war schon immer da. Finde dein Drittes Auge. Öffne dein Drittes Auge. Träume dich in die Welt, und du erhältst Antworten.
Vergesse, dass es dich gibt.

Sandburgen, Löcher in die Luft gucken und hübsche Supermarktkassiererinnen

Mit Sonne, Schnee und Matschbirne ins Wochenende. Der Rollladen auf Halbmast. Zu viel Licht am frühen Morgen. Sieht so aus, als hätte ich einen toten Punkt erreicht. Es gibt Menschen, die sich mit Putzen und anderen Hausarbeiten ablenken können… Ich dagegen schaue Löcher in die Luft – Löcher in die Raumzeit… Löcher und Tunnel sind faszinierende Gebilde. Als Kind spielte ich viel im Sand. Ich schob den feuchten Sand zu einem großen Haufen zusammen, klopfte ihn mit Hand und Schaufel fest und machte mich ans Tunnelgraben, bis der Sandhaufen irgendwann wie ein Schweizer Käse aussah. Es war eine spannende Sache, wenn man aus entgegengesetzten Richtungen aufeinander zu buddelte…, und schließlich die letzte Sandbarriere zwischen den Löchern einbrach, unsere Finger sich berührten. Manchmal fiel dabei leider die ganze Sandburg in sich zusammen – ein Bild, das sich mir auch metaphorisch tief einprägte in Hinsicht auf das „Buddeln/Graben“ nach Erkenntnis und Wahrheit: Kaum war ich zum „Licht der Erkenntnis“ durchgebrochen, fiel alles in sich zusammen. Ich erhaschte nur einen minimal kurzen Blick auf die „andere Seite“… Immerhin – das Suchen bzw. Graben nach der „Wahrheit“ ließ mich nie los – und wenn ich nur Löcher in die Luft gucke.
Das El Dorado liegt nicht in der Außenwelt, es ist in uns selbst vergraben. Sisyphos rollt ewig Steine den Berg hoch, und ich werde ewig Löcher buddeln. So oder ähnlich. Auch wenn es Tage gibt, an denen ich mich unglaublich leer und matschig fühle…

Nicht so viel Pathos, old boy, am Ende glaubst du noch, was du da zusammenfabulierst. Greife dir ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank und denke an die hübsche Kassiererin im Supermarkt. Hat sie nicht ein bezauberndes Lächeln? … Ja, und auch sonst… Du wolltest doch heute einkaufen, oder nicht? … Dann setze halt die Sonnenbrille auf, wenn dich das Licht blendet. Mann o Mann! Mach hinne!

    

