Gedankenkrebs

Endlich der versprochene Goldene Oktober! Die Sonne bringt die bereits herbstbunten Blätter zum flirren. Ich sitze am Schreibtisch und blinzele immer wieder nach draußen. So ein Wochenende ist viel zu kurz, denke ich, der Samstag gestern war für die Tonne. Ich fühle mich fett und bewegungsfaul. Mir fehlt es an Antrieb und Ideen. Nach fünf Tagen Dokumentation träume ich von Tumoren. Der Stahlschrank, in dem die Tumormeldungen lagern, platzt aus allen Nähten. Wir kommen in der Abarbeitung der Flut von Meldungen nicht nach. Die Registerleiterin steht unter Druck. Es stehen mehr Fragen als Antworten im Raum. In den Büroräumen betretene Stimmung. Mehr als dokumentieren können wir nicht. Und das ist schwer genug bei der komplexen Materie. Die Abbildungsmöglichkeiten des Dokumentationssystems sind beschränkt. An manchen Fällen könnte man verzweifeln. Ich fühle mich an meine Zeit in der Altenpflege erinnert: Was wissen die da oben von den Schwierigkeiten unserer Arbeit? Sie entwerfen auf dem Reißbrett, wie es laufen soll. Wenn es nicht nach ihren Vorstellungen klappt, suchen sie die Fehler nicht bei sich, also bei ihrer Planung, sondern zuerst bei den unteren Ebenen…
Scheiß Politik – überall! Aber okay, ich will mich trotzdem nicht beklagen. Dank der Tumordokumentation habe ich einen neuen Job. Vielleicht wird aus dem Projekt ja noch was.
Vielleicht wird aus diesem Sonntag noch was.

Advertisements

Berliner Krankheit

Alles fing mit Anomalien an, welche man einer schlechten Verarbeitung der Werkstoffe zuschrieb. Dinge verformten sich, bekamen Beulen oder zerfielen in ihre Bestandteile. Diese Erscheinungen wurden bei nahezu allen Gebrauchsgegenständen beobachtet. Nach einiger Zeit waren selbst größere Objekte wie Autos, Bahnen und schließlich ganze Häuser und Straßen betroffen. Eine Art Virus schien die Dinge anzugreifen und zu beschädigen. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass sich die Struktur der Materie auf molekularer Ebene veränderte. Die werkstoffspezifische Differenzierung ging verloren. Die Materie verwandelte sich nach und nach zu einem sich ausbreitenden amorphen Brei. Das Phänomen erinnere stark an das Verhalten von Krebszellen, sagten einige Forscher. Doch die meisten hielten solche Vergleiche für an den Haaren herbeigezogenen Blödsinn, ein Bioorganismus sei etwas völlig anderes als eine Stadt…
Seltsamerweise waren diese Veränderungen bis dato nur in Berlin beobachtet worden. Jenseits des sogenannten Speckgürtels wurden sie nicht gesichtet.
Inzwischen mussten ganze Häuserzüge evakuiert und Straßen gesperrt werden. Der Nahverkehr brach fast vollständig zusammen. In einer außerordentlichen Krisensitzung des Senats wurde beschlossen, die Stadt unter eine Art Quarantäne zu stellen, bis die Ursache des Zerfalls geklärt sei. Wer Berlin verlassen wollte, musste sich nackig machen. Es durften absolut keine Dinge mitgenommen werden, nicht mal die Kreditkarte, geschweige denn Geld. Da man das Herausschmuggeln von Wertsachen befürchtete, wurden die Menschen an den eingerichteten Grenzstellen akribisch untersucht. Viele fühlten sich an DDR-Zeiten erinnert, aber nun sei es noch viel schlimmer. Die stolze Hauptstadt verwandelte sich zusehends in ein Trümmerfeld. Auch dieses Bild kannte man aus der Geschichte.
Die Wissenschaftler standen vor einem Rätsel: So etwas hätte es noch nie gegeben – nicht im ganzen Universum; die Materie mache, was sie wolle, als wären Atome und Moleküle nicht mehr von dieser Welt. Gott sei Dank betraf es nur von Menschenhand produzierte Dinge. Im Zuge der schrecklichen Ereignisse stellten sich viele Fragen: Wo nahmen die Veränderungen ihren Anfang? Waren künstliche, wie auch immer geartete Viren aus einem geheimen Forschungslabor entwichen? Handelte es sich dabei um einen neuentwickelten Kampfstoff, der nur tote Materie angriff? War das Ganze ein heimtückischer Anschlag? Wurde der Bevölkerung mal wieder etwas vorenthalten? Lässt sich diese „Epidemie“ aufhalten? Ist Berlin noch zu retten?
Im Internet kursierten jede Menge Theorien. Da wurde von Materie-Krebs gesprochen, von einem Unfall in einem Geheimlabor, von einem Terrorakt, von der Berliner Krankheit (was auch immer das heißen mag), von einem Angriff Außerirdischer… Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt.
Obwohl man alles zurücklassen musste, verließen immer mehr Berliner ihre geliebte Stadt. Ein normales Leben war unter diesen Umständen nicht mehr möglich. Es grenzte an ein Wunder, dass überhaupt noch was ging. Früher oder später würde sicher auch das Stromnetz zusammenbrechen. Niemand wollte in einer Ruinenstadt leben. Selbst die Gauner hatten keinen Spaß mehr. Die Sachen, die sie klauten, waren nur noch in Berlin von Wert, und das auch nur, solange sie heil blieben. Einige hofften freilich, dass der Spuk einfach eines Tages aufhörte, wie er begonnen hatte, und harrten aus.
Möglicherweise wachte man eines Morgens auf und registrierte erleichtert: …nur ein böser Traum! Der Blick aus dem Fenster zeigte das vertraute, funktionierende Berlin. Alles stand an seinem Platz, kein Ding war absonderlich, der Verkehr staute sich wie üblich in den Straßen, Waschbecken und Klo unverformt, und die Wände hatten keine Beulen… Es herrschte wieder der ganz normale Wahnsinn – ungeheuer beruhigend!

