Was ist Kunst?

Immer mal wieder brandet die Frage auf „Was ist Kunst?“.

Für die einen muss z.B. ein Bild mit einer besonderen Kunstfertigkeit einhergehen, um für sie als Kunstwerk durchzugehen. Sie sehen den Wert eines Produkts an die Arbeit gebunden, die darin steckt, oder an eine besondere Leistung. Wobei diese Betrachter Fantasie, Intuition und Leidenschaft nicht unbedingt als eine besondere Leistung anerkennen. Das sind meist dieselben, die der abstrakten und modernen Kunst gegenüber abgeneigt sind. Diese Personengruppe orientiert sich am Gegenständlichen, einer Leistung und dem Gebrauchswert. Ich gehe soweit zu sagen, dass diesen Menschen Kunst als Muse fremd ist. Sie machen sich lustig über Kunstwerke, die sie aus ihrer materialistischen Sichtweise für „entartet“ halten.
Aber gut, Kunst ist frei, und somit sollen auch freie Meinungsäußerungen dazu erlaubt sein. Wir Menschen sind unterschiedlich orientiert: die einen mehr materialistisch/grobstofflich und die anderen eben mehr geistig/feinstofflich. Ich will die unterschiedlichen Orientierungen und Veranlagungen nicht werten. Ich habe große Achtung vor Menschen, die ein Handwerk beherrschen, auch vor Spezialisten in Technikbereichen und Informatik. Und es gibt Menschen, die Kunst und Technik auf wunderbare Weise in ihren Werken zusammenbringen, z.B. in der Architektur, in Projekten wie dem damaligen Bauhaus. All das ist zweifelsohne Kunst. Aber auch das Bild auf meiner Staffelei ist Kunst, und das Gedicht, das ich auf einen Bierdeckel kritzele, ist Kunst. Kunst braucht keinen Auftraggeber und keine großen Namen. Der Kunsthandel verzerrt den Blick auf die Kunst. Das Publikum bekommt den Eindruck, dass Kunst umso wertiger sei, desto höher der Marktwert eines Produktes oder umso berühmter der Künstler – was in den meisten Fällen korreliert. – Bullshit! – Die Wertigkeit eines Kunstwerks ist abgekoppelt vom Geldwert. Kunst ist als Wert ebenso nicht fassbar wie Liebe. Wir gehen eine Beziehung ein und fühlen dabei keinen Sachwert, sondern einen Beziehungswert. Als Künstler denke ich nicht darüber nach, was Kunst ist… Ich mache sie. Kunst ist mein Ausdruck, Mensch zu sein (– ein Lebewesen mit Fantasie, Intuition, Bewusstsein, Liebe).

Was ist Kunst?
Für die einen wird sie eine Sache bleiben, die sie nicht so richtig nachvollziehen können. Und für die anderen bedeutet Kunst möglicherweise alles!

Der Tag wird kommen

Nachdem wir unzählige Weltuntergänge verpassten, wird ein Tag kommen, an dem es wirklich so weit ist. Ebenso wie der individuelle Tod eines jeden Lebewesens von Stunde zu Stunde näher rückt – die Sanduhr des Lebens läuft unweigerlich ab. (Wer versteht den Sinn dahinter?) Die Menschen flüchten in Religion und Ideen. Pflanzen und Tiere suchen nicht nach einem Sinn. Das Muster ist immer dasselbe: Geburt – Wachstum – Reife – Fortpflanzung – Vergehen. Evolution durch Rivalität, Auslese, Überlebenskampf, Anpassung. Die Natur braucht keine ordnende Hand – sie trägt alles in sich. Die Natur braucht keine Gesetze und keine Moral. Sie existiert selbstverständlich.
Nur wir Menschen entwickelten unsere ganz eigenen Ideen, durchschnitten die Nabelschnur zu unserer Allmutter. Wir entwickelten Sprache, Bewusstsein, Geist, Technik… Und da gibt es die einen, die Bewusstsein und Geist als ein Geschenk ansehen, in Frieden mit sich und ihrer Umwelt leben wollen; und es gibt die anderen, die in ihrem Größenwahn Kriege gegen die Natur und gegen sich selbst führen. Deren Gier kennt keine Grenzen. Sie glauben, dass sie alles beherrschen können. Dieser Menschenschlag hat sich im Zeitalter des Materialismus und Kapitalismus durchgesetzt.
Der Wahnsinnige wird sein Ende finden wie alles andere auch. Aber mit dem Unterschied, dass der Wahnsinnige in Unfrieden und Unverstand auf sein Ende zusteuert. Dass er zuvor die Hölle auf Erden erzeugt.

