Sagen wollte ich noch

Als ich an der Absperrung stand, mein Bier trank und auf den Umzug wartete, durchströmte mich eine Welle des Stolzes, dass ich in einer solch aufgeschlossenen Stadt wie Berlin wohnte. Die Menschen (Jung und Alt), die beim CSD zusammenkamen, waren allesamt friedlich gesinnt und wollten nur eins: Für die Freie Liebe demonstrieren und Spaß haben. Nichts zu sehen von Rassisten, Nationalisten und anderem rückwärtsgewandtem Gesocks. Die hatten sich wahrscheinlich in ihre Mäuselöcher verkrochen oder betrachteten das Spektakel getarnt und kleinlaut vom Rande. Ich dachte bei mir: Bevor rechte oder islamistische Spinner in dieser Gesellschaft die Macht übernehmen, sind es die vielen toleranzgeprägten Menschen, die hier zusammenströmen, Schwule, Lesben, Transsexuelle… Mag sein, etwas zu viel Karneval, und die scheiß Technomusik ist auch nicht meins, aber was zählt, ist der weltoffene Geist dabei. Bei aller Kritik an dem oberflächlichen Gehabe meiner Mitmenschen, finde ich solche Events doch gut, weil sie für mehr Toleranz und Frieden werben. Ich halte es nur nicht lange im Getümmel aus. Egal ob mit oder ohne Bierbetäubung. Und auf Pillen stehe ich nicht.
War jedenfalls schön zu sehen, dass dieser Gesellschaft noch lange nicht der Sumpf rechter Ideologie droht – auch wenn einem bei manchen Nachrichten angst und bange werden kann. In Berlin jedenfalls ist Interkulturalität Programm. Und wem das nicht passt, der kann ja nach Hinterfurzingen ziehen*.

 

*frei nach Donald Trump

Zeittotschlagen beim CSD

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Ich hatte mich mit der Zeit vertan und war zu früh vor Ort. Um einiges zu früh. Der Verkehr lief noch, und es wurde erst peu à peu voller am Nollendorfplatz, von wo aus ich das Geschehen betrachten wollte. Asiaten hatten Getränke in Wannen voller Eis herangekarrt und verkauften die Dosen und Flaschen zur Hälfte günstiger als die Getränkestände. Da stand ich also blöde rum mit meinem Bier und wartete auf den Umzug.

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Inzwischen strömten immer mehr Menschen herbei und platzierten sich am Straßenrand. Zwei Stunden vergingen – da wurde es mir zu bunt, und ich marschierte dem Zug entgegen Richtung Zoo.

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Vorneweg wie immer die Polizei, und danach sah ich den ersten Wagen. Ich steckte mitten im Getümmel. Wollte ich das? Außerdem drückte das Bier. Also nichts wie zurück zu meinem Fahrrad.

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Im Pub auf die Toilette und ein Bier. Draußen das ganz normale Chaos, etwas zugespitzter als sonst wegen der vielen Straßensperrungen. Eigentlich war es noch zu früh, um nach Hause zu gehen. Zum Biergarten wollte ich aber nicht mehr. Ich hatte genug vom Maulaffen feilhalten und dem städtischen Treiben. Also blieb ich noch ein Stündchen beim Wirt an der Bar hängen und genoss die Ruhe unter ein paar vertrauten Figuren.

Sommer in Berlin

Kacke nochmal, die Woche schlauchte. Aber ich liebe den Sommer und will nicht über die hohen Temperaturen jammern. In der Sonne schwitzen und kaltes Bier trinken. Dazu meine Lieblingsmusik hören, verträumt in die Runde schauen. So lässt es sich leben. Nach ein/zwei Stunden zieht es aber auch mich in den Schatten. Seit Tagen trage ich ein neues Buch mit mir herum. Vielleicht beginne ich am Wochenende endlich mal mit der Lektüre. „Das Schlangenmaul“ von Jörg Fauser – sollte nach meinem Geschmack sein. Ist halt so, dass ich nach acht Stunden Tumordokumentation keine Lust mehr auf irgendeine kognitive Beschäftigung habe.

Heute keinen schweren Gedanken nachhängen, sondern nur blöde aus der Wäsche gucken – kann ich eh am besten. Mal sehen, wie ich durch den Tag komme. Später einen Abstecher zum Nollendorfplatz machen, am Straßenrand stehen und gaffen, wenn der CSD Umzug vorbeikommt. Danach von der Sonne das Hirn wegballern lassen und bierselig dahindösen…
Auf geht`s, junger Mann!

 

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