Eindrücklich

Ich träumte von einer unheimlichen, sternenklaren Nacht. Es tat richtig weh hinzugucken – die Sterne leuchteten ungewöhnlich hell und schillerten in allen möglichen Farben. Die Szenerie war derart ungewöhnlich, dass irgendetwas nicht stimmen konnte. Beängstigend. Ich wollte mit dir in diesem Moment zusammen sein. Aber ich konnte dich nicht finden. Die Sterne beleuchteten die Stadt beinahe taghell. Ich versuchte, nicht hinzuschauen. Der gesamte Nachthimmel verwandelte sich in eine riesige Leinwand, auf der sich farbige Landschaften und Figuren abzeichneten. Der Horizont dampfte bunt.

Putztag

Es gibt Tage, die ich anschaue, als würden sie nicht zu mir gehören. Am Besten etwas durch die Wohnung putzen. Mein Gott, woher kommt der ganze Staub und Dreck? Unfassbar! Wenn man mal anfängt … Es soll ja Menschen geben, die gern putzen oder gar putz-süchtig sind. Ich erinnere mich an meine Mutter, die jeden Tag mit Möbelpolitur (die ganze Wohnung roch danach) die Flächen abwischte und uns Kinder schimpfte, wenn wir Fingerspuren hinterließen, wo sie ihrer Ansicht nach nichts zu suchen hatten. Putzen war eine ihrer Hauptbeschäftigungen. Mit am Schlimmsten fand ich das Staubsaugen, dieses Getöse minutenlang, und ich musste immer meine Spielsachen wegräumen.
Hausarbeit ist absolut nicht mein Ding. Natürlich tue ich die notwendigen Dinge dann doch … irgendwann.
Heute ist jedenfalls so ein Tag, an dem etwas durch die Wohnung putzen nicht das Schlechteste ist. Ich fühle mich planlos. Am Computer fällt mir nichts ein. Ich stiere einfach nur auf den Bildschirm. Nichts passiert.
Am frühen Abend ist wieder eine Wohnungsbesichtigung zwecks Hausverkauf. Vielleicht registriert mein Vermieter, dass nicht mehr so viele Staubschlieren herumhängen, und dass man durch die Fenster wieder durchgucken kann. Ich überlege mir, ob es so was wie ein Putz-Gen gibt. Ich erbte es offensichtlich nicht.

Bloß wohin?

Nur keine Panik auf der Titanic. Mein Vermieter sucht nun massiert nach einem Käufer für das Haus. Ich gönne es ihm, wenn er die Bruchbude für einen anständigen Preis loswird: zudem Hanglage mit einem großen, verwilderten Grundstück, schwer erreichbar und eine befahrene Autostraße in unmittelbarer Nähe. Der letzte potentielle Käufer kam bereits mit einem Architekten. Sie inspizierten auch meine Wohnung. Ich verpisste mich derweil ins Kaffeehaus. Die Vorstellung, dass fremde Menschen durch meine Wohnung latschen und blöd herum gucken, ist einfach scheußlich. Da muss ich nicht dabei sein.
Bei Verkaufserfolg müsste ich auf eine Kündigung meines Mietverhältnisses gefasst sein. 2014 verspricht ein spannendes Jahr zu werden. Mal sehen, wo ich lande. Den Sommer will ich jedenfalls noch hier verbringen – was kein Problem sein sollte, meinte mein Vermieter, wenn überhaupt, müsste ich wohl Ende des Jahres ausziehen. Die Frage, die sich mir stellt, ist: Wage ich dann mal einen größeren Sprung … vielleicht in eine andere Gegend, eine andere Stadt? Die Gelegenheit wäre günstig.
Morgen habe ich ein Gespräch mit meinen Chefs im Altenheim. Es geht darum, ob sie meinen Auflösungswünschen des Beschäftigungsvertrages zustimmen. Eigentlich steht da nur der Zeitpunkt zur Diskussion – aber sie machen da ein großes Ding draus, weil sie schließlich Ersatz suchen müssen …
Wie gesagt, die Gelegenheit wäre günstig, mal ganz woanders hinzuziehen. Bloß wohin?