   

Auge des Universums

Abends, wenn ich es mir im Bett bereits gemütlich gemacht habe, lausche ich gern vorm Einschlafen allerlei YouTube-Beiträgen. Darunter auch wissenschaftliche Beiträge zur Quantenphysik – weil ich die mit ihren Paradoxien total faszinierend finde. Man kommt nicht herum zu fragen, was unsere Wirklichkeit im Grunde ausmacht. Welchem Daseins-Konstrukt sitzen wir auf? Auch lausche ich gern Beiträgen aus Philosophie und Grenzwissenschaften. Oder ich kuschele mich bei phantastischen Erzählungen von H. P. Lovecraft ins Kopfkissen.
Mit der Zeit kristallisierte sich der ein oder andere Favorit meiner abendlichen Bettkuschel-Séancen heraus. Darunter Thomas Campbell mit seiner Theory of Everything – von ihm kurz „My Big TOE“ genannt. Auch wenn ich ihm nicht immer folgen kann oder mag – seine Theorie, dass wir eigentlich in einer virtuellen Realität leben, hat was. Er bricht damit aus der klassischen deterministischen Physik aus und erläutert ein neues Weltbild, in welchem die Paradoxien der Quantenphysik sowie paranormale Phänomene einen Platz finden. Mir gefallen insbesondere seine Gedanken zum Bewusstsein, welches er als die entscheidende kreative Entität hinter allem hält.
Intuitiv deutete ich schon als junger Mann den bewussten Geist als das Auge des Universums und spürte, dass alles mit allem verbunden ist…, dass ich Teil einer Weltseele bin. Mit philosophisch-wissenschaftlichen Gedankenkapriolen dieser Art kann man mich also prima unterhalten (- falls nicht zu abstrus).
Eine ketzerische Frage an Thomas Campbell kam mir vorhin in den Sinn: Realität bleibt vordererst Realität – egal ob virtuell oder nicht – So what?


Erkenntnis

Das Universum ist ein gewaltiges Kunstwerk. Betrachtest du nur einen Farbklecks, wirst du es nicht erfassen. Zerlegst du es in seine Einzelteile, wirst du es nicht erfassen. Wir Menschen geben ihm einen Rahmen, obwohl es keinen Rahmen hat. Wir sind Teil dieses gewaltigen Kunstwerks. Jeder für sich, und alle miteinander. Die Erkenntnis kommt mit dem Loslassen. Die Erkenntnis kommt mit dem Durchschauen der selbstgeschaffenen Wände. Die Erkenntnis war schon immer da. Finde dein Drittes Auge. Öffne dein Drittes Auge. Träume dich in die Welt, und du erhältst Antworten.
Vergesse, dass es dich gibt.

Wie von selbst

Die Zweige der Stadtbäume schaukeln im eisigen Wind. Der Himmel grau. Kaum eine Menschenseele vor der Tür. Zwischendurch eingemummelte Gassi-Gänger. Eine Polizeistreife kreuzt meinen Blick. Ich zünde eine Kerze an. Es ist wirklich düster.
Mein Lieblingsbluessender läuft. Die Heizung aufgedreht. In den eigenen vier Wänden ist es behaglich. Ich kontempliere vor mich hin. In den letzten Tagen stieß ich auf den bemerkenswerten Thomas Campbell (Physiker und Bewusstseins-Forscher). Auf YouTube kursieren einige Gespräche/Interviews zu seinen Büchern und Thesen über die Welt und das Dasein. Seine außerkörperlichen Erfahrungen und Experimente brachten ihn zu „seiner großen Theorie von allem“. Wirklich faszinierend, was er zu sagen hat… Und nein, ich glaube nicht so recht an Astralreisen oder das Remote Viewing. Aber eine reizvolle Vorstellung. Dieser Campbell hat was. Er sieht ziemlich genau so aus, wie ich mir als Kind Gott vorstellte.
Inzwischen schneit es draußen leicht vor sich hin. Bei den jetzigen Minustemperaturen wird es liegenbleiben. Mal sehen, was der Himmel über Berlin in petto hat. Ich würde mich über eine Winterlandschaft freuen… Eine These Campbells ist, dass man durch „Absichten“ auf der „Seins-Ebene“ die Wirklichkeit beeinflussen kann. Z.B., wenn es also nur geringfügige Effekte braucht, um eine ganz andere Wetterlage herbeizuführen oder das Ergebnis eines Münzwurfs tendenziell zu beeinflussen. Als Jugendlicher verschlang ich Bücher, in denen es um solche parapsychologische Phänomene ging… Campbell betont dabei immer wieder, dass es nicht genügt, sich etwas zu wünschen. Man könne sowas nur von der „Seins-Ebene“ aus bewirken… Okay – vielleicht ist er einfach ein guter Märchenerzähler. Es gibt viele Menschen, die sich die Welt nach ihren Modellen zurechterklären, mehr naturwissenschaftlich oder mehr religiös/spirituell… Jeder aus dem Kontext seiner Realitätsblase heraus. An eine große Theorie von allem kann ich schwer glauben.

