Freitag

Scheint ein schöner sonniger Tag zu werden. Umso schöner, weil ich mir frei nahm. Ich habe nichts vor. Es wird schon passen. Genauso wie ich jetzt am Computer schreibe ohne Konzept und Thema. Ich habe Zeit. Ich warte auf Eingebungen, Impulse aus meinem Inneren oder von außen.
Über die Woche gibt es nicht viel zu sagen. Büromaloche halt. Die Hühner und ich. Wir sitzen im selben Boot. Irgendwohin wird die Reise schon gehen. Als Alleinlebender genieße ich die menschlichen Zuwendungen im Job: den Small-Talk, die Blicke, das Lächeln und Lachen. Es wird gelebt. Egal unter welchen Umständen. Ich meine das ganz ohne Pathos. Schade nur, dass ich der Arbeit, der Tumordokumentation, nicht allzu viel abgewinnen kann. Ad hoc fällt mir keine einzige Arbeit ein, die ich gern mache. Liegt möglicherweise an dem Aspekt „Arbeit“. Ich bin also froh, dass es viel schlimmere Berufstätigkeiten und Arbeitgeber gibt und halte durch, trinke mein Feierabendbier, gehe einkaufen, glotze TV…, befriedige meine Geilheit an geschmacklosen Internetpornos. Gratis und schnell.
Ehrlich, ich bewundere Menschen, die dieses Lebenskarussell nie satthaben. Wahrscheinlich sind sie zu abgelenkt. Egal. Jeder ist halt anders. Auch wenn ich mich als relativ schwermütigen Zeitgenossen ansehe, bin ich doch froh, dass ich Ich und kein anderer bin. Wird meinen Mitmenschen bis auf ein paar kranken Ausnahmen ebenso gehen. Ich denke, also bin ich. Im Großen und Ganzen reicht das. Mein Gehirn fickt sich selbst. Der Vorteil am Alleinleben ist, dass ich mich niemals nicht verlassen kann. Und beim Selbstbetrug bin ich gleichzeitig Täter, Opfer und Richter. Wie auch immer ich lebte, am Ende lacht mir der Tod ins Gesicht. Wozu also die ganze Aufregung? … Wozu da oder dorthin paddeln? Kommt man näher, stellt sich das Ziel meist als Irrlicht heraus. Ich mag das Bild des „Diogenes in der Tonne“, der an seinem Platz bleibt und über das Dasein sowie das Weltliche sinniert. Mir gefällt der Sternenhimmel, der stoisch die Dunkelheit der Nacht schmückt. Mir gefällt die Schönheit des Geistes in der Kunst und in den Wissenschaften. Dann noch die Liebe, diese wahnsinnige Blume des Glücks…

 

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ich legte ein paar Postkarten zusammen