Ernüchterung

„Musst du arbeiten?“ ruft Klaus, der an einem Nachbartisch im Biergarten vorm Kaffeehaus sitzt.
„Nein, ich hab frei!“
„Dafür, dass du frei hast, siehst du aber ziemlich angespannt aus!“
„Die Anspannung ist noch von der letzten Nacht!“ Ich trinke den letzten Schluck aus meinem Bier und gehe zu meinem Fahrrad. Ein Einkauf steht noch auf dem Programm. Die Sonne ist inzwischen unter die Hausdächer gesunken. Das erste Mal seit Wochen spüre ich so was wie Ernüchterung. Und Traurigkeit.
Als ich vom Supermarkt zurückkomme, dämmert es. Erneut stelle ich mein Fahrrad vorm Kaffeehaus ab, gehe aber diesmal in die Gaststube. Ich lächele Kei an, der an der Theke bedient. Lustlos blättere ich in einer Zeitschrift und bestelle einen Gin Tonic. Das übliche Glücksproblem – wenn es anfängt zu bröckeln. Mein Herz wehrt sich. Dementsprechend schwer fühlt es sich an.
Ich sitze an der Bar in einer anderen Welt. Wie in einer Blase aus Kristall. Kaltes Kristall, in dem ich eingefroren bin. Kei schaut mich an. Zögerlich reagiere ich: „Ja, mach mir noch einen.“

Exponierte Lage

Hätten mich die zwei Männer höflich gebeten, meinen Platz zu räumen, wäre ich ihrem Wunsch bestimmt nachgekommen. Stattdessen schauten sie mich an, als wäre ich von einem anderen Stern. „Wieso sitzen Sie hier, wir hatten den Platz für 18 Uhr 30 reserviert?!“
Ich saß auf einer Sitzbank am Ende der Bar in exponierter Lage und hatte es mir mit einem Weizenbier gemütlich gemacht.
„Tut mir leid, hier war nicht reserviert“, sagte ich und dachte, dass damit alles klar wäre.
Die zwei Männer, südländische Erscheinung, in meinem Alter oder etwas jünger, schauten mich entgeistert an. Dummerweise machte der Barkeeper, bei dem sie wohl ihre Reservierung angemeldet hatten, gerade eine Zigarettenpause.
An und für sich bin ich kein Unmensch. Wenn sich die beiden nicht so vorwurfsvoll in meine Richtung gewandt hätten, wäre ich eingeknickt. Ihre Beharrlichkeit ärgerte mich, und ich sagte: „Wenden Sie sich bitte an die richtige Adresse!“
„Und Sie wollen noch sitzen bleiben?“
„Ja!“ nickte ich bestimmt, dabei hatte ich vorgehabt nach dem Bier zu gehen. Stadtausflüge stimmen mich immer leicht depressiv. Die vielen Menschen, der Verkehr und der Lärm gehen mir mit der Zeit auf die Nerven. Trotzdem begebe ich mich alle paar Tage in das städtische Gewühl, um einzukaufen, Menschen zu beobachten und etwas Zeit totzuschlagen. Nach drei bis vier Stunden habe ich dann meist genug.
Die beiden Männer zogen sich schließlich zurück und suchten sich eine andere Sitzgelegenheit in dem großen Gastraum. Ich trank mein Bier aus und wollte einen Gin Tonic bestellen. Der zuständige Barkeeper war zurück aus seiner Pause und von seinem Kollegen über den Vorfall unterrichtet. Auch hatte sich inzwischen der eine von den beiden Männern bei ihm beschwert. Wahrscheinlich machte der Barkeeper nun mich für den erhaltenen Anschiss verantwortlich. Jedenfalls musste ich ihn beinahe an den Haaren herbeiziehen, damit ich meine Bestellung aufgeben konnte.
Einige Minuten vor diesem Vorfall bekam ich eine Voicemail vom Reisebüro. Es ging darum, dass ich die Unterlagen vom Reiseveranstalter noch nicht (wie versprochen) per Post erhalten hatte.
„… die Unterlagen werden für Sie am Flughafen hinterlegt, und zwar ist das … im Terminal 3, Ebene 3 …“
Super! Da bin ich mal gespannt, ob das alles hinhaut.
In mir machte sich Groll breit, und dann kamen diese zwei Typen mit ihrem Platzanspruch. Ich weiß, ich hätte einlenken sollen. Ich war sowieso schon angepisst und wollte gehen, aber jetzt waren alle Parteien verärgert: die zwei Männer, der Barkeeper und ich.
Alles nicht so einfach. Na ja, ich brauchte nicht ewig für den Gin Tonic. 19 Uhr befand ich mich bereits auf dem Weg zum Taxistand.

