Ich bin zu alt für den Scheiß

Wie hypnotisiert starre ich auf die Sanduhr. Der Sand füllt nach und nach das untere Glas. Längst ist unten mehr als oben.
Ich kotze meine Seele in die Kloschüssel und spüle den Scheiß weg.

Vorgestern standen eine junge Frau und ein junger Mann in dunkelblauen Jacken von Gasag vor meiner Wohnungstür. Äußerst wichtigtuerisch. Sie wollten meine Stromrechnung einsehen. Die Frau laberte sofort auf mich ein. Ich stand in Unterhosen im Türspalt und starrte sie an. Gingen die Zeugen Jehovas unter die Stromanbieter?
„Sie haben wohl nicht verstanden, worum es geht?“ sagte die Frau mit ernster Miene, „die Strompreise werden immens ansteigen.“
„Klar, davon habe ich gehört“, sagte ich müde.
„Wir wollen anhand ihrer Rechnung prüfen, wo Sie zu viel bezahlen.“
„Sie wollen, dass ich zu Ihrem Verein wechsele. Aber ich bin schon groß – ich kümmere mich selbst um solche Angelegenheiten.“

Ich habe das Gefühl, dass bei solchen Begegnungen und Gesprächen der Sand besonders schnell von der oberen in die untere Hälfte der Sanduhr rieselt. Fremde Menschen und Institutionen mischen sich in Sachen ein, die sie nichts angehen. Es geht niemanden was an, wo ich meinen Strom oder meine Unterhosen kaufe, und wie viel Geld ich dafür ausgebe.