Verrückte Träume

Verrückte Träume ereilten mich in der Nacht zu meinem ersten Urlaubstag. So war ich z.B. in einer skurrilen Kinovorstellung. Ein Vampirfilm lief. Realität und Fiktion durchmischten sich. Am Ende verfolgte mich Dracula bis vor das Kino, und ich flüchtete in einen Biergarten…
Heute wäre ein Biergartentag. Die Sonne scheint. Der Wetterfrosch gibt dem schönen Wetter noch einen Tag. Ein Glück, nicht im Homeoffice über Tumorfällen brüten zu müssen. Stattdessen kann ich in aller Entspanntheit durch den Tag surfen, die Türen öffnen für die Leichtigkeit des Seins. Scheiß auf Corona und den damit zusammenhängenden Wahnsinn! Draußen warten Frühling und Lebensfreude – Streicheleinheiten für die Seele – die Ängste abstreifen wie zu enge Klamotten…

Es war schön

Jeder kennt die Phase, wenn man morgens aufwacht aber noch ein Weilchen vor sich hindöst. Besonders an Wochenenden, weil einen niemand drängt. So ging es mir heute Morgen – ich schloss nochmal meine verschlafenen Äuglein und befand mich alsbald in der Schwebe zwischen Schlaf und Wachsein. Mal tendierte ich mehr hin zum Wachsein und blinzelte ins Zimmer, mal driftete ich in Fantasien und Traumbilder ab, die ich aber bewusster wahrnahm als gemeinhin die Träume des REM-Schlafes.
… eine Frau hatte gerade ein Kind entbunden. Die Hebamme teilte ihr mit, dass es ein Junge sei, worauf die junge Mutter bitterlich weinte. Bestimmt hatte sie sich ein Mädchen gewünscht. Da ich fast wach war, ließ ich die Hebamme sagen: „Ein Junge, ja, aber an dem ist alles dran!“ Sie hob den nackten Wonneproppen in die Höhe, und die Mutter lächelte unter Tränen. Dann wickelte die Hebamme das Neugeborene in ein Tuch und reichte es mir. Unsicher, fast zittrig nahm ich das Bündel entgegen und schaute in das kleine Gesicht. Seine Augen hielt es zugekniffen. Ich war wie gelähmt von dem Anblick. Ich umfasste 9 Pfund frischgeborenes Menschenleben mit meinen Händen… Schließlich küsste ich sanft die Stirn des kleinen Wesens und sagte in zärtlicher Zugewandtheit: „Na, wer bist du denn?“

So erlaubte ich mir heute in der Früh in einer Phase zwischen Schlaf und Wachsein, bei meiner eigenen Geburt dabei zu sein. Schön war`s. Auch wenn sich in der Realität bestimmt alles ganz anders abgespielt hatte.


Danke

Nachdem ich mir 2/3 der 9. Staffel von „Death In Paradise“ reingezogen hatte, eine meiner Lieblingsserien zum Abschalten/Chillen, wechselte ich zu YouTube. Momentan liegen meine Favoriten hauptsächlich bei Mystery, Science-Fiction-Hörbüchern, Astronomie, Mathematik und Corona-kritischem Journalismus. Um up to date zu bleiben. Nicht dass ich den Weltuntergang verpasse… oder den „Great Reset“… oder die Kontaktaufnahme mit (echten) Aliens. Im Ernst – momentan erscheint mir nichts unmöglich. Ich lausche dem Gelaber und vergrabe meinen Kopf im Kissen. Vieles, was ich da höre, kurbelt meine Fantasie an. Und wenn`s zu dämlich wird, suche ich einen anderen Kanal. Falls ich dann nicht schon hinüber wechselte ins Traumreich des Schlafes.
Ich bin gern in meinen Träumen, so verrückt sie auch sind. Diesmal entschlummerte ich während des Beitrags einer Berliner YouTuberin, einer echten Labertasche. Aber nicht unsympathisch. Sie zetert in Monologen über die derzeitige Corona-Politik… tagesaktuell. Wow! denke ich oft, wie kann ein Mensch so lange am Stück reden. Aber diese (noch) junge Frau macht es gar nicht so schlecht. Sie hat viele Tausend Follower… Etwas nervös mit ihrer fahrigen Gestik aber auch erfrischend unprätentiös. Bisher hatte ich sie nur am Rande auf dem Schirm.  
Heute Morgen abonnierte ich ihren Kanal. Denn ich hatte mich im Schlaf verliebt. Die Gefühle der Annäherung und Hoffnung waren total real. Sie schien mich auch zu mögen… Doch es war nur ein Traum in einem Traum. Wir mussten uns verabschieden. Unglaublich, ich weinte ihr im Schlaf hinterher…