Sonntagskind

Ich könnte mit dem Heute zufrieden sein. Materiell gesehen bin ich satt. Nach allem, was in meinem Leben passierte, darf ich mich glücklich schätzen, dass ich heute (für meine Verhältnisse) gut dastehe. Ein Wunder, dass ich noch hier bin, ehrgeizlos wie ich bin – Tunichtgut, Tagträumer, faule Ratte, hoffnungsloser Trinker und Weltabgekehrter.
Womit habe ich eine liebende hübsche Frau verdient? Wie kam ich zu der Wohnung in der Mitte Berlins? Wie zu dem Job, der mir wieder ein sicheres Einkommen sichert? Warum bin ich nach den vielen Alkoholexzessen nicht schon längst am Arsch?
Ich bin ein echtes Sonntagskind. Am dritten Advent 1962 in die Welt berufen. Eigentlich hatte ich gar keinen Bock, aber der Arzt gab meiner Mutter Spritzen, damit die Wehen einsetzten. Er wollte rechtzeitig in seinen Winterurlaub starten (erzählte mir meine Mutter). Die Folge war, dass die Milch, die meine Mutter im Überfluss hatte, abgepumpt und weggeschüttet werden musste. Wegen der Spritzen war sie schlecht. So wurde ich zum Flaschenkind – und bin es heute noch.
Nein, meinen Alkoholismus will ich damit nicht entschuldigen. Blödsinn. Für alles, was ich in meinem Leben verbrockte, trage ichallein die Verantwortung. Die Umstände des Lebens kann man sich gerade als Kind nicht aussuchen. Sicher lief viel falsch. Wie in anderen Familien auch. Familiengeschichten sind eine Sache für sich…
Irgendwann hat man es geschafft und sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen. Und von diesem Zeitpunkt an sagt man sich, dass man damit leben muss, was passierte, und für sein Leben selbstverantwortlich ist. Das leuchtet doch ein, oder?
Wenn ich unzufrieden bin, liegt es allein an mir. Und ich habe verdammt noch mal keinen Grund, unzufrieden zu sein. Wozu hechte ich einer imaginären Freiheit hinterher, die ich nie erreichen kann?
Woher kommt der verfluchte Drang, von allem davonlaufen zu müssen? Ist die Welt so schlecht?