Die Zukunft liegt in den Wolken

Meine Ex-Freundinnen waren eigentlich ganz nett. Sehnsüchtig blinzle ich in den Himmel. Ich schlief unruhig mit einem tonnenschweren Herz in meiner Brust. Kein Zweifel: ich vermisse die Liebe. Vielleicht ist es der nahende Frühling, der mich foppt. Die Säfte beginnen zu steigen. In meinem Zuhause fehlt das „Du“. Das Alleinsein genieße ich nur, wenn da noch das Andere ist, aus dem ich mich zurückziehe, von dem ich ab und zu Abstand brauche. Ich gebe zu, dass ich mit meinem Bedürfnis nach Rückzug und Freiraum nicht gerade ein Beziehungs-Leichtgewicht bin. Dazu meine Launen und mein Hang zu schwermütigen Gedanken. Das Alleinsein bekommt an dienstfreien Tagen ein anderes Gesicht – es wechselt zur Einsamkeit mit wehmütigen Zügen auf Stirn und um den Mund herum, und die Augen schauen verloren in den Tag. Das Alleinsein, das ich normalerweise mit persönlicher Freiheit verbinde, wird mir zunehmend zu einem persönlichen Gefängnis. Das Alleinsein vergiftet mich nach und nach. Oder bilde ich mir das nur ein? Ich kriege die ambivalenten Gefühle nicht zusammen. Ich will mir nicht mit der eigenen Miesepetrigkeit den Urlaub verderben. Noch befinde ich mich in der Umstellung. Erst drei Tage liegt der letzte Nachtwachen-Block zurück.
Die Wolken sind Wattebäusche auf einem strahlend-blauen Himmel. Der Tag leuchtet in meine vier Wände. Es sieht so aus, als hätte der Winter aufgegeben. Ich wünschte mir den Frühling – und nun habe ich ihn. Ich wünschte mir Urlaub – und habe ihn. Verflixt und zugenäht, ich sollte besser drauf sein! Möglicherweise wirst du schneller, als du denkst, wieder in einer Beziehung stecken und dir das Alleinsein zurückwünschen. Ja klar, man will immer das, was man gerade nicht hat. Scheiß Binsenweisheit.

Bisher kam ich als Loser ganz gut durchs Leben. Ich will mich nicht beklagen. Nein, es macht mir nichts aus, als Loser zu gelten. Die Antihelden waren mir schon immer sympathischer. Ich mag ihren Trotz und ihr nichtkonformes Denken und Auftreten. Schon als Kind fühlte ich mich in der Schule mehr zu den Außenseitern als zu den Klassenlieblingen hingezogen. Und die mochten mich auch meist. Ich wollte nie im Mittelpunkt stehen, und ich wollte nie zum Kreis derer gehören, die sich um jene sammelten, die im Mittelpunkt standen. Diese Einstellung zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Klar, dass ich damit nicht weit kommen würde; aber das ist mir egal, weil mich Hierarchien und Karriereleitern ohnehin ankotzen. Es erscheint nur konsequent, dass ich im Altenheim im Nachtdienst landete. Und dass ich nicht heiratete, lässt sich damit auch gut nachvollziehen. Ich blieb mir auf meinen Abwegen treu. Ab und zu denke ich über mein Leben nach und bin auf eigentümliche Art und Weise stolz auf mich. Wenigstens einer, der es zu würdigen weiß. Nein, ich neige nicht zu ausgeprägtem Selbstmitleid.
Muss man jeden Wahnsinn mitmachen? Dann doch lieber den eigenen pflegen.
Die Zukunft liegt in den Wolken.

Nicht Hinschauen

Die Februarsonne blinzelt zu mir ins Zimmer. Ich sitze träge am Schreibtisch. Die fünf Nachtwachen stecken mir noch in den Gliedern. Wie immer winkt das „Lethargie-Loch“. Es will mich in seinen Bann ziehen. Vielleicht hilft etwas Schreiben. Nur was?
Die Sonne scheint, aber in meinem Kopf ist Nebel.
Was für ein komisches Wort ist eigentlich „Mensch“?
Ich stehe kurz auf und strecke mich. Mein Gott! Fühlt es sich so an, wenn man alt wird?
Ich drehe die Musik lauter. Es läuft die CD „The Joshua Tree“ von U2.
Das Sonnenlicht flackert im Takt. Die Zweige zittern. Der Nebel in meinem Kopf tanzt.
Tagträume zurück in vergangene Zeiten. Die Achtziger waren meine besten Jahre.
Ich bin meine eigene Moorleiche, wie ich hier am Schreibtisch kauere.
Die Musik tönt unüberhörbar von vergangenen Zeiten. Ich sehe als Bild Hände, die auseinander rutschen. Hände, die ich liebte. Für immer begraben.
Ich habe Sehnsucht nach einem streichelnden Paar Hände.