Rotznase und Qualia

Die Welt ist kryptisch. Nicht nur in der Philosophie, den Naturwissenschaften und der Kunst, sondern auch im Alltag. Besonders wenn man einen dicken Kopf aufgrund einer fetten Erkältung hat. Inzwischen quillt der Abfall von Rotztüchern über…
Zur Zerstreuung zog ich mir am frühen Morgen auf YouTube Physikzeugs und Philosophisches rein. Ich wälzte mich im Bett von einer Seite auf die andere und lauschte den Beiträgen. Schön war, dass ich viele meiner Gedankengänge und Fragen wiederentdeckte, bloß eben von Professoren formuliert. Erst quatschte Harald Lesch eine Stunde über die Grenzen der Erkenntnis in der heutigen Physik, und schließlich klickte ich auf ein Interview mit dem australischen Philosophen David Chalmers – war recht unterhaltsam, was er über Bewusstsein, respektive Qualia zum Besten gab. Unleugbar gibt es etwas, das aus mir herausschaut, riecht, schmeckt, fühlt, denkt…, sowas wie mein bester Kumpel, der auf Gedeih und Verderb an mich gekettet ist. „Hey Alter“, sagt er mir gerade, „lass dich von so`ner mistigen Erkältung nicht unterkriegen. Ruhe dich aus. Es ist Sonntag. Morgen gehst du zum Arzt und lässt dich ein paar Tage krankschreiben.“ Klar, recht hat er. Scheiß auf den hohen Krankenstand in der Firma. Der liegt nicht an mir… Hatschi!!! Schnäuz! Teufel, Teufel! Die können froh sein, wenn ich sie nicht mit dieser Seuche infiziere.
Aber zurück zum Qualia-Problem. Schon komisch, dass es dieses Bewusstsein gibt, mit welchem man eine Beziehung zu seiner Umwelt aufbaut bis hin zu philosophischen Fragestellungen. Chalmers fühlt sich zum Panpsychismus hingezogen. Kurzgefasst werden in dieser Theorie alle Erscheinungen der Welt als beseelt angesehen – jedenfalls mehr oder weniger. Daniel Dennett, seines Zeichens auch Philosoph (und der sieht wirklich wie einer aus!), vertritt einen relativ entgegengesetzten Gedankengang: Er vergleicht das Phänomen Bewusstsein mit der Benutzeroberfläche eines Smartphones, welche den komplexen Apparat für uns erst bedienbar macht. Das Bewusstsein ist in diesem Sinne ein von der Evolution hervorgebrachtes Konstrukt, eine naturalistische Software (um im Bild zu bleiben). Klar, dass sich Chalmers und Dennett öfters in den Haaren liegen. (Ich stelle mir vor, wie Chalmers Dennett am Bart zieht und Dennett Chalmers an seinen Haaren packt.)
Ich weiß nicht, wohin ich tendiere. Schätzungsweise sind wir alle Zombies und blasen uns lediglich geistig auf. Auf der anderen Seite verspüre ich in mir eine große Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmtheit… Dann das Problem mit dem Tod. Wo sitzt mein Bewusstsein, wenn nicht im Hirn? Und wo wird es einmal hingehen?
„Alter Walter!“ meint mein an mich geketteter bester Kumpel, „krieg dich wieder ein, du machst mich depressiv. Tu irgendwas, aber grübele nicht in einem fort über das Dasein und seine Macken. Es ist, wie`s ist. Vergiss das Leben nicht. Einfach mal wieder bumsen! Das wird dich wieder nach vorne bringen!“
„Hey, hey, hey! Du könntest dich etwas feiner ausdrücken. Von wem hast du diese ordinäre Seite? Erzwingen kann man nichts. Und ich philosophiere eben gern.“
„Noch nie was von Jekyll and Hyde, Faust und Mephisto gehört? Oder für dich weichgespült: Engelchen und Teufelchen?“

Ich brach die Unterhaltung ab. Ich lasse mich nicht aus der Fassung bringen, schon gar nicht von diesem Großmaul in mir. Ich bin ich. Zwischen mir und mir passt kein Blatt Papier.
Was läuft im Fernsehen? Gleich mal nachgucken. Ein nachmittagsfüllendes Wintersportprogramm wäre jetzt genau das Richtige.

Die Hölle friert niemals zu

Da klebe ich am Arsch des Lebens, und nur ich weiß, was ich denke, wenn ich`s nicht gerade aufschreibe und als Prosa oder Gedicht aufs Blog stelle. Ich gehe dabei sehr rücksichtslos vor. Beinahe täglich verpeste ich meine Umwelt mit meinen Gedanken. Wenn das jeder machen würde – unerhört! Seine Gedanken sollte man besser für sich behalten, und so ist es wohl auch von der Natur angedacht. Sonst würden wir ständig hören, was unsere Mitmenschen denken, und das kann wirklich niemand wollen.
Okay, ich notiere und veröffentliche nur, was ich für besonders wertig oder in irgendeiner Weise bemerkenswert* finde. All meinen Gedanken käme ich niemals hinterher. Auch frage ich mich manchmal: habe ich das wirklich gedacht? Und warum? Wo kommt der ganze Mist her? Unglaublich. Vielleicht kriege ich das alles von irgendwoher telepathisch geschickt oder suggeriert. Kann ich mit Sicherheit wissen, dass das originär meine Gedanken sind? Dann noch so ein zersetzendes Zeugs. Ich wünschte mir mehr spaßige Gedanken. Viele meiner Mitmenschen kommen mir vor, als hätten sie eine Menge davon. Gut, das kann man nicht genau wissen. Wir sehen nur die Oberfläche von uns. Zu tief sollte man bei einem Menschen besser nicht schürfen. Ebenso ist es besser, wenn man nicht in jedem Restaurant, in dem man speist, die Küche oder den Koch sieht. Der Blick hinter die Kulissen kann einem mehr als nur den Appetit verderben.
Am Ende finden wir heraus, dass (fast) alle Menschen (kleine) Faschisten im Geiste sind. Solche Erkenntnisse würden sofort nach hinten losgehen. Unsere Dämonen lassen sich ungern in die Suppe spucken.

