Macht euch locker

Heute startet die so sehr in der öffentlichen Kritik stehende Fußball-WM in Katar.
Noch immer warte ich auf meinen normalerweise alljährlichen Katarrh der Atemwege. Den letzten hatte ich Ende 2019.
Ich werde mir bestimmt das ein oder andere Spiel der WM anschauen.

(Hatschiiiiiii! – Schneuz! – Ich schätze, das ist der Hausstaub… Entschuldigung.)

Wieso soll ich die WM durch Nichtgucken boykottieren? Viele reagieren meines Erachtens wie trotzige Kinder: „Gucke ich nicht! – Nein, ich gucke diese WM nicht!“ Der Suppenkasper lässt grüßen.
Wir Deutschen gefallen uns viel zu oft in der Rolle der Spaßbremse.  Okay, ich bin auch nicht gerade der große Gute-Laune-Verbreiter. Darum trinke ich gern Bier… um mich locker zu machen.
Nicht, dass ich was gegen moralische Einwände hätte. Aber: Schon vergessen, wohin Deutschland seine Waffen liefert? – Nur mal so als Nachdenkimpuls.

(Hatschiiiiiii! – Schneuz! – Ich schätze, das ist der Hausstaub… Enschuldigung.)

Unglaublich, was für ein Spaltpilz während der letzten Jahre um sich greift. Wir lassen uns in Geimpfte und Ungeimpfte spalten, in Richtigdenker und Querdenker, in Raucher und Nichtraucher, in verantwortlich Handelnde und Asoziale, in Ukrainefreunde und Russlandfreunde, in Weltretter und Klimaleugner, in WM-Boykotteure und WM-Gucker… und vieles mehr.
Macht euch mal locker, Leute. Ich beiße nicht. Ich bin ungeimpft, vor allem ungeimpft von Ideologie.

Haaaaatschii!!

Schneuz – Niesanfall von den vielen feinen Haaren. Was weg ist, ist weg. Also machte ich mich gleich nach dem Aufstehen ans Werk. Den Haarfestiger kann ich mir vorerst sparen – perfekte Urlaubsfrisur. Ich fühle mich (fast) wie neugeboren.  
Noch keinen Plan für den Vatertag. Necip will am Nachmittag grillen. Ich weiß nicht, ob ich darauf Lust habe. Eigentlich wollte ich vor der Fahrradreise ein paar Kilo wegfasten.
Die Sonne tut sich schwer heute. Nicht, dass es noch schifft. Ein Bierchen wollte ich schon zischen gehen.

Eine Kollegin wurde positiv auf Corona getestet. Der erste Coronafall aus meiner nächsten sozialen Umgebung, den ich seit Anfang der Pandemie mitkriegte. So weit ich weiß, geht`s ihr gut. Die Chefin vermeldete den Namen der betroffenen Person nicht, doch durch den Buschfunk kriegten alle schnell mit, um wen es sich handelt. (Ich als einer der letzten.) Viele meiner Kollegen/Kolleginnen sind verwhatsappt. Ich lehne WhatsApp ab, ebenso Facebook und Twitter. Will ich nicht, brauch ich nicht. Gegen gewisse Dinge sträuben sich mir die Haare…

Haaaaatschii!! – nicht wegen der feinen Haare und nicht wegen irgendwelcher Pollen. Ich reagiere auch allergisch auf geistige Inhalte, die sich mit meinem Denken und Fühlen schwer vereinbaren lassen… Ich glaube, dass ich, als ich vor rund 60 Jahren (Mitte Dezember) das Licht der Welt erblickte, erstmal kräftig niesen musste.

Nun also bis 10. Januar

Fuck! Ich werde für meine Berliner Lieblingskneipen beten… Ich weiß, es gibt diesen gutherzigen alten Mann mit dem langen weißen Bart nicht. Da ist niemand im Himmel außer den Sternen und Nebeln. Ein paar Aliens flitzen da noch herum, trinken Bier und spielen Skat. „Skol!“ rufe ich ihnen zu, „braucht Ihr `nen vierten Mann?“
Corona macht mich krank, ohne dass ich Corona habe. Dazu noch Weihnachten, das mich alljährlich krank macht. Man kann sich das wie eine Allergie vorstellen… Hatschi! Ich muss nur dran denken, und schon kriege ich einen Niesanfall. Besser das Thema wechseln.
Mal die Bude durchlüften. Luft mit Kühlschranktemperatur strömt sofort herein. Ich nehme ein paar tiefe Züge. Guter Stoff!
Ich komme mir vor wie im eigenen Mini-Altenheim – Bewohner und Pfleger in einer Person. Das ist nicht witzig. Trotzdem darf gelacht werden.