Satt

Der Brückentag im Büro kommt fast gemütlich daher. Die Chefin krank und nur etwa die Hälfte der Kollegen/Kolleginnen anwesend. Fahles Licht in den Räumen – mehr gibt der Tag nicht her. Es fängt zu schiffen an, als ich 13 Uhr in die Mittagspause radele. Schnell haben sich große Pfützen auf den Gehsteigen und Straßen gebildet. Großstädte sind bei Regen besonders hässlich: der Verkehr erscheint noch lauter, der Dreck noch dreckiger, die nassen Hausfassaden hässlich wie die Nacht… Ich bin der einzige Gast in der Kiezkneipe, wechsele ein paar Worte mit der Kneipenmutter, die in ihrem früheren Leben Hebamme war. Danach noch einmal aufraffen, zurück in die Büroräume, ein paar Fälle dokumentieren, teils interessiert, teils uninteressiert am sozialen Miteinander, je nach Thema mit den Quasseltanten im zwielichtigen Flur stehen. Die Stimmung lockert auf vor Feierabend. Morgen Tag der Deutschen Einheit, ein freier Tag, der die Arbeitswoche verkürzt.
Die Menschen strömen in den Supermarkt, als wäre schon wieder Wochenende. Ich reihe mich ein. Ein paar Sachen fallen einem immer ein, die man noch einkaufen könnte.
Zuhause schalte ich die Glotze an und fläze mich auf die Couch, eine Pulle Bier vor mir und Lasagne aus der Mikrowelle. Ich zappe durch die Programme, bleibe ein paar Minuten bei „The Big Bang Theory“ hängen, zappe in der Werbepause auf den Nachrichtensender und erfahre von dem Drama, das sich in Las Vegas abspielte. Ein Mann hatte aus dem 32. Stockwerk eines Hotels heraus auf die arglosen Besucher eines Country-Festivals geschossen. Über fünfzig Menschen wurden getötet, hunderte verletzt. Schließlich richtete er sich selbst. Wahrscheinlich ein Psychopath – die Hintergründe unklar. Trump hält eine Rede zu den schrecklichen Ereignissen. Er macht das besser, als ich dachte. Ich verfolge die Nachrichten noch eine Weile, bis sich alles wiederholt…, bis ich satt bin.

Schreiben oder Nichtschreiben

Muss ich etwas schreiben, wenn ich keinen rechten Bock dazu habe und besser an die frische Luft gehen sollte, um nicht am eigenen Mief zu ersticken…? Soll das Schreiben zur Pflicht oder zur lästigen Aufgabe werden, die ich erfüllen muss, um mich gut zu fühlen? Warum entspanne ich mich nicht einfach und lasse den lieben Gott einen guten Mann sein?
Ähnlich wie ein Fotograf durch die Landschaft läuft und sich bei allem, was er sieht, überlegt, ob es ein gutes Motiv zum Knipsen hergibt, betrachte ich meine Gedanken und warte auf jene, von denen ich glaube, dass ich sie notieren muss, um sie nicht zu verlieren. Trotz dieser Aufmerksamkeit vergesse ich um ein Vielfaches mehr von den kostbaren Gedanken, als ich zumindest ansatzweise bewahren kann. Oft ist es so, dass mir das Beste gerade dann in den Sinn kommt, wenn ich den Stift zu Seite legte.
Meine Tagträume sind ebenso flüchtig wie ihre nächtlichen Kameraden. Zurück bleiben Ahnungen – zu schnell wird das Gedachte oder „Gesehene“ von den darauffolgenden Eindrücken zugeschüttet. Mit dem Schreiben will ich wenigstens ein paar Inhalte festhalten…
Ich denke: Muss es nicht jeder Kreatur mit Bewusstsein ähnlich gehen? Kann es einen Weg außer dem Tod aus diesem Albtraum Leben geben? Oder bleibt alles immer nur Traum – nur eben in anderen Daseinsräumen? Stellt sich das Bewusstsein letztendlich als Farce heraus?

