Händewaschen und in die Ellenbeuge niesen

Schon Angst- und Stresssymptome wegen des Ausbruchs des Coronavirus in Deutschland? Wann gibt es die ersten Infizierten in der unmittelbaren Nachbarschaft? Für sowas wie ein Virus dürfte Berlin ein Schlaraffenland sein. Viele schwafeln derzeit in den Medien zum Thema der drohenden Epidemie herum, Mediziner, Politiker, Laien…, und hernach ist man so klug als wie zuvor. Die allgemeine Verunsicherung wächst. Weiß die Fachwelt wirklich so wenig über Viren, speziell dem aktuellen? Wenn ich den derzeit kursierenden Informationen über Corona bzw. Covid 19 Glauben schenken darf, dann müssen wir uns nicht allzu große Sorgen machen. Immungeschwächte, chronisch kranke und multimorbide Menschen haben freilich die Arschkarte. Aber die haben sie auch bei den saisonal üblichen Grippeerkrankungen. Ich verstehe schon, dass sich die Fachwelt bedeckt hält. Keiner der Herren Professoren will sich mit seinen Aussagen in die Nesseln setzen. Nur keine Panik. Wir haben soweit alles im Griff. Oder etwa nicht? … Und was können wir Bürger derweil machen, Herr Professor? Händewaschen und in die Ellenbeuge niesen. Vielen Dank, Herr Professor!
Wie schön, dass die Bevölkerung derart umfassend hinsichtlich des Coronavirus aufgeklärt wurde. Der Staat – dein Freund und Helfer. Hand hoch, wer sich von Behördenseite umfänglich und gut informiert fühlt? Hm… Dort! – ein Handzeichen von einem mutigen Mitbürger!
„Wie heißen Sie, guter Mann?“
„Peter.“
„Peter, Sie hoben die Hand.“
„Äh ja.“
„Sie haben wohl sehr viel Vertrauen in unsere Behörden? – haha!“
„Äh ja.“
„Natürlich, Peter, das dürfen Sie. Nur nicht so schüchtern.“
„Äh ja. Ich meine, dass die auch nur ihre Arbeit machen. Ich meine, die Behörden und die Politiker.“
„Aber natürlich Peter! – wir alle machen unsere Arbeit – haha!“
„Ich bin Tischler wie mein Vater und Opa. Wenn Sie einen Tisch bei mir kaufen, kann ich Ihnen versichern, dass es ein guter Tisch ist.“
„Das glaube ich Ihnen sofort, Peter. Und Sie sind nicht ein bisschen misstrauisch gegenüber der Arbeit der Behörden und Politiker?“
„Ich weiß nicht viel von Politik und Behördenarbeit. Aber prinzipiell dürfte es nicht so viel anders sein, als einen guten Tisch zu bauen, – was keinesfalls einfach ist.“
„Sehr schön, lieber Peter, Sie sind ein hervorragender Tischler – und gehen davon aus, dass alle Menschen auf dieser Erde dasselbe Berufsethos haben?“
„Als Handwerker kann ich es mir gar nicht anders vorstellen. Meine Kunden müssen auf meine gute Arbeit vertrauen. Ebenso muss ich der guten Arbeit unserer Staatsdiener vertrauen.“
„Sie meinen also, dass Behörden und Politik hinsichtlich der Bedrohung durch das neuartige Coronavirus alles richtig machen?“
„Sie tun sicher ihr Bestes.“
„Danke für Ihre interessanten Ausführungen, Peter, auch wenn ich Ihr Vertrauen in Behörden und Politik nicht unbedingt teile… Also: Fleißig Händewaschen und in die Ellenbeuge niesen! – haha!“

 

Wir werden sehen, was mit Corona auf uns zu schwappt. Ich sitze an meinem Ikea-Schreibtisch und wünsche mir einen, den Peter zimmerte. Sympathischer Kerl, wenn auch ganz schön naiv.