Ich habe ein Recht darauf, aus dem Rahmen zu fallen

Nein, das Format eines Albert Schweitzer habe ich freilich nicht. Dazu fehlt es mir an Energie und Glauben. Ich erinnere mich, dass mir meine Mutter von Albert Schweitzer vorschwärmte. Er gehörte zu ihren Idolen.
Zufällig spülte mir das Worldwide Web dieses Zitat Albert Schweitzers (vorheriger Beitrag) zu, und ich war überrascht, wie gut es in die heutige Zeit passt. Noch nie wurde in unserer relativ jungen Demokratie so viel von Vater Staat bestimmt. Diese Entwicklung nahm schon lange vor Corona Fahrt auf und spitzte sich jetzt in der „Pandemielage“ zu. Wir Menschen versklaven uns zusehends selbst in einem undurchschaubar durchreglementierten Staatsgebilde, in einer hartherzigen und von jeglicher Vernunft losgelösten Bürokratie, in einem Gesundheitssystem, das profitorientiert ausgerichtet ist, in einer Konsumlandschaft, die in uns schwachsinnige Begehrlichkeiten weckt, in einem Meer von Versicherungen, welche uns für den Schadensfall das Blaue vom Himmel herunter versprechen… Dazu verlassen wir uns blind auf das, was in Tagesschau und anderen Formaten der Leitmedien tagtäglich auf uns einprasselt. Und zum Ausgleich betäuben wir uns mit allerlei dämlichen Fernsehshows, Soaps etc. mit intellektuell/geistig unterirdischem Nährwert. Wie soll in einer solchen Umgebung der mündige Bürger überstehen? – oder sich heranbilden? Doch nur, wenn er in Albert Schweitzers Sinne das Heft selbst in die Hand nimmt – auch auf das Risiko hin zu scheitern, bzw. mal falsch zu liegen. Natürlich, nicht jeder wird und kann ein Albert Schweitzer werden, aber man kann sich doch wenigstens seine Würde als selbstdenkender und freier Mensch bewahren… Darum spricht mir Albert Schweitzer mit diesem Zitat aus der Seele.


Alles ist hohl

Ich mag abwegige Ideen, also Ideen, die von unserer gelebten Wirklichkeit abweichen… teils erheblich abweichen. Auf YouTube ziehe ich mir allerlei rein: von UFO-Theorien, Präastronautik bis hin zur Hohlen Erde. Selbst die Mainstreamwissenschaft gelangte inzwischen an einen Punkt, wo irrwitzige Theorien sprießen. Wir reden vom Multiversum, von Wurmlöchern und eingerollten Dimensionen. Las ich als Kind noch fantasiesprengende Märchenbücher, so entdecke ich heute das Fantastische (Unheimliche) in den sogenannten konkreten Wissenschaften. Die Wissenschaftler erscheinen wie Magier, wenn sie über die Phänomene des Universums oder der Quantenwelt referieren. Ich weiß nicht, ob sie verstehen, worüber sie reden. Zumindest tun manche so. Erforschte Realität und menschlich erfahrbare Wirklichkeit stehen im Diskurs. Was ist Materie? Existiert sie als solche überhaupt? Was ist Raum? Was ist Zeit? Nicht einmal die genialsten Geister der Welt finden auf diese Fragen zufriedenstellende Antworten. Das Wesen der Welt bleibt ein Mysterium. Dazu gehört unser Dasein. Dazu gehören Bewusstsein und Intellekt, welche uns erst über die Welt sinnieren lassen.
Wer bin ich? Woher komme ich? Wozu das alles? Ich habe oft das Gefühl, dass solche Fragen ketzerisch sind. Niemand will sie hören. Selten gab es Menschen, mit denen ich mich darüber ernsthaft austauschen konnte. Der erste und zugleich wichtigste Mensch, der auf meine Fragen einging, war meine Mutter… Als Teenager wurde mir klar, dass ich niemals aufhören kann, unser Dasein zu hinterfragen. Ich kann mich nicht der materialistischen Welt ergeben. Auf der anderen Seite blieben mir die angebotenen Religionen suspekt. Ich sah in ihnen lediglich eine Ausrede.
Gott ist tot. Er passt schon lange nicht mehr in unsere Welt. In meine Welt hätte er nie gepasst. Zu jeder Zeit wäre ich ein Ketzer gewesen. Glücklicherweise lebe ich heute und nicht im Mittelalter.
Ich glaube an nichts. Ich verleugne gar meine Existenz. Ist das nicht verrückt? Dieser absurde Nihilismus schafft erst das, was ich zu begreifen meine… Eben nichts.
Da sitze ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor.

Das zumindest kapierte schon Goethe.

Zurück zur Faszination am Fantastischen: Weg von der Selbstvergewaltigung als funktionierendes Mitglied in einer Gesellschaft, die ich nicht verstehe. Weg von der irrsinnigen Bürokratie. Weg von der Leistungsgesellschaft. Weg von Ideen wie Glaube und Kapitalismus. Weg von Krieg und Ausbeutung. Weg von der Macht des Geldes. Weg von der Gewalt. Weg von den vielen Lügen…
– von mir aus hinein in eine Hohle Erde, wo das Gute nicht nur eine blasse Idee ist, sondern seit Jahrtausenden gelebt wird.