Ich stelle mir vor, jetzt über den Dächern Berlins zu schweben und zuzusehen, wie die Stadt immer weißer wird… Ob meiner Schwerelosigkeit bin ich glücklich und lächele, überrascht, dass das ganz ohne Physis geht… Nach einer (undefinierbaren) Weile kehre ich schließlich zurück zu meiner Adresse. Ich sehe mich, wie ich am Schreibtisch sitze und irgendeinen Text tippe. Neugierig schaue ich mir über die Schulter… Dann berühre ich mich liebevoll, und Flupp! bin ich wieder drin in mir… That`s it. Und es schneit weiter, als wollte es nicht mehr aufhören. Ein Universum tanzender Schneeflocken – so schön.


„Ich bin`s nur“ oder: Das Ding mit dem Dasein

Bevor ich die Frage nach einem Leben nach dem Tod stelle, frage ich vordererst nach dem Mysterium Leben. Was treibt mich an diesem Ort in dieser Zeit um als eine Kreatur, die sich Mensch nennt? Wer spricht aus mir? Ist das meine Seele? – oder ist es einfach dieser Nervenknoten in meinem Kopf, auch als Hirn bekannt? Und was heißt in diesem Zusammenhang Bewusstsein? Natürlich weiß ich, dass ich ich bin. Immer und immer wieder wache ich als derselbe auf, als der ich am Vorabend ins Bett ging. Und die Welt ist auch noch dieselbe, wenn ich meiner Erinnerung Glauben schenken darf. Freilich auf längere Sicht betrachtet, änderte ich mich schon – da muss ich mir nur ältere Fotos anschauen oder alte Gedichte und Blogbeiträge lesen. Es tat sich einiges in den mittlerweile fast sechs Jahrzehnten, in denen ich Tag für Tag die Sonne auf- und untergehen sah. Ich reifte heran und wurde Mitglied der Erwachsenenwelt. Wobei ich mit dem Attribut „erwachsen“ so meine Probleme habe. Aber das ist ein anderes Thema. Im Großen und Ganzen verlief mein Leben derart, wie es eben in unserer Gesellschaft vorgesehen ist. Wir leben in einer Art Korsett, und viele Menschen brauchen das auch, um nicht den Halt zu verlieren. Ich dagegen fühlte mich von den Erwartungen, Vorgaben und Zwängen durchweg gepiesackt und eingeengt. In meinem Kopf nahmen die Fragezeichen betreff der Sinnhaftigkeit menschlichen Treibens sowie der bestehenden Ordnung nie ab. Die Welt, in die ich geboren wurde, war mir fremd. Sie ist mir bis heute fremd. Ich lernte es, mich bis zu einem gewissen Grad anzupassen. Reiner Überlebenstrieb. Und natürlich veränderte ich mich mit den Jahren…, wie jede Kreatur dem Werden und Vergehen des Lebens unterworfen ist. Im Kern jedoch blieben meine Fragen nach dem, was ich hier eigentlich treibe. Und dieser Kern ist vielleicht das, was gemeinhin auch als Seele bezeichnet wird. Aber wo kommt die Seele her? Von meinen Eltern und Ahnen? Oder von den Sternen? (- was mir angenehmer wäre.) Ich glaube, dass von meinen Erzeugern lediglich die äußere Form stammt: zum einen körperlich, auch gewisse Charakterzüge, Begabungen, Stärken und Schwächen, quasi alles, was genetisch determiniert ist. Der Kern (oder die Seele) dagegen machen mein Ich aus. Selbst wenn das oberflächlich gesehen nur Leere sein sollte. Ich spüre, dass in meiner Form etwas ist, das den Tod überleben wird. Ich stelle mir die Seele wie einen Geistersamen vor, der von einer Form in die nächste fließt. Die Materie würde ohne diesen Geistersamen in sich zusammenfallen…

