Anarchie des Wartens

Ich warte auf den Frühling, aber noch ist die Sonne kalt, zumindest hier im Osten Deutschlands.
In den Nachrichten gibt es kaum etwas anderes als Krieg, die Corona-Zahlen und den Wetterbericht.
Die gekalkten Zimmerwände schmiegen sich an mich wie eine zweite Haut. Ich kann die Stunden nicht zählen, die ich auf der Couch und im Bett verbringe.
Ich wundere mich über meine Tränen.
Die Welt ist ein Film. Mein eigenes Leben verblasst.
Ich stehe morgens auf, ich gehe zur Toilette, ich wasche mich, ich esse und trinke, ich gehe zu Bett, ich schlafe.
Ich atme. Mein Herz schlägt.
Meine Haare und Nägel wachsen unaufhörlich. Sie sind ziemlich anarchistisch.
Ich warte auf den Frühling oder sonst was. Oder ich warte auf eine wärmende Umarmung. Alles muss irgendwann aufgeladen werden, selbst wenn es nur nichtsnutzig herumliegt.