Auf der Biermeile

Quer durch Berlin zu radeln, ist eine Herausforderung. Wiedermal wurde mir bewusst, in was für einer berstend vollen Wahnsinnsstadt ich lebe. Der mittlerweile vertraute Kiez vermittelt mir das nicht in dem Maße. Wenn man also durch Berlin radelt, muss man alle Sinne hellwach halten. Nach einigen Bier auf der Biermeile freilich nicht mehr ganz einfach. Ich war froh, als ich wieder in vertraute Gefilde kam. Zuletzt noch ein Bier im Biergarten am Gleisdreieck, und der Kanal war voll.
Zu viele Menschen, zu viele Rüben, zu viel Verkehr, zu viele Ampeln, zu laut, zu wuselig… zu viele Eindrücke.

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Ich machte mein Fahrrad an einem Straßenschild fest und schlappte los, trank da und dort einen Halben in der Sonne (die Preise waren horrend) … Mir reichte es bald. Wenn ich was nicht mag, dann ist es Gedränge. Wo ich auch stehenblieb, stand ich jemandem im Wege. Nicht dass ich vom Bierfest enttäuscht war, ich kannte es schon von früheren Besuchen. Es sollte einfach ein Ausflugsziel sein, um mir den Samstagnachmittag um die Ohren zu schlagen.

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Auf solchen Massenveranstaltungen gerate ich automatisch in einen inneren Konflikt. In der Regel hege ich gegenüber meinen Mitmenschen Gefühle wie Zuneigung und Anteilnahme – ich gehöre schließlich zur selben Spezies… Ich kann stundenlang im Biergarten sitzen und meine lieben Mitmenschen betrachten. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Ab einer gewissen Dichte kippt die eigentlich positive Stimmung in mir. Die Menschen um mich herum verwandeln sich in oberflächliche, widerliche fressende und saufende Kreaturen. Ekel erfasst mich, und ich verlasse fluchtartig diesen Ort. Nur weg von hier!
Ähnlich kann es mir auch in Shoppingcentern, Fußgängerzonen oder auf von Menschen überfluteten Plätzen gehen. Mich zieht es dann an ein ruhiges Plätzchen in einem Park oder in eine mäßig besuchte Kneipe.
Ich halte meine Reaktion für völlig normal… Seltsam diese Welt – für viele kann es nicht voll genug sein. Verstehe ich nicht.

Spaghetti nach dem Regen

Kürzlich hatte ich eine Vision: Ich sah vor meinem geistigen Auge die Figur eines Mischwesens, halb Mann, halb Frau. Der Kopf mit einem langen Vollbart, wie ihn traditionell viele Moslems tragen, der aber seit einigen Jahren auch bei westlichen Männern stark in Mode ist (siehe z.B. Bloggerkollege Hypermental), Gesicht und Haarschopf waren von meiner Ex; und der Oberkörper: rechts die behaarte Brust eines Mannes, links eine weibliche Brust mit mehreren Brustwarzen… oder mehrere dicht aneinanderliegende weibliche Brüste mit je einer Brustwarze – genau habe ich es nicht mehr in Erinnerung. Jedenfalls hingen daran mehrere Missgeburten, die gesäugt wurden. Als ich diese Eingebung hatte, saß ich im Biergarten und schaute Löcher in die Luft. Die Bedeutung erschließt sich mir nicht. Wäre aber ein interessantes Motiv zum Malen.

Die Waschmaschine läuft. Endlich wieder Wochenende! Meine Bürokollegin war ungewöhnlich gut drauf. Sie freute sich darauf, mit ihrem Enkel zum Feuerwehrfest zu gehen. Ich nahm mir das Bierfest auf der Karl-Marx-Allee vor. Hoffentlich bleibt es trocken… Und hoffentlich treffe ich bei meiner kleinen Rundfahrt durch Berlin nicht auf meine Ex (man soll den Teufel nicht an die Wand malen).

Ein Starkregen läutete das Wochenende ein. Ich schaffte es gerade noch in die trockene Höhle des Pubs…, genoss das Geräusch des prasselnden Regens, den Blick hinaus auf die Straße und die frische Luft, die in den Schankraum strömte. Es wollte gar nicht mehr aufhören. Und so trank ich mehr als meine üblichen drei Bier.
Es sah irgendwann danach aus, als ob der Regen nachließe. Noch ein Bier? Nein, ich hatte genug. Obwohl ein netter Kerl neben mir saß, der mir zwischenzeitlich seine halbe Lebensgeschichte erzählte. Etwas schleppend, aber wirklich interessant. Er hatte alles hinter sich und wartete auf das Ende. Keineswegs verbittert – ganz im Gegenteil: er genoss seine Freiheit „jetzt und hier“. Lediglich seine Krankheiten und Gebrechen schränkten ihn ein – aber naja. Mir ginge es ähnlich, meinte ich – doch war klar: er hatte einen Vorsprung
Zuhause rieb ich mir die Haare mit einem Handtuch trocken und kochte Spaghetti.