Böse Nachbarn

Donnerstags sage ich zu meiner Kollegin: „Das Schöne am Donnerstag ist, dass morgen Freitag ist.“
Viele Kolleginnen machen freitags bereits gegen Mittag Feierabend. Sie sammeln sich dafür Plusstunden unter der Woche an. Daraus wurde ein regelrechter Sport. Einige beginnen sechs Uhr morgens mit der Arbeit, um möglichst früh gehen zu können.
Ich bin meist unter den letzten, die ins Wochenende starten, und finde es ziemlich demoralisierend, wenn eine nach der anderen in der Bürotür erscheint und sich verabschiedet.
Schließlich ist auch für mich Wochenende! Beschwingt flitze ich die Treppen hinunter zum Ausgang zur Potsdamer Straße, wo mein Fahrrad wartet.

Gestern freute ich mich besonders auf den Feierabend und die zwei Tage ohne Tumordokumentation. Ich war müde und hatte einfach genug. Vor der Haustüre traf ich auf einen Nachbarn, ein Pole, der in der ersten Etage wohnt. Er kann ziemlich aufdringlich sein. Ich bat ihn, vor mir hineinzugehen, weil ich mein Fahrrad im Schlepptau hatte. Aber er zog mich aus Höflichkeit an ihm vorbei in den Hausflur. Jetzt standen wir beide in beengten Verhältnissen, und er wollte noch an den Briefkasten, wofür ich umständlich mit dem Fahrrad rangieren musste. Ich war von dieser Aktion sichtlich genervt. Wäre er doch besser zuerst ins Haus gegangen und hätte mich kurz draußen warten lassen, wie es mein erster Gedanke war – aber nein, er musste ein Riesending daraus machen!
„Bist du Deutscher?“ fragte er in dieser Situation, was eindeutig eine Provokation war, denn er wusste, dass ich deutsch bin.
„Ja, dummerweise“, antwortete ich trotzig.
Darauf er: „Manche Menschen denken einfach zu kurz…“
„Ich denke bestimmt nicht zu kurz!“ Verärgert wuchtete ich mein Fahrrad in die kleine Kammer unter dem Treppenaufgang, welche mir als Abstellplatz dient. Kann sein, dass er darauf eifersüchtig ist, weil er für sein Fahrrad nicht diese Möglichkeit hat. Ausserdem glaube ich, dass er mir O. nicht gönnt.
Der Typ geht mir auf den Keks. Ich begegne ihm viel zu häufig. Immer hat er ein paar blöde Bemerkungen auf Lager. Er ist auf eine sehr unangenehme Weise kommunikativ und neugierig. Ich mag solche Menschen nicht, und er spürt das…
Aber gut, ich lasse mir die Laune nicht von einem Maulhelden verderben. Nachbarn kann man sich bekanntlich nicht aussuchen. Doch wie weit würden sie gehen, wenn sie einen auf dem Kieker haben? Diesen Polen schätze ich noch als harmlos ein. Ein anderer Mieter über uns macht mir mehr Kopfzerbrechen…