Soweit meine heutigen Gedanken zu dem entscheidenden Thema, welches mich, seit ich denken kann, beschäftigt und gewissermaßen prägt. Äußerst mysteriös das Ding mit dem Dasein…
Als ich am Morgen aufstand, hatte ich einen sonderbaren Gedanken: Wie wäre das, wenn ich in den Spiegel schaute, und die Person, die ich sähe, sie wäre nicht ich, sondern eine andere… Ich zögerte wirklich für ein paar Momente in den Badezimmerpiegel zu blicken. Verschlafen blinzelte ich dann doch hinein… und erkannte dieselbe Hackfresse wie immer. Die grinste mich breit an und meinte: „Ich bin`s nur.“
Was ein Trost!

 

Alles ist hohl

Ich mag abwegige Ideen, also Ideen, die von unserer gelebten Wirklichkeit abweichen… teils erheblich abweichen. Auf YouTube ziehe ich mir allerlei rein: von UFO-Theorien, Präastronautik bis hin zur Hohlen Erde. Selbst die Mainstreamwissenschaft gelangte inzwischen an einen Punkt, wo irrwitzige Theorien sprießen. Wir reden vom Multiversum, von Wurmlöchern und eingerollten Dimensionen. Las ich als Kind noch fantasiesprengende Märchenbücher, so entdecke ich heute das Fantastische (Unheimliche) in den sogenannten konkreten Wissenschaften. Die Wissenschaftler erscheinen wie Magier, wenn sie über die Phänomene des Universums oder der Quantenwelt referieren. Ich weiß nicht, ob sie verstehen, worüber sie reden. Zumindest tun manche so. Erforschte Realität und menschlich erfahrbare Wirklichkeit stehen im Diskurs. Was ist Materie? Existiert sie als solche überhaupt? Was ist Raum? Was ist Zeit? Nicht einmal die genialsten Geister der Welt finden auf diese Fragen zufriedenstellende Antworten. Das Wesen der Welt bleibt ein Mysterium. Dazu gehört unser Dasein. Dazu gehören Bewusstsein und Intellekt, welche uns erst über die Welt sinnieren lassen.
Wer bin ich? Woher komme ich? Wozu das alles? Ich habe oft das Gefühl, dass solche Fragen ketzerisch sind. Niemand will sie hören. Selten gab es Menschen, mit denen ich mich darüber ernsthaft austauschen konnte. Der erste und zugleich wichtigste Mensch, der auf meine Fragen einging, war meine Mutter… Als Teenager wurde mir klar, dass ich niemals aufhören kann, unser Dasein zu hinterfragen. Ich kann mich nicht der materialistischen Welt ergeben. Auf der anderen Seite blieben mir die angebotenen Religionen suspekt. Ich sah in ihnen lediglich eine Ausrede.
Gott ist tot. Er passt schon lange nicht mehr in unsere Welt. In meine Welt hätte er nie gepasst. Zu jeder Zeit wäre ich ein Ketzer gewesen. Glücklicherweise lebe ich heute und nicht im Mittelalter.
Ich glaube an nichts. Ich verleugne gar meine Existenz. Ist das nicht verrückt? Dieser absurde Nihilismus schafft erst das, was ich zu begreifen meine… Eben nichts.
Da sitze ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor.

Das zumindest kapierte schon Goethe.

Zurück zur Faszination am Fantastischen: Weg von der Selbstvergewaltigung als funktionierendes Mitglied in einer Gesellschaft, die ich nicht verstehe. Weg von der irrsinnigen Bürokratie. Weg von der Leistungsgesellschaft. Weg von Ideen wie Glaube und Kapitalismus. Weg von Krieg und Ausbeutung. Weg von der Macht des Geldes. Weg von der Gewalt. Weg von den vielen Lügen…
– von mir aus hinein in eine Hohle Erde, wo das Gute nicht nur eine blasse Idee ist, sondern seit Jahrtausenden gelebt wird.

 

Alle noch am Leben?