Der verrückte Traum

Die Tage gingen dann doch ziemlich schnell rum im Eintönigkeits-Blues. Als hätte ich Weihnachten verpennt. Nun nur noch Silvester. Bleibt das vermaledeite Corona. Wie schön wäre das: ich wache auf: die Kneipen haben geöffnet, kein Mensch redet über Corona, Lockdown, Impfungen und Verschwörungstheorien – als wäre 2020 nur ein schlechter Traum gewesen. Und keine fuckin` Masken!

Thorsten stellt das Bier vor mich auf die Theke. „Und wie geht’s so“, fragt er mich.
„Ganz gut. Allerdings hatte ich einen verrückten Traum…“
Es ist erst kurz nach Mittag. Außer mir sind nur wenige Gäste im Pub. Thorsten hat nicht viel zu tun. Ich erzähle ihm also von meinem Traum.
„Und alle Kneipen mussten dicht machen während dieses… äh…“
„Lockdowns“, ergänze ich und nehme einen großen Schluck von meinem Berliner Kindl, „… alles hatte zu außer den Supermärkten.“
„Das geht doch gar nicht“, Thorsten schaut ungläubig.
Ich lache: „Klar – war ja auch ein Traum… Allerdings war der wie echt. Weißt du, was ich meine?“
„Hm… Hinterher ist man sich nicht sicher, was real und was Traum ist. Das sind die gruseligsten Träume.“
Ich nicke und blicke durch die Fensterfront auf die Potsdamer Straße. Menschen aller Couleur hasten vorbei, sich stauende Autos, Hupen… der ganz normale großstädtische Moloch.
„Und das Verrückteste“, bricht es aus mir hervor, „wir mussten alle Masken tragen!“
„Karnevalsmasken – oder was?“
„Du nun wieder… Natürlich nicht! Ich meine solche Schutzmasken, wie sie die Chinesen in ihren Großstädten tragen. Du weißt schon.“
Thorsten grinst breit und blickt fragend auf mein fast leeres Glas.
„Logo. Damit ich mir ganz sicher bin, dass es nur ein Traum war.“
Neue Gäste kommen ins Pub, und Thorsten ist erstmal beschäftigt. Ich halte mich am Bier und lasse den lieben Gott einen guten Mann sein. Ich sollte diesen Traum aufschreiben, denke ich bei mir. Er war so real. Unglaublich.

Welchen Tag haben wir? Ich reibe mir die Augenbutter aus den Augen. In der Gemengelage von Feiertagen und Wochenende verliere ich leicht den Überblick. Zeit aufzustehen, signalisiert mir meine innere Uhr, obwohl noch dunkel ist. Ich lag lange genug in den Federn. Was war das für ein verrückter Traum, den ich hatte? – Ich war im Pub. Thorsten bediente…


