Gerade noch gepackt

Licht, Horizont, Seeluft, Wind und Bewegung, wobei ich Bewegung nicht im sportlichen Sinne meine, sondern die Bewegung hinaus aus dem Gewohnten. Wenigstens eine Woche mit Urlaubsgefühl, das sich zuhause nicht richtig einstellen wollte. Rostock mit dem Seebad Warnemünde bietet sich von Berlin aus am Besten für einen Urlaubstrip an. 3 Stunden mit dem Interregio. Das Faltrad geht als Gepäck.
Freitag vor Pfingsten war der Zug brechend voll – klar. Nicht nur ich kam nach den Corona-Lockerungen auf die glorreiche Idee, von zuhause auszubrechen. Angesichts der dahinschmelzenden Urlaubstage hätte ich es mir nicht verziehen, wenn ich nicht weggefahren wäre. Nicht auch noch über Pfingsten hier abhängen!
Okay, Rostock und Warnemünde sind mittlerweile vertrautes Pflaster. Es reißt mich nicht mehr um, wenn ich dort ankomme. Ich entfalte mein Faltrad und weiß, welche Richtung ich einschlagen muss.
Über Pfingsten übernachtete ich in einer Kammer mit Nasszelle, max. 8 m². Das Waschbecken kaum größer als eine Seifenschale. Für meine körperlichen Ausmaße war diese Kammer gerade noch nutzbar. Nix für Menschen mit Platzangst. Immerhin hing ein Riesen-TV über dem Fußende des Bettes… Ich kriegte in der Preisklasse kurzfristig nichts anderes mehr.
Tagsüber lungerte ich in Warnemünde und Rostock herum. Oder ich radelte in die Umgebung. Zu allererst stand der Strand auf dem Programm. Ich legte mich mit einer Flasche Merlot in den Sand und schaute mich um…

 

Es überkam mich

Ein besonderer Tag heute: Ich putzte die Fenster! Die Welt erstrahlt in neuem Glanze. Wenn auch nicht 100% streifenfrei.
Endlich auch die Wiedereröffnung des Biergartens vor meiner Haustüre gecheckt. Na ja, etwas kompliziert das Ganze mit Platzzuweisung und Angabe von Namen und Adresse. Sie haben auch Bier to go. Ich denke, da trinke ich lieber mein Bier im Park. Dort gibt`s außerdem mehr Eyecatcher.

 

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mit dem Bier war alles okay

 

Im Rausch von Sonne, Bier und Lockerungen

Ein paar Flaschen Bier beim Nahkauf besorgt und einen Sonnenplatz im Nelly-Sachs-Park ergattert. Die Menschen strömten am frühen Nachmittag. Der Feiertag, das tolle Wetter, die Corona-Lockerungen bewirkten, dass man sich benahm, als gäbe es keine Gefahr für die Gesundheit, als wäre das Virus ein schlechter Witz. Im Nelly-Sachs-Park war es verhältnismäßig ruhig, auch wenn der Spielplatz wieder geöffnet hatte. Ich chillte ein gutes Stündchen in der Sonne mit meiner Lieblingsmusik in den Ohren. Dann drückte die Blase, und ich legte eine Toilettenpause zuhause ein. Weiter ging es durch den Kiez, vorbei an Puschels Pub, wo sich freilich noch nichts getan hatte. In einem dortigen Nahkauf für Getränkenachschub gesorgt und zum Park am Gleisdreieck geradelt. Dass ich dort auf größere Menschenmengen treffen würde, war mir klar, aber was ich dann sah, übertraf meine Vorstellung bei weitem. Ich kam nur im Schritttempo voran, weil kreuz und quer Kinder umhersprangen, Spaziergänger in Gruppen unterwegs waren, Spielbälle umherrollten und flogen, Freizeitsportler joggten und skateten… ein Tohuwabohu an Menschen auf den Wiesen und Wegen. Normalerweise kein Platz für mich. Allerdings war ich über das Bild, das sich mir darbot, derart erstaunt, dass ich nicht anders konnte, als mich an dieser obskuren Szenerie in Corona-Zeiten sattzusehen. Ich traute meinen Augen nicht. Es hätte ein riesiges Polizeiaufgebot gebraucht, um die Menschen zu vertreiben. Und das wäre sicher in Gerangel und Gewalt eskaliert. Wahrscheinlich ganz bewusst zeigte sich nicht eine einzige Polizeistreife. Ich erspähte lediglich einige Park-Ordner, die Fotos machten. Hier konnte man exemplarisch beobachten, wie wir uns vom Verhalten unserer Mitmenschen anstecken lassen. Warum so eine blöde Maske tragen? – die anderen machen es doch auch nicht. Wozu Abstand halten? – hier hält doch niemand Abstand. Ein Schlag ins Gesicht für die vielen Gastronomen, die immer noch unter den Corona-Einschränkungen darben. Alle Regeln wurden über den Haufen geworfen. Lass mich doch mit diesem Corona-Virus in Ruhe… Ich selbst bin zwiegespalten. Wie ernst muss man Covid-19 nehmen? Heute Morgen las ich in einem Artikel, dass die Sterblichkeit in Deutschland im Vergleich zu den Vorjahren aufgrund Corona um 11% anstieg (betr. die letzte Woche im April, für die Daten vorliegen). Das ist nicht von Pappe. Sie sprechen von einer Übersterblichkeit. Kann man alle Zahlen einfach wegwischen? Oder verdrehen?
Die Regierung beugte sich dem Druck aus Öffentlichkeit und Wirtschaft. Möglicherweise wird sich das rächen. Wenn man als Kutscher die Zügel zu sehr lockert, gehen die Pferde durch. Ich schaue gespannt auf die nächsten Zahlen.

 

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Park am Gleisdreieck

 

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mein Reisefahrrad

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Kaninchen im Gestrüpp