Die Welt ist gefühlt gefährlich. Besonders der Großstadtverkehr. Dann die vielen Krankheiten, die nur darauf warten, sich in dein Leben einzumischen. Schließlich noch all das andere wie: von der Leiter fallen, einen tödlichen Stromschlag bekommen, von etwas Herabfallendem erschlagen werden, Ertrinken, Opfer eines Brandes werden, Vergiftung…, und schließlich und endlich gibt es da noch Mord und Totschlag, Terror und Krieg. Jeder Tag kann der letzte sein.
Ich habe mal wieder eine Woche geschafft. Gut, das Büro ist nicht unbedingt der gefährlichste Ort. Eher sterbe ich zuhause im Bad durch einen unglücklichen Sturz. Auch Herzinfarkt und Schlaganfall sind aufgrund meines Alters, meines Bluthochdrucks und Alkoholismus nicht ganz abwegig. Ich dachte in dieser Hinsicht schon immer fatalistisch. Es kommt, wie`s kommt. Muss man das Elend bis ins hohe Alter mitmachen? Am Ende holt dich der Tod doch. Ich setze mich mit dieser Thematik schon seit meiner Jugend auseinander und komme zu dem Schluss, dass Leben und Sterben für das selbstbewusste Individuum ein Irrsinn sind. Oder anders gesagt: Es sollte/dürfte mich gar nicht geben. Bewusstsein bedeutet im Denken eine hochgradige Freiheit, welche aber in der biologischen Schöpfungswelt nicht vorgesehen ist. Ein Grund, warum der Mensch Ideen von Gott und einem Leben nach dem Tod ersann – eben um sich der Widersinnigkeit seines Daseins nicht zu stellen. Dass man sich dabei selbst in die Tasche lügt, wird in Kauf genommen. Wie der Volksmund sagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Und: Nichts Genaues weiß man nicht.

 

Rotznase und Qualia

Die Welt ist kryptisch. Nicht nur in der Philosophie, den Naturwissenschaften und der Kunst, sondern auch im Alltag. Besonders wenn man einen dicken Kopf aufgrund einer fetten Erkältung hat. Inzwischen quillt der Abfall von Rotztüchern über…
Zur Zerstreuung zog ich mir am frühen Morgen auf YouTube Physikzeugs und Philosophisches rein. Ich wälzte mich im Bett von einer Seite auf die andere und lauschte den Beiträgen. Schön war, dass ich viele meiner Gedankengänge und Fragen wiederentdeckte, bloß eben von Professoren formuliert. Erst quatschte Harald Lesch eine Stunde über die Grenzen der Erkenntnis in der heutigen Physik, und schließlich klickte ich auf ein Interview mit dem australischen Philosophen David Chalmers – war recht unterhaltsam, was er über Bewusstsein, respektive Qualia zum Besten gab. Unleugbar gibt es etwas, das aus mir herausschaut, riecht, schmeckt, fühlt, denkt…, sowas wie mein bester Kumpel, der auf Gedeih und Verderb an mich gekettet ist. „Hey Alter“, sagt er mir gerade, „lass dich von so`ner mistigen Erkältung nicht unterkriegen. Ruhe dich aus. Es ist Sonntag. Morgen gehst du zum Arzt und lässt dich ein paar Tage krankschreiben.“ Klar, recht hat er. Scheiß auf den hohen Krankenstand in der Firma. Der liegt nicht an mir… Hatschi!!! Schnäuz! Teufel, Teufel! Die können froh sein, wenn ich sie nicht mit dieser Seuche infiziere.
Aber zurück zum Qualia-Problem. Schon komisch, dass es dieses Bewusstsein gibt, mit welchem man eine Beziehung zu seiner Umwelt aufbaut bis hin zu philosophischen Fragestellungen. Chalmers fühlt sich zum Panpsychismus hingezogen. Kurzgefasst werden in dieser Theorie alle Erscheinungen der Welt als beseelt angesehen – jedenfalls mehr oder weniger. Daniel Dennett, seines Zeichens auch Philosoph (und der sieht wirklich wie einer aus!), vertritt einen relativ entgegengesetzten Gedankengang: Er vergleicht das Phänomen Bewusstsein mit der Benutzeroberfläche eines Smartphones, welche den komplexen Apparat für uns erst bedienbar macht. Das Bewusstsein ist in diesem Sinne ein von der Evolution hervorgebrachtes Konstrukt, eine naturalistische Software (um im Bild zu bleiben). Klar, dass sich Chalmers und Dennett öfters in den Haaren liegen. (Ich stelle mir vor, wie Chalmers Dennett am Bart zieht und Dennett Chalmers an seinen Haaren packt.)
Ich weiß nicht, wohin ich tendiere. Schätzungsweise sind wir alle Zombies und blasen uns lediglich geistig auf. Auf der anderen Seite verspüre ich in mir eine große Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmtheit… Dann das Problem mit dem Tod. Wo sitzt mein Bewusstsein, wenn nicht im Hirn? Und wo wird es einmal hingehen?
„Alter Walter!“ meint mein an mich geketteter bester Kumpel, „krieg dich wieder ein, du machst mich depressiv. Tu irgendwas, aber grübele nicht in einem fort über das Dasein und seine Macken. Es ist, wie`s ist. Vergiss das Leben nicht. Einfach mal wieder bumsen! Das wird dich wieder nach vorne bringen!“
„Hey, hey, hey! Du könntest dich etwas feiner ausdrücken. Von wem hast du diese ordinäre Seite? Erzwingen kann man nichts. Und ich philosophiere eben gern.“
„Noch nie was von Jekyll and Hyde, Faust und Mephisto gehört? Oder für dich weichgespült: Engelchen und Teufelchen?“