Im Blubber-Modus

Buchung erledigt, Fahrkarte gekauft… nun muss nur noch Donnerstag werden. Ich liebe Reisen, die wenig Aufwand erfordern. Manchmal träume ich von einem Leben aus dem Koffer, – dass ich ganz minimalistisch, nur mit meinem kleinen Fahrrad (das auch in einen Koffer passt) durch die Welt reise. Ohne festen Wohnsitz. Natürlich bräuchte ich dazu eine Kreditkarte und ein dickes Bankkonto. Außerdem gäbe es da noch x Hindernisse mit der Bürokratie… Und schon habe ich ausgeträumt. Der Realismus ist unerbittlich.
Also backe ich weiter kleine Brötchen. Einfach über Wasser halten, ist ja auch schon was: mit einem sicheren Job, einer kleinen Wohnung in Berlin; und nun leiste ich mir eine kleine Urlaubsreise. Bescheiden geht die Welt zugrunde. (Oder so ähnlich.)
Als junger Mann freilich schienen selbst die irresten Träume noch eine Chance auf Umsetzung zu haben… Tja, hat wohl nicht ganz geklappt. Sei`s drum. Im vor mich hin blubbern bin ich auch ganz gut.

 

 

Alles ist hohl

Ich mag abwegige Ideen, also Ideen, die von unserer gelebten Wirklichkeit abweichen… teils erheblich abweichen. Auf YouTube ziehe ich mir allerlei rein: von UFO-Theorien, Präastronautik bis hin zur Hohlen Erde. Selbst die Mainstreamwissenschaft gelangte inzwischen an einen Punkt, wo irrwitzige Theorien sprießen. Wir reden vom Multiversum, von Wurmlöchern und eingerollten Dimensionen. Las ich als Kind noch fantasiesprengende Märchenbücher, so entdecke ich heute das Fantastische (Unheimliche) in den sogenannten konkreten Wissenschaften. Die Wissenschaftler erscheinen wie Magier, wenn sie über die Phänomene des Universums oder der Quantenwelt referieren. Ich weiß nicht, ob sie verstehen, worüber sie reden. Zumindest tun manche so. Erforschte Realität und menschlich erfahrbare Wirklichkeit stehen im Diskurs. Was ist Materie? Existiert sie als solche überhaupt? Was ist Raum? Was ist Zeit? Nicht einmal die genialsten Geister der Welt finden auf diese Fragen zufriedenstellende Antworten. Das Wesen der Welt bleibt ein Mysterium. Dazu gehört unser Dasein. Dazu gehören Bewusstsein und Intellekt, welche uns erst über die Welt sinnieren lassen.
Wer bin ich? Woher komme ich? Wozu das alles? Ich habe oft das Gefühl, dass solche Fragen ketzerisch sind. Niemand will sie hören. Selten gab es Menschen, mit denen ich mich darüber ernsthaft austauschen konnte. Der erste und zugleich wichtigste Mensch, der auf meine Fragen einging, war meine Mutter… Als Teenager wurde mir klar, dass ich niemals aufhören kann, unser Dasein zu hinterfragen. Ich kann mich nicht der materialistischen Welt ergeben. Auf der anderen Seite blieben mir die angebotenen Religionen suspekt. Ich sah in ihnen lediglich eine Ausrede.
Gott ist tot. Er passt schon lange nicht mehr in unsere Welt. In meine Welt hätte er nie gepasst. Zu jeder Zeit wäre ich ein Ketzer gewesen. Glücklicherweise lebe ich heute und nicht im Mittelalter.
Ich glaube an nichts. Ich verleugne gar meine Existenz. Ist das nicht verrückt? Dieser absurde Nihilismus schafft erst das, was ich zu begreifen meine… Eben nichts.
Da sitze ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor.

Das zumindest kapierte schon Goethe.