„Was steht an?“ frage ich den Pfleger.
„Erstmal Duschen und Zähneputzen, Alter.“
„Muss das sein?“
„Na klar, oder willst Du stinken wie ein Otter?“
„Wen kümmert`s?“
„Na mich, Du Depp, es ist mein Job, dass ich mich um Deine Grundversorgung kümmere.“
„Scheiß Job.“
„Das kannst Du laut sagen, Alter.“
„Willst`n Bier?“
„Nicht jetzt. Später vielleicht.“
„Ich verpetz Dich auch nicht.“
„Ich lass mich nicht bestechen. Nicht von so`nem alten Sack.“
„Hey, hey Bürschchen, nicht unverschämt werden!“
„Los jetzt, hoch mit dir – ins Badezimmer!“
„Ein alter Mann ist kein D-Zug…“
„Lass die Sprüche!“
„Arsch!“


Der Rückflug

Zurück ging`s mit einem Airbus A320. Die 30 Sitzreihen klebten förmlich aneinander. Der Sitzabstand betrug circa einen Dreiviertelmeter. In solchen Fliegern werden Menschen wie bei der Massentierhaltung eingepfercht. Es ist doch immer wieder ein Erlebnis in einer gut 30 Meter langen Blechbüchse mit 160 anderen Idioten 10.000 Meter über dem Erdboden ein paar Stunden abzusitzen.
Ich bewunderte die alten Säcke, wie sie stoisch ihr Schicksal ertrugen. Einige stöhnten und ächzten, aber ansonsten blieben sie ruhig, blätterten in Magazinen, lösten Kreuzworträtsel und vesperten brav. Ich hatte extra einen Sitzplatz am Mittelgang gebucht, um meine Beine seitlich ausstrecken und durchbewegen zu können. Doch kaum waren wir in der Luft und durften die Sicherheitsgurte lösen, begann eine nicht abreißende Karawane zu den Flugzeugtoiletten. Zudem ruckelten in regelmäßigen Abständen die Flugbegleiterinnen mit dem Versorgungswägelchen durch den Gang. Hin und zurück, und dann nochmal, um die Abfälle einzusammeln. An ein entspanntes Ausstrecken der Flossen war nicht zu denken. Gut, ich fliege nicht zum ersten Mal und kenne all diese misslichen Umstände. Und jedes Mal nehme ich mir vor, dass ich mir das nicht so schnell wieder antun will. Es ist wie beim Zahnarztbesuch – wobei man für die Folter auch noch eine ganze Menge Geld zahlt.
Die Situation in einem Flieger ist ausweglos. Besser nicht drüber nachdenken. Einfach die Augen schließen, ruhig und gleichmäßig atmen und an was Schönes denken, z.B. an den verbrachten Urlaub. Ich versuchte es… wirklich! Ich muss da wohl an mir und meinen Entspannungstechniken arbeiten. Da war dieser Typ in der Sitzreihe direkt vor mir, der seine Sitzlehne zurückstellte und mir damit noch einige Zentimeter Platz raubte. Seine Frau bemerkte meinen ärgerlichen Gesichtsausdruck und stupste ihn darauf an. Es wäre nicht anständig, bei solch engen Verhältnissen die Lehne zurückzustellen. Ich lächelte zustimmend. Doch der Typ war einer von der Sorte „Ich lass mir nichts sagen“ und meinte lediglich: „Er wird`s überleben.“ Dabei lachte er blöd. Ich hasse solche Großkotze – mein Gott, wie ich die hasse! Er ließ mir keine Wahl, ich musste ihn killen. Am liebsten hätte ich ihm von hinten die Kehle durchgeschnitten, aber mangels eines Messers rammte ich ihm meinen Kugelschreiber bis zum Anschlag ins rechte Ohr. „Gut gemacht“, sagte seine Frau. „Immer wieder gern“, sagte ich. Ich rammte dem Arsch, auf dessen Rübe ich die Flöhe zählen konnte, während des Fluges einige Dutzend Mal den Kugelschreiber ins Ohr – nur in meiner Fantasie freilich, denn ich bin ein äußerst friedliebender Zeitgenosse. Ich ließ mich noch nicht mal auf ein Wortgefecht mit dem Arsch ein. Es muss auch gute Menschen wie mich geben. Wenn ich mich mit dem Arsch streite, stelle ich mich mit ihm auf eine Stufe. Die fünf Stunden werden schon rumgehen. Einfach die Augen schließen, ruhig und gleichmäßig atmen und an was Schönes denken, z.B. wie ich den Typen vor mir massakriere…, dieses selbstgefällige ARSCHLOCH!!

Kaum bin ich einen Tag in Berlin, hat die Verschleimung meiner Atemwege wieder zugenommen. Eine Allergie? Habe ich mir auf dem Rückflug eine Erkältung eingefangen? Oder ist`s der großstädtische Feinstaub? Die Seeluft war sicher besser. Auch heute hängt wieder eine Dunstglocke über Berlin. Die Waschmaschine mit der Urlaubswäsche läuft. Der Blues läuft. Ein kalter Drink steht neben mir. Alles ist gut.