Die Hölle friert niemals zu

Da klebe ich am Arsch des Lebens, und nur ich weiß, was ich denke, wenn ich`s nicht gerade aufschreibe und als Prosa oder Gedicht aufs Blog stelle. Ich gehe dabei sehr rücksichtslos vor. Beinahe täglich verpeste ich meine Umwelt mit meinen Gedanken. Wenn das jeder machen würde – unerhört! Seine Gedanken sollte man besser für sich behalten, und so ist es wohl auch von der Natur angedacht. Sonst würden wir ständig hören, was unsere Mitmenschen denken, und das kann wirklich niemand wollen.
Okay, ich notiere und veröffentliche nur, was ich für besonders wertig oder in irgendeiner Weise bemerkenswert* finde. All meinen Gedanken käme ich niemals hinterher. Auch frage ich mich manchmal: habe ich das wirklich gedacht? Und warum? Wo kommt der ganze Mist her? Unglaublich. Vielleicht kriege ich das alles von irgendwoher telepathisch geschickt oder suggeriert. Kann ich mit Sicherheit wissen, dass das originär meine Gedanken sind? Dann noch so ein zersetzendes Zeugs. Ich wünschte mir mehr spaßige Gedanken. Viele meiner Mitmenschen kommen mir vor, als hätten sie eine Menge davon. Gut, das kann man nicht genau wissen. Wir sehen nur die Oberfläche von uns. Zu tief sollte man bei einem Menschen besser nicht schürfen. Ebenso ist es besser, wenn man nicht in jedem Restaurant, in dem man speist, die Küche oder den Koch sieht. Der Blick hinter die Kulissen kann einem mehr als nur den Appetit verderben.
Am Ende finden wir heraus, dass (fast) alle Menschen (kleine) Faschisten im Geiste sind. Solche Erkenntnisse würden sofort nach hinten losgehen. Unsere Dämonen lassen sich ungern in die Suppe spucken.

(* damit zog ich den Unmut mancher Mitmenschen auf mich – eine Erfahrung aus der Zeit, als ich in sogenannten Literaturforen unterwegs war)

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Am Tellerrand

„Universum könnte laut neuer Studie ein Hologramm sein“ – ich tauche in den Artikel ein. Dass die Wirklichkeit noch ein anderes (grundlegenderes) Gesicht haben muss, ist mir schon lange klar. Auch wenn ich es wissenschaftlich nicht nachvollziehen kann, finde ich die Vorstellung inspirierend. In poetischer Sprache würde ich sagen: Das Nichts schwitzt.
Begreifen lässt es sich nicht einfach, aber wir könnten einen großen Schritt weiterkommen in der Erforschung des Universums und seinen Erscheinungen. Wir Menschen sind selbst eine höchst bemerkenswerte Schöpfung in diesem Panoptikum von Materie und Energie. Wir beugen uns mittels unseres Geistes über den Tellerrand der uns eigentlich angewiesenen Wirklichkeit hinaus. Dies machen wir längst schon spirituell und nun auch wissenschaftlich im Versuch, Erklärungsmodelle für das Dasein der Welt zu finden.
Faszinierend an der Hologramm-Theorie erscheint mir als Laien, dass sie nicht immer weitere Dimensionen ersinnt, sondern die von uns wahrgenommene Raumzeit mit ihren dreidimensionalen Konstrukten aus dem Informationsgehalt einer Fläche generiert. Darum die Analogie zu der uns bekannten Hologramme, z.B. auf Scheckkarten. Die wissenschaftliche Denke natürlich ist unendlich komplizierter.

Ich liebe Vereinfachungen und Abstraktionen. Fühle mich sowieso wie ein Krabbeltier in einem verdammten Versuchslabor. Ich flitze durch ein Labyrinth aus Pappwänden und habe die irre Vorstellung, dass hinter diesen Wänden eine ganz andere Welt liegt, die wir nicht sehen dürfen oder sollen. Wahrscheinlich würde der ganze Versuchsaufbau zusammenbrechen, wenn wir ein Loch durch eine der „Wände“ bohrten.

Als Kleinkind spielte ich gern in der Sandkiste und grub wie wild Tunnel durch die Sandhaufen. Ich fand es spannend, mich ins Ungewisse zu buddeln. Ganze Labyrinthe durchzogen den Sandhaufen…, bis er schließlich so ausgehöhlt war, dass er über meinem grabenden Ärmchen zusammenbrach. Mir prägte sich dieses Bild des Tunnels ein, der just in dem Moment einstürzt, wenn man auf die andere Seite durchstößt. Zu kurz, um wirklich zu sehen, was dahintersteht, aber lange genug für einen Schauer der Erkenntnis. Dieses Gefühl lässt mich bis heute nicht los. Eine Mischung aus Faszination und Vergeblichkeit, eine Mischung aus Lust und Schmerz, – aus kurzem Gewinn und absoluter Verlorenheit…

Ich las diesen Artikel und empfand ähnlich: ein kurzes Aufblitzen der Wahrheit, aber nicht lange genug, um es festzuhalten.