Zurück zur Faszination am Fantastischen: Weg von der Selbstvergewaltigung als funktionierendes Mitglied in einer Gesellschaft, die ich nicht verstehe. Weg von der irrsinnigen Bürokratie. Weg von der Leistungsgesellschaft. Weg von Ideen wie Glaube und Kapitalismus. Weg von Krieg und Ausbeutung. Weg von der Macht des Geldes. Weg von der Gewalt. Weg von den vielen Lügen…
– von mir aus hinein in eine Hohle Erde, wo das Gute nicht nur eine blasse Idee ist, sondern seit Jahrtausenden gelebt wird.

 

Im Sog der Dicken Titten

Geträumt wie ein Irrer. Als ich mitten in der Nacht aufwachte, musste ich erstmal die Wirklichkeit wiederfinden… Auf leisen Sohlen kam sie zurück: „… ich bin in meiner kleinen Berliner Wohnung und arbeite als Tumordokumentar… Ich muss nicht zurück ins Altenheim. Gott sei Dank …“
Der Wirt feierte gestern 31jähriges. 1989 im Wendejahr hatte er das Pub übernommen. Er war gut drauf. Korn floss in Strömen. Ich hatte mir einen kurzen Dienst gegönnt und läutete am frühen Nachmittag im Pub das Wochenende ein. Normalerweise trinke ich 3 Pils, blättere ein paar Zeitschriften durch, und gut ist. Aus gegebenem Anlass wurde es diesmal das Doppelte, dazu die Runden Korn, welche ich nicht zählte. Sita und ihre Kollegin erschienen mir im Verlaufe meiner Sitzung an der Bar immer reizender. Ihre strammen Körper steckten in engen roten Kleidern. Sitas riesige Brüste wogten durchs Pub. Dazu ihr dunkles Lachen „HO-HO-HO“. Ich klopfte dem Wirt auf die Schulter und sabberte: „Noch eine mehr, und wir haben Drei Engel für Puschel!“ So wird der Wirt genannt. (Habe ich hier noch gar nicht erwähnt.) Wir lachten, und der Wirt, respektive Puschel, sagte irgendwas, was ich nicht verstand. Umso betrunkener er ist, desto stärker nuschelt/puschelt er. Egal.

Die Waschmaschine läuft mit meiner Bettwäsche und den nach Zigarettenrauch stinkenden Klamotten. Einen dicken Kopf habe ich nicht. Ich schaffte rechtzeitig den Absprung. War echt an der Grenze.
Ich sitze (wie meist) planlos am Schreibtisch, zur Hälfte glücklich darüber, dass ich am WE keinerlei Verpflichtungen habe, zur anderen Hälfte überschattet von meiner Einsamkeit. Sowieso ist das Wochenende kurz. Auch die Arbeitswochen sind kurz, jedoch in Unfreiheit. Ich stecke fest in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Überlebensmaschinerie, werde im Takt dieses monströsen Apparates durch die Wochen gezogen. Wurde ich dafür geboren? frage ich mich oft, und: Wieso finde ich keinen Weg heraus aus diesem Kerker? Und wo würde ich landen – fände ich einen Ausweg, bevor mich der Tod holt? Oder: Finde ich zu Lebzeiten nur geistigen Frieden, indem ich mein Begehren nach Freiheit und Wahrhaftigkeit verrate? Wie viel Bewusstsein kann ich mir leisten?
Immer wieder wundert es mich, dass die meisten Menschen um mich herum sich wenig bis gar nicht zu diesen existentiellen Problematiken äußern… Viele Fragen liegen mir auf der Seele, für die sich kaum jemand zu interessieren scheint. Umso schöner, wenn ich zufällig auf einen Menschen stoße, der meine Fragen ernsthaft reflektiert. Erst gestern Abend geschehen, als ich im Halbsuff YouTube durchstöberte und auf Jochen Kirchhoff stieß… streckenweise inspirierend dieser belesene philosophische Kauz.

Schätzungsweise wird es mich auch heute Nachmittag wieder ins Pub ziehen. Fußballbundesliga: 15 Uhr 30 Hertha gegen Paderborn, gleichzeitig Union gegen Leverkusen.