(* damit zog ich den Unmut mancher Mitmenschen auf mich – eine Erfahrung aus der Zeit, als ich in sogenannten Literaturforen unterwegs war)

Am Tellerrand

„Universum könnte laut neuer Studie ein Hologramm sein“ – ich tauche in den Artikel ein. Dass die Wirklichkeit noch ein anderes (grundlegenderes) Gesicht haben muss, ist mir schon lange klar. Auch wenn ich es wissenschaftlich nicht nachvollziehen kann, finde ich die Vorstellung inspirierend. In poetischer Sprache würde ich sagen: Das Nichts schwitzt.
Begreifen lässt es sich nicht einfach, aber wir könnten einen großen Schritt weiterkommen in der Erforschung des Universums und seinen Erscheinungen. Wir Menschen sind selbst eine höchst bemerkenswerte Schöpfung in diesem Panoptikum von Materie und Energie. Wir beugen uns mittels unseres Geistes über den Tellerrand der uns eigentlich angewiesenen Wirklichkeit hinaus. Dies machen wir längst schon spirituell und nun auch wissenschaftlich im Versuch, Erklärungsmodelle für das Dasein der Welt zu finden.
Faszinierend an der Hologramm-Theorie erscheint mir als Laien, dass sie nicht immer weitere Dimensionen ersinnt, sondern die von uns wahrgenommene Raumzeit mit ihren dreidimensionalen Konstrukten aus dem Informationsgehalt einer Fläche generiert. Darum die Analogie zu der uns bekannten Hologramme, z.B. auf Scheckkarten. Die wissenschaftliche Denke natürlich ist unendlich komplizierter.

Ich liebe Vereinfachungen und Abstraktionen. Fühle mich sowieso wie ein Krabbeltier in einem verdammten Versuchslabor. Ich flitze durch ein Labyrinth aus Pappwänden und habe die irre Vorstellung, dass hinter diesen Wänden eine ganz andere Welt liegt, die wir nicht sehen dürfen oder sollen. Wahrscheinlich würde der ganze Versuchsaufbau zusammenbrechen, wenn wir ein Loch durch eine der „Wände“ bohrten.

Als Kleinkind spielte ich gern in der Sandkiste und grub wie wild Tunnel durch die Sandhaufen. Ich fand es spannend, mich ins Ungewisse zu buddeln. Ganze Labyrinthe durchzogen den Sandhaufen…, bis er schließlich so ausgehöhlt war, dass er über meinem grabenden Ärmchen zusammenbrach. Mir prägte sich dieses Bild des Tunnels ein, der just in dem Moment einstürzt, wenn man auf die andere Seite durchstößt. Zu kurz, um wirklich zu sehen, was dahintersteht, aber lange genug für einen Schauer der Erkenntnis. Dieses Gefühl lässt mich bis heute nicht los. Eine Mischung aus Faszination und Vergeblichkeit, eine Mischung aus Lust und Schmerz, – aus kurzem Gewinn und absoluter Verlorenheit…

Ich las diesen Artikel und empfand ähnlich: ein kurzes Aufblitzen der Wahrheit, aber nicht lange genug, um es festzuhalten.