Ich brach die Unterhaltung ab. Ich lasse mich nicht aus der Fassung bringen, schon gar nicht von diesem Großmaul in mir. Ich bin ich. Zwischen mir und mir passt kein Blatt Papier.
Was läuft im Fernsehen? Gleich mal nachgucken. Ein nachmittagsfüllendes Wintersportprogramm wäre jetzt genau das Richtige.

Zimmer 7

Der Typ, der gerade diese Zeilen tippt, das bin nicht ich. Ich kann ihn beobachten, wie er das alles macht: morgens aufstehen, zur Arbeit gehen, mit den Bürohühnern quatschen, Einkaufen, im Pub Bier trinken…, aber das bin nicht ich. Nicht wirklich – es ist ein Programm, das abläuft. Aber was ist schon wirklich? Heute Morgen, als ich aufwachte, kam mir alles total unwirklich vor. Lebe ich in derselben Welt wie gestern? Oder kriege ich es nur suggeriert? Fuck! Mich beschleicht das unheimliche Gefühl, dass irgendwas mit der Welt grundlegend nicht stimmt, und niemand merkt was. Jedenfalls nicht ernsthaft. Vielleicht haben viele einen ähnlichen Verdacht wie ich aber trauen sich nicht, darüber zu reden – weil es einfach zu verrückt ist. Dabei ist für uns das Leben, wie es sich abspielt, nur deswegen normal, weil wir nichts anderes kennen und unser Hirn darauf programmiert bzw. geeicht ist. Abweichungen gelten als pathologisch. Ich bin mir aber sicher, dass ich nicht irre bin, sondern die Welt. Ständig frage ich mich, was ich hier eigentlich mache. Spielt da jemand ein abgefahrenes Spiel mit uns? Nach dem Motto: du darfst jedes Zimmer dieses Hauses betreten, nur nicht Zimmer 7 im dritten Stock. Zimmer 7 ist tabu, kapiert! Darüber gibt`s keine Diskussion!
Oder anders gesagt: Wer über eine gewisse Grenze hinausdenkt, betritt gefährliches Terrain. Jedes Programm hat seine Knackpunkte. Wenn man nicht will, dass alles kippt, hält man sich besser an die Regeln. Dumm nur, dass ich im Denken ein verdammter Anarchist bin. Ich stehe auf der Türschwelle zu Zimmer 7. Ich habe Angst. Nein, es ist nicht direkt Angst. Ich kann es schwer in Worte fassen. Eine Art Kälte, würde ich sagen…

Der Typ, der gerade diese Zeilen tippt, das bin nicht ich. Habe ich das schon gesagt? Keine Ahnung, was mit mir heute los ist. Wiedermal einer von meinen idiotischen Tagträumen. Ich hätte gestern den Cidre besser ohne Wodka getrunken. Dazu die schwüle Hitze. Und auf der Wiese machten zwei Girls Yogaübungen, und ich musste immer wieder hingucken, auf ihre Ärsche und Titten, ihre weiblichen Kurven… Fuck! Das ist Leben!