Gedanken sind wie Schwebeteilchen, und das Bewusstsein ist die Lampe, die sie anleuchtet.
Ich warte. Auf was warte ich? Scheiß Lethargie! Nun hat sie mich doch erwischt.
Fuck!

Da ist noch was: Mein Gesicht spiegelt sich im Bildschirm des Notebooks. Das kann einem den Tag versauen. Nicht Hinschauen klappt nicht immer.

Die dunkle Macht

Die Zeit wächst unaufhörlich. Mit ihr der Raum. Das Universum expandiert – immer schneller durch die geheimnisvolle „dunkle Energie“.
Wo kommt die ganze Zeit her, die ständig hinzukommt und die Archive füllt? Was macht die Zeit mit uns?
Solche Fragen können einen verzweifeln lassen. Aber sie ereilen mich ganz von selbst. Ich werde sie nicht los, als wären diese Seinsfragen Bluthunde, die mich auf Schritt und Tritt verfolgen und anbellen. In was für einer Welt lebe ich? Wie ist der Bogen vom schnöden Alltag hin zu den wahnsinnigen Größenordnungen des Universums und seinen Geheimnissen zu spannen?
Ohne mein besonderes Zutun wächst meine Vergangenheit mit der Zeit, die scheinbar durch alle Poren dringt. Mit jedem Moment werde ich älter. Alles wird älter. Wenn ich alte Notizen durchstöbere, spüre ich beinahe körperlich diesen Irrsinn der sich aneinanderreihenden Tage, Monate und Jahre. Es ist, als gäbe es eine „dunkle Macht“, die das Leben wachsen lässt und gleichzeitig verschlingt. Ich erschauere unter dem Druck des riesigen Weltgefüges, in dem ich mich, weniger noch als ein Sandkorn, in meinem eigenen Saft drehe und wende. Gibt es Menschen, die ähnlich fühlen? Wo sind sie? Das frage ich mich manchmal, wenn ich ausgehe oder fernsehe oder im Internet surfe. Die meisten Menschen machen, als wäre alles furchtbar selbstverständlich, als wäre es Unsinn zu fragen, warum es so ist und nicht anders. Ihnen scheinen keine bellenden Bluthunde auf den Fersen zu sein. Sie gehen in ihrer Alltagswelt ganz und gar auf. Ihr Leben wird beinahe ausschließlich von Profanem bestimmt. Das Geistige übernehmen sie beinahe kritiklos von Philosophen und Theologen und auch von Scharlatanen und ideologischen Demagogen. Oder es reicht ihnen der Materialismus mit seinen Verführungen und kapitalistischen Werten. Ethische Fragen sind anstrengend. Philosophische Gedanken helfen selten im Überlebenskampf und bringen einen im Beruf kaum weiter – im Gegenteil behindern sie einen, wenn sie die Strukturen hinterfragen. Selbst als Philosoph muss man Karriere machen, wenn man seinen Lebensunterhalt damit bestreiten will. Dasselbe gilt für Künstler und Dichter.
Eigentlich wollte ich den Bogen gar nicht hin zu einer Gesellschaftskritik spannen. Ich ließ meine Gedanken einfach laufen. Ich fühle mich oft einsam und fremd in dieser Welt. Zum einen ist da das Universum mit seinen wahnwitzigen Erscheinungen und Kräften in Mikro- und Makrokosmos; zum anderen lebe ich in der Welt der Menschen auf der Erde …, deren Umtrieben ich sehr skeptisch gegenüberstehe, die ich zu einem guten Teil für idiotisch halte – jedenfalls in meinem kapitalistisch geprägten Umfeld.
Ihr meint vielleicht, dass ich den Bogen überspanne, dass ich mir das Leben unnötig schwer mache. Mag sein. Doch was heißt Leben? Was heißt Bewusstsein? Habt ihr Angst vor diesen Fragen? Fühlt ihr auch die „dunkle Macht“ dahinter? Ihr lebt es bloß anders aus als ich …