1 Uhr in der Nacht klingelte es an unserer Wohnungstür. Erst wollte ich gar nicht aufstehen. O. war gerade heimgekehrt. Sie geht mit ihren Kolleginnen/Kollegen nach der Arbeit gerne noch ein Bier trinken. Wer kann das zu dieser nächtlichen Zeit sein? fragte ich mich und lauschte.
O. erblickte durch den Türspion einen Nachbarn, der uns seit längerem nicht ganz geheuer ist. „Mache nicht auf“, flüsterte sie mir zu. Aber nachdem er immer wieder klingelte und klopfte, legte ich die Kette vor und öffnete die Tür einen Spalt.
„Bitte sagen Sie Ihrer Frau, dass Sie das zukünftig hier im Hausflur unterlassen soll!“
„Wie bitte?! Um was geht es denn?“ fragte ich schlaftrunken.
„Ihre Frau weiß schon, worum es geht. Sie kam doch vorhin nach Hause? Ich sah, wie sie hier hineinging.“
Ich war total irritiert: „Was hat sie denn gemacht??“
„Das will ich Ihnen nicht sagen. Aber sie weiß es schon.“
„Meinen sie diese Frau?“
O. stand inzwischen neben mir und mischte sich ein: „Was soll ich denn gemacht haben?!?“
„Gegenüber Ihrem Mann will ich das nicht sagen.“
Ich fühlte mich wie in einem schlechten Film. Um was ging es hier überhaupt? Dieser Nachbar war uns bereits früher aufgefallen, weil er oft mit ständig wechselnden Luxusautos mitten auf dem Gehsteig parkte. Strafzettel kassierte er trotzdem selten. Auch sein Umgang war, soweit ich es beurteilen kann, nicht gerade vertrauenserweckend. Es ist bekannt, dass in Berlin einige verbrecherische Klans zu Gange sind… Mir wurde immer unbehaglicher zumute.
Warum erklärte er mir nicht, um was es ging?
„Sagen Sie bitte Ihrer Frau, dass sie das zukünftig unterlassen soll“, wiederholte er, „Sie sind doch erst neu eingezogen.“
„Wir wohnen seit drei Jahren hier… Was soll meine Frau denn angeblich getan haben?!?“
Aber er beantwortete mir diese Frage nicht, und O. beteuerte, dass sie selbst nicht wisse, was der Stein des Anstoßes war. Sehr ominös das Ganze. Wie so oft in meinem Leben hatte ich das dumme Gefühl, dass etwas total an mir vorbei ging…
Warum können die Menschen nicht einfach sagen, was Sache ist? Scheiße!

Unnötig zu erwähnen, dass wir danach mit ziemlich unguten Gefühlen schlafen gingen. O. hatte Angst, und ich wusste nicht, was ich von all dem halten sollte.

Merkelmerkelmerkel…

Fuck, in einer Woche wird schon gewählt, und ich bin so gar nicht in Stimmung… Die politische Situation ist verfahren und läuft auf ein Weitermachen wie gehabt hinaus – ähnlich wie in vielen Beziehungen, wo man aus Bequemlichkeit oder Zweckmäßigkeit an den Verhältnissen besser nicht rüttelt. Die Republik ließ sich „einmerkeln“ – Merkel ist auch über die Grenzen hinaus ein Garant für… (Achselzucken). Irgendwas hat sie. Ich weiß nur nicht, was das genau ist. Sie lässt sich nicht in die Karten gucken. Auch menschlich erscheint sie mir undurchsichtig. Ich glaube, sie hätte gute Chancen, Poker-Weltmeisterin zu werden. Offenbar kann sie ganz gut systemisch denken und besitzt außerdem Machtinstinkt. Rhetorik ist nicht ihre Stärke, aber dafür verplappert sie sich seltener als andere Politiker. Nach zwölf Jahren Kanzlerschaft ist sie ausgebufft und meistert das Tagesgeschäft souverän. Um sich herum versammelte sie eine Mannschaft, die wahrscheinlich für sie durchs Feuer gehen würde. Sie ist alles andere als ein Käpt`n Blight (von der Bounty). Kritiker lässt sie elegant abblitzen. Nur wenige konnten überhaupt ein paar Kratzspuren auf ihrem Lack hinterlassen. Wir erinnern uns kaum dran. Im Aussitzen ist sie noch weit besser als Kohl, der letztlich über seine Arroganz stolperte. Frau Merkel ist in meinen Augen ein Phänomen und kaum noch als Kanzlerin wegzudenken. Der brave Martin Schulz hatte von Anfang an keine Chance, zumal ihm das nötige Charisma fehlt. Man muss also kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass Merkel aus der Wahl am nächsten Sonntag als unumstrittene Siegerin hervorgehen wird. Alles wird darauf hinauslaufen, dass die CDU mit einer schwachen Schulz-SPD im Schlepptau weiterregieren wird.
Möglicherweise ganz gut so, wenn ich mir das Kasperletheater der Oppositionsparteien betrachte. Eine Meuterei auf der Bounty wird es in dieser Republik nicht geben. Kein neues Land in Sicht – keine neue Perspektive. Bleibt nur das Oktoberfest…