Bestimmt verfahren

So was kann passieren. Ein Tag ohne Licht. Das Heulen der U-Bahn im Ohr. Morgendlicher Blues. Die täglichen Nachrichten ertrage ich nicht mehr. Auf der Wodkaflasche das Emblem eines stattlichen Hirschs. Dafür, dass ich fast 6 Jahrzehnte im falschen Universum lebe, habe ich mich gut gehalten, denke ich und grinse innerlich. Ich meine, es könnte schlimmer sein. Es ist wie auf der Kirmes. Wenn man erstmal in der Achterbahn sitzt, gibt’s kein Zurück mehr. Okay, man kann sich krampfhaft festhalten, die Augen schließen und warten, bis es rum ist. Wieso haben die anderen eigentlich so viel Vergnügen daran? Was zum Teufel ist mit denen los?! – ich kann also nur falsch sein. Dieser Gedanke beruhigt mich etwas, denn ich will mich nicht unnormal fühlen. Falsch abgebogen oder falsch gelandet. So was kann schließlich passieren. Deswegen ist man noch lange nicht unnormal. Gott sei Dank sieht man mir das auch nicht an. (Oder doch?) Ich sehe im Großen und Ganzen aus wie alle anderen. Ich wollte nie auffallen. Lieber im Boden verschwinden. Intuitiv wusste ich schon immer, dass ich hier falsch war.
Der Tag ist noch in der ersten Runde. Sein Stoizismus überträgt sich auf mich. Er ist weder ein Sprinter noch ein Langstreckenläufer. Er kommt und geht. Tage sind Staffelläufer. Ich lasse mich fallen. Ich warte ab. Wie eine Spinne in einer Zimmerecke. Mit dem Unterschied, dass die dort genau richtig ist. Jedenfalls vermute ich es.