Heute bin ich zuhause

Zuallererst einen Gruß an meine Mama, die heute ihren 80sten gefeiert hätte. Sohnemann vergisst sie nicht …
Die Toten gehen in die Ewigkeit ein. Gott schenkt ihnen Friede und Güte. Es ist ein schönes Bild, auch wenn ich nicht an Gott glaube. Spontan denke ich an Bilder von Marc Chagall
Ich höre Vogelgezwitscher, das durch das offene Badfenster dringt. Es übertönt die Waschmaschine. Ich lausche und lächele.
In der Nacht hatte ich gute Träume.
Der Tag ist ein helles Tuch, samtig weich. Das Grau des Himmels strahlt Gleichmut aus. Ich bette meinen Kopf auf mein Herz.
Am Computer. Muße bei Musik von Nils Landgren. Ein wohliges Gefühl durchströmt mich. Alles ist gut – auch wenn ich weiß, dass dem nicht so ist. Ich darf einfach sein. Alle Last rutscht von mir.
Heute bin ich zuhause.
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Marc Chagall, A Couple of Lovers,
nördliches, dreibahniges Chorfenster in der Mainzer Pfarrkirche St. Stephan

It´s a Miracle

Zur Zeit werde ich mit Werbemails bombardiert. Die letzten Monate, Jahre hatte ich Ruhe, weil ich, sobald ich doch mal eine dieser lästigen Werbemails erhalte, mich sogleich wieder austrage. Weiß der Teufel, wo diese Schwemme plötzlich herkommt. Irgendwer leitete ohne meine Einwilligung meine Mailadresse an eine dieser Medienverteilergesellschaften, in diesem Falle hauptsächlich http://DACHmails.com, weiter. Was es nicht alles für`nen Scheiß gibt!
Nun gut, ich rege mich darüber nicht mehr als nötig auf.
Die Tage plätschern dahin – ohne große Höhen und Tiefen – und das ist ganz gut so, denn aufregendere Zeiten werden sich früh genug wieder ergeben. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht gänzlich in Lethargie verfalle.
Die Todestage meiner Eltern jähren sich bald zum ersten Mal. Mein Papa würde heute seinen 82sten feiern. Der stetige Fortgang der Zeit verbannt alles in die Vergangenheit. Das überwältigende Moment und Empfinden der Gegenwart ist nur uns (zufällig) Lebenden gegeben. Es ist eine verrückte Sache, das Leben – und mit ihm das Lieben. It`s a Miracle.
Ich stelle mir vor, dass die Toten unser Streben nach Liebe, Glück und Reichtum milde belächeln.
Das Leben ist wie eine weißes Blatt Papier, das wir mit unserer Geschichte vollschreiben. Jeden Tag kommt ein Satz hinzu. Leider kann man die verhunzten Wörter, Sätze und Abschnitte nicht einfach schreddern. Unser Leben ist absolut authentisch. Wir können den ganzen Schwachsinn, den wir verzapfen, nicht auslöschen. Damit wir nicht ganz so schlecht aussehen, machen wir unsere Mitmenschen noch schlechter …, was zur Folge hat, dass diese den Spieß umdrehen, und so weiter und so fort. Demütig sind wir selten, und wenn, dann aus Berechnung.
Mein Menschenbild ist wirklich nicht das Beste. Die Toten könnten uns was erzählen, aber sie sind dummerweise tot. So ist das. Wir müssen weitermachen, auch wenn die Geschichte mies ist.
Gibt es die Liebe? Haben wir überhaupt eine Seele? Ich weiß es nicht. Es könnte auch eine Farce sein. Wir führen ein Marionetten-Dasein. Mehr oder weniger. Jedes Gegen Den Strom Schwimmen kostet unendlich viel Energie. Wir klammern uns an Einbildungen und Träume. An was sonst?
Am Besten wäre es, man könnte das Blatt Papier leer lassen. Aber das geht nicht – nicht solange man lebt. Die Zeit selbst würde für mich weiterschreiben …, falls ich mich in totale Lethargie ergeben würde. Das wäre ein Lebendig Begraben Sein. Nicht sehr spaßig.
Es geht darum, einen Sinn in der Sinnlosigkeit zu finden. Man muss sich was vormachen.
So, jetzt habe ich mit meinem depressiven Geschreibsel gar die Sonne verscheucht. Es war wirklich nicht mein Vorsatz. Vielleicht liegt es daran, dass ich heute Abend wieder in die Nachtwache muss.
Manchmal bilden sich um mich Blasen der Trostlosigkeit.
Scheiße.
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lieber Mark Twain, das ist nicht so einfach