Es war gestern und ist doch heute (8)

Er hatte das Gefühl, dass nichts gut sein kann. Wenn er die Musik aufdrehte, verschwand die Wirklichkeit hinter einem trüben Vorhang. Er sah die weichen Konturen einer Nackten hinter einem Duschvorhang. Er sah den Frühling und die Wände seines Zimmers. Er setzte die kalte Bierflasche an.
Wenn man wollte, konnte man einfach verschwinden. Und die Welt war nichts als ein surrealer Traum.
Nichts wusste er von seinem Gehirn und dem Herz, das in seiner Brust den Takt des Blutes schlug.
Nichts wusste er von seinen Händen, die auf der Computertastatur schrieben.
Was war die Sprache? Sie hing irgendwie in der Luft.
Es war Mittag, der 1. Mai. Er saß am Computer und suchte nach Worten. Für Alles und Nichts. Wenigstens ist es kein Albtraum, dachte er, es ist nur ein Tag – ein Tag in meinem Leben.
Er saß vor der Kamera. Er war die Kamera. Nichts wusste er von der Natur, von den Jahreszeiten. Nichts wusste er von der Erde, von dem Himmel. Schon gar nichts wusste er von den Sternen.
Er trank und schrieb. Er hörte laut Musik. Es gab keinen Raum. Es gab all die Dinge nicht. Man konnte sie anschauen, ohne sie zu sehen. Was blieb neben dem Funktionieren übrig?

(01. MAI 2009)

1. Mai (2021)

Noch eine Arbeitswoche, und ich habe Urlaub, 2 Wochen. In Corona-Zeiten von Urlaub zu sprechen…, ich weiß nicht. Mit Urlaub verbinde ich eine schöne Reise, nicht nur Pause vom Job, sondern auch einen Wechsel der Perspektive, d.h. raus aus der Wohnung (besonders, wenn man im Homeoffice ist) und raus aus dem schnöden Alltag.
Die Gefahr des Versackens in den eigenen vier Wänden ist groß. Ich kenne mich. Vor allem an grauen Tagen – wie z.B. heute. Der Mai beginnt trist und kalt. Von wegen Sonne und Mai-Bowle. Keine Volksfeste, nur ein paar Demos… Polizei und Ordnungskräfte können dem Wettergott danken. Bei schönem Wetter wären die Menschenmassen nicht zu bremsen. Na ja, trotzdem werden einige tausend zusammenkommen und ihren Protest gegen die Einschränkungen der Grundrechte kundtun, Frust und Ärger ablassen… Ihr gutes Recht, wie ich finde. Eine Demokratie muss Diversität aushalten. Diversität gehört zur Kultur einer freien Gesellschaft. Auch in Zeiten einer Pandemie.

Vor kurzem antwortete ich auf einen Beitrag des von mir geschätzten Bloggers Grinsekatz. Ja, Corona war mal wieder Thema. Wir nehmen dazu kontroverse Haltungen ein. (Na und?) Nach zwei kritischen Kommentaren meinerseits entzog er mir das Wort. Es ging bei unserem Diskurs lediglich um den harmlosen Austausch unterschiedlicher Sichtweisen und Argumente. Schade, dass ihm die Sperrung nicht einmal eine Begründung wert war. Das fand ich menschlich mies. Mir gehen auch manche Antworten auf meinen Blogs auf den Sack. Zum Mittel der Sperrung greife ich nur, wenn die Kommentare unter die Gürtellinie zielen. Sowieso kündige ich es vorher an und erkläre diesen letzten Schritt.
An diesem Beispiel kann man gut sehen, wie entzweit unsere Gesellschaft ist. Nicht erst seit Corona, aber diese Krise weckte offenbar einiges an intoleranter Meinungskultur, was vorher im Verborgenen schlummerte…, bestenfalls mal in bierseliger Runde aus den Leuten herausbrach. So ähnlich verhält es sich auch bei den Themen Migration und Rassismus. Seitdem die AfD auf den Plan trat, halten viele Menschen nicht mehr hinterm Berg mit ihren fremdenfeindlichen und rassistischen Haltungen. Und in der Corona-Krise fühlen sich besonders die Duckmäuser- und Spießerseelen bemüßigt, ihre Intoleranz auszuleben. Sie plappern nach, was ihnen über die Regierung und die Leitmedien täglich eingetrichtert wird. Sie folgen brav der Corona-Propaganda und Impfkampagne. Jede kritische Stimme wird sofort (und völlig undifferenziert) als Volksschädling identifiziert und dementsprechend als Covidiot, Verschwörungsmystiker oder als Rechter gebrandmarkt.
Es ist lange/hinreichend bekannt, wie Staatspropaganda funktioniert – wie Menschen über Angstmache und einseitige/falsche Informationen bestens manipuliert/geführt werden können. Trotzdem fallen wir immer wieder drauf rein. Aus Blödheit? Aus Angst? Aus falschem Glauben?

Allen Lesern und Bloggern einen schönen 1. Mai!

Ich verkrümele mich heute

Sieht so aus, als sollte der 1. Mai 2020 ein Nasenlöcher-Ausräumtag werden. Ich kann es überall: vorm Schreibtisch, auf der Couch, im Bett…, Hauptsache, ich fühle mich unbeobachtet. Unglaublich, wie mein Zeigefinger zielsicher das für ihn bestimmte Nasenloch findet. Links zu links, und rechts zu rechts. Ich bin fasziniert von dieser Symmetrie. Es gibt Dinge, an die man sich derart gewöhnte, dass man nicht mehr drüber nachdenkt. Dazu fällt mir auf, dass ich mich oft am Kopf kratze. Meist knapp überm Hinterohr – wie ich das bei Hunden beobachtete. Oder ich kratze mich ganz oben am Haupt, und Hautschuppen rieseln wie Schnee auf den Schreibtisch…
Wenn ich schonmal dabei bin: Auch in meinen Ohren bohre ich nebenbei herum. Dann ist da noch die Augenbutter… (Woher kommt nur der ganze Schmodder?) Ich stelle mir vor, wie ich alles gleichzeitig mache, während ich an meinem Notebook diesen Text tippe. Wie viele Finger/Hände brauche ich?

Schon nach 14 Uhr… Unglaublich. Ich stand gegen Neun auf – was habe ich nur die ganze Zeit gemacht? Kratz.